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DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der langen Zwangspause wegen Niedrigwasser nimmt der Rhein-Fährbetrieb wieder Fahrt auf. Die Zonser Fährlinie von Düsseldorf nach Dormagen-Zons startet am Sonntag erneut, während weitere Verbindungen in den kommenden Tagen folgen sollen. Für Betreiber bleibt die Lage angespannt, weil die Pegel zwar steigen, aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau liegen. Gleichzeitig drohen wiederkehrende Ausfälle, die sich direkt in Umsatzeinbrüchen und Kurzarbeit niederschlagen.

Niedrigwasser bremst den Rhein: Fähren fahren wieder an, doch Betriebe leiden
Niedrigwasser bremst den Rhein: Fähren fahren wieder an, doch Betriebe leiden (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Rhein zeigt sich derzeit weniger als Verkehrsader denn als Engpass: Nach einer langen Zwangspause wegen Niedrigwasser laufen immer mehr Fährverbindungen wieder an. Besonders sichtbar wird das an der Zonser Fährlinie, die seit Sonntag erneut zwischen Düsseldorf und Dormagen-Zons verkehrt. Auch wenn damit für viele Pendler, Ausflügler und Autofahrer ein Stück Normalität zurückkehrt, ist die Entspannung eher eine Rückkehr in den Betrieb als ein endgültiges Ende des Problems. Denn die Wasserstände liegen weiterhin deutlich unter dem, was für einen stabilen Fahrplan erforderlich wäre.

Technisch betrachtet hängt der Fährbetrieb unmittelbar von den Wasserstraßen- und Schifffahrtsbedingungen ab, vor allem vom Pegelstand, der die Ansteuerung und die Sicherheit am An- und Ablegebereich beeinflusst. Für Samstag wird für Düsseldorf ein Pegelstand von 17 Zentimetern genannt, also zwar zwei Zentimeter mehr als am Vortag, aber dennoch im Vergleich zu früheren Jahren niedrig. Als Negativmarke gilt dabei ein Stand von 23 Zentimetern aus dem Jahr 2018, der zuvor den Negativ-Rekord gesetzt hatte. Für Sonntag wird in der Prognose zudem deutlich mehr Wasser aus Süddeutschland erwartet; damit soll der Düsseldorfer Pegelstand auf 30 Zentimeter springen. Diese Dynamik erklärt, warum einzelne Strecken sofort wieder starten, andere aber abwarten müssen.

Für die wirtschaftliche Seite der Betreiber ist die Niedrigwasser-Phase dagegen ein harter Einschnitt. Der Chef der Zonser Fährlinie, Wolfgang Jansen, beschreibt die Zwangspause als eine Katastrophe: Seine Fähre konnte in diesem Jahr 68 Tage nicht fahren. Dass die Pause ausgerechnet in die Saison mit vielen Fußgängern und Fahrradfahrern fiel, verstärkt den Effekt. Denn die Verbindung wird im Sommer nicht nur für den Transport genutzt, sondern auch für Ausflüge in Richtung des mittelalterlichen Zentrums von Zons. Zusätzlich kommt ein struktureller Knick dazu: Die Zonser Fährlinie fährt zwar fast das ganze Jahr, verliert aber in Herbst und Winter ohnehin Fahrgäste. Wenn dann schon im Hauptteil des Jahres der Umsatz einbricht, wirkt sich das doppelt aus; laut Jansen lag der Rückgang im bisherigen Jahresverlauf bei mehr als einem Drittel.

