SCHÖNEFELD / LONDON (IT BOLTWISE) – Ryanair streicht zum Start des Winterflugplans am BER insgesamt zwölf Verbindungen. Sechs Ziele wie Palermo, Marseille, Triest und Pisa sind dann nicht mehr direkt erreichbar. Gleichzeitig übernimmt ein Teil des Angebots anderer Carrier, darunter easyJet, Eurowings, easyJet und Wizz Air. Für den BER bedeutet das laut Prognosen der Flughafenbetreiber auch finanziellen Druck und damit sinkende Passagierzahlen.

Am BER beginnt der Winterflugplan mit einer klaren Botschaft: Ryanair reduziert sein Angebot an der deutschen Hauptstadt spürbar. Laut Angaben von Ryanair und der Flughafenbetreibergesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) nimmt die Airline zum kommenden Sonntag zwölf Verbindungen aus dem Programm. Für Reisende ist das vor allem deshalb sichtbar, weil mehrere klassische Direktziele aus dem Fahrplan herausfallen und damit Umsteigeverbindungen wahrscheinlicher werden.
Besonders deutlich ist die Auswirkung bei den sechs Zielen, die die FBB künftig als „gar nicht mehr direkt erreichbar“ einstuft: Palermo, Marseille, Triest, Reggio Calabria, Tallinn und Pisa. Damit verschiebt sich nicht nur das Portfolio, sondern auch die Planbarkeit für Passagiere, die bisher auf direkte Flugzeiten gesetzt haben. Gleichzeitig bleiben andere Verbindungen bestehen; die FBB betont jedoch, dass sich die Reichweite im Vergleich zum bisherigen Angebot in Berlin deutlich verkleinert.
Ein Teil der frei werdenden Slots und Strecken wird laut FBB von anderen Airlines übernommen. So soll Gran Canaria künftig von easyJet, Eurowings und Sundair angeboten werden, Fuerteventura von easyJet und Eurowings, Bologna von Eurowings, Lanzarote ebenfalls von easyJet und Eurowings sowie Thessaloniki von easyJet und Aegean. Vilnius kommt unterdessen über Wizz Air hinzu. Ryanair fliegt die Hauptstadt weiterhin an, verliert nach den Angaben in der Summe aber rund die Hälfte des bisherigen Angebots – ein Einschnitt, der sich im Wettbewerb um Preis- und Reisezeit-Sensibilität direkt bemerkbar machen dürfte.
Hinter der Streckenentscheidung steckt auch der wirtschaftliche Konflikt um Standortgebühren. Ryanair kritisiert seit Jahren die hohen Gebühren in Deutschland und stellt dabei insbesondere die Kostenstruktur am BER in den Mittelpunkt. Für die FBB wiegt das weniger als Reputationsfrage, sondern vor allem als Finanz- und Planungsproblem: Flughafenchefin Aletta von Massenbach rechnet für 2026 „auch aus diesem Grund“ mit einem deutlichen Rückgang der Passagierzahlen. Die Prognose nennt einen Rückgang von 26,1 Millionen im Vorjahr auf rund 25,7 Millionen im laufenden Jahr; für 2027 werden weitere 25 bis 25,2 Millionen in Aussicht gestellt, nachdem der BER ursprünglich bis zu 27 Millionen Passagiere erwartet hatte.
Der Schritt bleibt nicht auf Schönefeld beschränkt. Ryanair reduziert laut Bericht bundesweit das Angebot um insgesamt rund 700.000 Sitzplätze gegenüber dem Vorjahr, was einem Rückgang um 10 Prozent im Vergleich zum Winter 2025/26 entspricht. Besonders auffällig: Der Flughafen Bremen soll demnach komplett aus dem Programm gestrichen werden. Auch an anderen Standorten wird gestutzt, wobei der Bericht von Kürzungen in der Größenordnung von etwa 5 Prozent spricht – während es zugleich gegenläufige Entwicklungen gibt, etwa bei Kapazitätsaufbau in Memmingen und Köln.
Während Streichungen den Fahrplan dominieren, entstehen an anderer Stelle neue Verbindungen. Für den Winterflugplan nennt der Bericht Saarbrücken und Friedrichshafen als neu im Ryanair-Programm. Die BER-Betreiber stellen außerdem eine zweite Perspektive auf: Trotz des Schritts von Ryanair seien ab Sonntag acht Ziele mehr vom BER aus erreichbar als im vergangenen Winter. Der Grund liegt nach deren Darstellung darin, dass andere Fluggesellschaften nachgerüstet haben: Eurowings stationiert zwei weitere Flugzeuge am BER und erweitert damit die dortige Flotte auf elf Maschinen, parallel baut Wizz Air ebenfalls Kapazitäten aus.
Für die Branche ist das Muster vor allem operativ relevant: Wenn eine Low-Cost-Airline ihr Netz in kurzer Zeit reduziert, verlagert sich der Wettbewerb unmittelbar auf die verbleibenden Carriers – und die Flughäfen müssen ihre Wirtschaftsplanung entsprechend ausrichten. Gleichzeitig zeigt der Mix aus übernommenen Strecken und neu angekündigten Zielen, dass die Marktstruktur am BER nicht einfach „gleich bleibt“, sondern sich im Winter neu sortiert. Für Unternehmen und Serviceanbieter in der Luftverkehrs-Umgebung heißt das, dass Nachfrageverschiebungen stärker in kurzfristige Planungszyklen fallen: weniger Direktoptionen können sowohl Buchungsmuster als auch Anschlussströme verändern, auch wenn die reine Anzahl erreichbarer Ziele rechnerisch sogar steigt.
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