HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ) lässt Bull einen neuen Supercomputer für die Erdsystemforschung liefern. Der Auftrag umfasst ein HPC- und Speichersystem inklusive Support über fünf Jahre und hat ein Volumen von 40 Millionen Euro. Das System soll auf der BullSequana XH3500-Plattform basieren und sowohl physikalische Simulationen als auch KI-gestützte Klimaforschung ermöglichen. Nutzerinnen und Nutzer sollen HLRE-5 voraussichtlich ab Anfang 2028 verfügbar bekommen.

Das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ) in Hamburg setzt bei der nächsten Generation seiner Hochleistungsrechnerstrategie auf einen neuen Systemauftrag von Bull: Mit dem Projekt HLRE-5 erhält die Erdsystemforschung eine Plattform, die gezielt Rechenleistung, Speicherkapazität und Energieeffizienz in den Mittelpunkt rückt. Der Vertrag hat laut Meldung ein Volumen von 40 Millionen Euro und deckt neben dem HPC- und Speichersystem auch Supportleistungen über fünf Jahre ab. Damit verlagert das DKRZ einen zentralen Teil seiner Infrastrukturplanung in eine Phase, in der nicht nur die Rohleistung zählt, sondern vor allem die Frage, wie sich komplexe Klimamodelle mit vertretbarem Energieeinsatz rechnen lassen.
Technologisch soll HLRE-5 auf der BullSequana XH3500-Plattform aufbauen. Genannt wird ausdrücklich der Anspruch, sowohl physikalische Simulationen als auch KI-gestützte Klimaforschung zu unterstützen. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das in der Praxis: Klimasimulationen lassen sich weiterhin mit klassischen Modellierungsansätzen in hoher Auflösung betreiben, während KI-Methoden ergänzend für datengetriebene Verfahren, Beschleunigungsschritte oder Analyseaufgaben genutzt werden können. Parallel adressiert das DKRZ mit dem neuen System einen zweiten Hebel, der in modernen Rechenzentren häufig über den Betriebskosten entscheidet: Die Energieeffizienz soll gegenüber dem Vorgängersystem deutlich steigen.
Ein konkreter Maßstab liegt in der Detailbeschreibung zur Rechenleistung im Klimakontext. HLRE-5 soll voraussichtlich ab Anfang 2028 zur Verfügung stehen und gleichzeitig zwei globale Klimasimulationen mit einer Auflösung von fünf Kilometern ausführen können. Außerdem wird ein Vergleich beim Energiebedarf genannt: Der Energiebedarf pro simuliertem Jahr soll gegenüber dem derzeitigen System Levante um rund 75 Prozent sinken. Solche Sprünge sind in der Hochleistungsrechnerei nicht trivial, weil sie typischerweise aus einer Kombination bestehen aus effizienterer Hardware, besserer Nutzung der Parallelität sowie einer angepassten Software- und Auslastungsstrategie.
Dass Energieeffizienz seit Jahren ein gemeinsames Ziel von DKRZ und Bull ist, stützt der Text auch mit einer aktuellen Einordnung aus der Green500-Liste. Für die GPU-Erweiterung des Levante-Systems werden Platzierungen genannt: In den Ausgaben vom November 2025 und Juni 2026 habe das System jeweils den dritten Platz unter den energieeffizientesten Supercomputern der Welt belegt; zudem seien die ersten beiden Plätze ebenfalls von Systemen von Bull belegt worden. Das ist mehr als eine Marketingreferenz, weil solche Listen typischerweise Energieverbrauch in Relation zu den erreichten Rechenleistungen betrachten. In Kombination mit dem HLRE-5-Zielwert ergibt sich daraus ein klares Signal: Die neue Plattform soll die Messlatte bei der Effizienz nicht nur erreichen, sondern über den Vorgänger hinaus verbessern.
Aus Sicht der Betreiberorganisation ist damit auch der Betriebsalltag betroffen. Das DKRZ unterstützt nach eigenem Auftrag die Erforschung des Klimas, und genau dort landet der Effekt im Tagesgeschäft: Wenn sich der Energiebedarf pro simuliertem Jahr deutlich reduziert, kann das Rechenzentrum mehr Modellläufe oder höher aufgelöste Experimente planen, ohne dass die Energie- und Infrastrukturgrenzen proportional mitwachsen. Dr. Hendryk Bockelmann, Abteilungsleiter Anwendungen am DKRZ, stellt in der Meldung genau diesen Nutzen heraus: Mit dem neuen System könne der Energiebedarf für Klimasimulationen drastisch reduziert werden, und für ein Rechenzentrum sei das ein direkter Bestandteil des Auftrags. Auch Bull betont die Kontinuität der Zusammenarbeit und verknüpft HLRE-5 mit einer langjährigen Innovationsarbeit im energieeffizienten Supercomputing.
Für die Markt- und Branchenperspektive ist HLRE-5 damit ein Beispiel dafür, wie sich Ausschreibungen im HPC-Umfeld verschieben. In den letzten Jahren ging es nicht mehr ausschließlich um Geschwindigkeit; immer stärker entscheidet sich die Auswahl über Effizienzkennzahlen, Skalierbarkeit und die Fähigkeit, KI-Workloads in bestehende Workflows zu integrieren. Genau diese Doppelrolle adressiert HLRE-5 laut Meldung: KI-gestützte Klimaforschung soll neben klassischen Simulationen laufen können. Für Forschungs- und Industrieworkloads in der Schnittmenge aus Wetter-, Klima- und Datenanalyse ist das relevant, weil KI-Methoden häufig Datensätze neu strukturieren, Analyse beschleunigen oder Teilaufgaben aus den Simulationen übernehmen.
Bis zur Verfügbarkeit Anfang 2028 bleibt jedoch eine Phase, in der organisatorische und technische Entscheidungen vorbereitet werden müssen: Von der Portierung und Optimierung für die konkrete BullSequana XH3500-Plattform bis hin zur Frage, wie KI-gestützte Verfahren in die bestehenden Modell- und Datenpipelines integriert werden. Gerade bei Klimasimulationen ist das Timing zentral, weil Ergebnisse häufig an definierte Laufzyklen gekoppelt sind. Das Projekt verbindet daher Infrastrukturinvestitionen mit einer wissenschaftlichen Roadmap: Wenn die Effizienzwerte wie geplant eintreffen, dürfte HLRE-5 nicht nur die Hardware erneuern, sondern auch die Leistungsfähigkeit der gesamten Klimaforschung am DKRZ spürbar erweitern.
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