Die Folgen schlagen sich im Betrieb selbst nieder. Jansen betreibt die Fähre mit seinen Söhnen, beschäftigt fünf Festangestellte und fünf Aushilfen, und in dieser Phase musste das Unternehmen erstmals in Kurzarbeit gehen. Ein Teil des Lohns wurde dabei von der Bundesagentur für Arbeit übernommen, der andere Teil von Jansen. Damit wird deutlich, warum die Debatte über Niedrigwasser nicht nur eine Frage von Wetter und Pegelwerten ist, sondern eine betriebswirtschaftliche Existenzfrage für kleine Verkehrsunternehmen. Jansen macht zudem den politischen Rahmen zum Thema: Er kritisiert, dass zu wenig geschehe und der Rhein trotz anderslautender Ankündigungen nicht richtig vertieft worden sei. Gleichzeitig zeigt die Aussage „Noch so ein Jahr schaffen wir nicht“, wie eng die finanzielle Reserve bemessen sein kann, selbst wenn das vorangegangene Jahr gut lief.

Parallel dazu endet am Niederrhein für viele Betreiber die Saison aus anderen Gründen früher als geplant. Die Bislicher Fähre zwischen Wesel und Xanten konnte nach Angaben des Fährleiters Philipp Feine bereits mehr als acht Wochen nicht fahren. Für Betriebstage in diesem Jahr sieht er keine realistische Basis mehr: Die Ausflugsfähre stellt ihren Betrieb jedes Jahr am letzten Oktoberwochenende ein. Feine schätzt, dass die Fähre dieses Jahr nur bis zu 45.000 Passagiere verbucht hat, also etwa 20.000 weniger als in normalen Jahren. Finanzielle Folgen seien damit spürbar; er sagt, der gute Vorjahrwert habe bislang verhindert, dass daraus ein wirtschaftlicher Bruch wird. Für das kommende Jahr bleibt daher nicht nur Hoffnung, sondern Planung über Gespräche mit Behörden: Möglich sei etwa eine Anpassung der Rampe, um den Fährbetrieb bei Niedrigwasser länger aufrechtzuerhalten.

Auch im Raum Bonn/Königswinter und auf weiteren Strecken zeigt sich das Muster: Sobald sich der Pegel verbessert, können einzelne Verbindungen wieder hochgefahren werden, allerdings gestaffelt. Die Fähre von Bonn-Bad Godesberg nach Königswinter soll am Montag wieder starten. Für die Verbindung zwischen Leverkusen und Köln wird ebenfalls geprüft, wie eine Sprecherin der Stadt Leverkusen mitteilt, ob der Betrieb nächste Woche weiterlaufen kann; am Montag soll demnach ein genauerer Blick auf die Lage folgen. Für Reisende heißt das: Es gibt wieder Fahrten, aber der Fahrplan bleibt volatil. Für den Markt und die kommunale Mobilität bedeutet das wiederum, dass die Rhein-Fähre zwar als Alternative zum Straßenverkehr wahrgenommen wird, die Resilienz gegenüber Wasserstandsrisiken jedoch noch nicht ausreichend abgesichert ist.

Interessant ist dabei, dass nicht nur die unmittelbare Wasserstandsfrage zählt, sondern auch die Erwartungssicherheit. Betreiber müssen kurzfristig entscheiden, ob sie Personal, Material und Einsatzplanung auf eine Wiederaufnahme ausrichten, obwohl die Wasserstände zwar steigen, aber nicht automatisch dauerhaft „stabil“ werden. Wenn Pegel wie in Düsseldorf innerhalb von Tagen von 17 auf 30 Zentimeter springen, kann das zwar den Betrieb möglich machen, aber es ersetzt keine strukturelle Vorsorge. Genau darauf zielen Gespräche über bauliche Anpassungen, etwa an Rampen oder Anlegestrukturen, sowie langfristige Fragen zur Vertiefung und Wasserstraßeninfrastruktur. In den kommenden Wochen wird sich daher zeigen, ob die aktuelle Rückkehr in den Fährbetrieb nur ein kurzfristiges Aufatmen ist – oder ob sich daraus belastbarere Betriebsfenster für die nächste Niedrigwasserphase ableiten lassen.

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Stichwörter Fährbetrieb Kurzarbeit Niedrigwasser Passagiere Pendler Rhein Schifffahrt Umsatz Verkehr Wasserstand

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