BASEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Novartis hat nach dem dritten Quartal seine Prognose für das operative Ergebnis 2026 angehoben. Bereinigt dank Produktivitätsfortschritten und besserer Kostenkontrolle verdiente der Konzern mehr als erwartet. Gleichzeitig drücken hohe Wertminderungen im Zusammenhang mit Del-Desiran den Gewinn deutlich. Der Konzernchef hält trotz der Rückschläge an der Mittelfristplanung für 2025 bis 2030 fest.

Novartis liefert nach dem dritten Quartal ein gemischtes Bild: Auf der operativen Ebene wächst das Vertrauen, während auf der Ergebniszeile spürbar bleibt, dass späte Studien- und Wertthemen noch nicht abgeräumt sind. In Basel stellte der Konzern eine aktualisierte Zielspanne für 2026 in Aussicht, die den bisherigen Ausblick ersetzt. Bereinigt um Sondereffekte soll das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis entweder stagnieren oder im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigen. Damit liegt die Erwartung klar über der vorherigen Prognose, die noch einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich vorsah.
Der wichtigste Treiber für die verbesserte Sicht ist weniger ein einzelner Umsatzhit als die Kombination aus Produktivitätsverbesserungen und Kostensteuerung. Im Quartal nahm die Kennziffer um elf Prozent auf gut 6 Milliarden US-Dollar zu, berichtet wurde zugleich, dass die Ergebnisdynamik beschleunigt werde, weil die Ausgaben insgesamt disziplinierter liefen als ursprünglich angenommen. So verwies etwa James Quigley von Goldman Sachs in der ersten Einschätzung auf die weiter gute Kostenkontrolle. Auf Analystenseite kam zudem die Beobachtung hinzu, dass Vertriebs- und Verwaltungskosten deutlich niedriger als erwartet ausfielen und die Forschungs- und Entwicklungsausgaben leicht unter Plan lagen.
Auch der Umsatz zeigte sich leicht über den Erwartungen, was in der Quartalslogik zählt, denn hier entscheidet sich häufig, ob Kostenvorteile nur kurzfristig wirken oder in nachhaltige Marge übersetzen. Novartis meldete ein Plus von 4 Prozent auf gut 14,5 Milliarden US-Dollar. Im Hintergrund standen laut Bericht vor allem ältere Produkte sowie die starke Entwicklung des Psoriasis-Mittels Cosentyx. Damit setzt der Konzern zugleich ein wichtiges Signal gegen die übliche Zyklik nach Patentabgaben: Während einzelne Produkte ihren Patentschutz verlieren, kann eine stabile oder wachsende Basis aus dem bestehenden Portfolio helfen, das Tempo im Gesamtjahr nicht komplett zu bremsen.
Trotz dieser positiven operativen Elemente bleibt die Ergebnisrechnung deutlich belastet. Inklusive aller Effekte brach der operative Gewinn um rund 60 Prozent auf 1,84 Milliarden US-Dollar ein, der Überschuss sank auf 1,2 Milliarden US-Dollar nach 3,9 Milliarden im Vorjahr. Der Grund liegt in den Wertminderungen in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar, die mit einer gescheiterten Medikamentenstudie zum Produktkandidaten Del-Desiran in Verbindung gebracht wurden. Solche Abschreibungen wirken in der Regel wie ein einmaliger Schock auf die GuV, sie beeinflussen aber auch die Planung von Entwicklungsbudgets, weil Studienentscheidungen den Pfad für spätere Einreichungen und Zulassungschancen verändern.
Novartis hat zuletzt mehrere Rückschläge aus der späten Forschungsphase adressieren müssen. Genannt wurden unter anderem Misserfolge bei Pelacarsen und Remibrutinib gegen Myasthenia gravis sowie auch eine Studie mit Del-Desiran gegen myotone Dystrophie (Typ 1), in der die Ziele verfehlt wurden. Auffällig ist dabei der Management-Ansatz: Der Konzernchef Vasant Narasimhan machte in der morgendlichen Pressekonferenz mit Journalisten deutlich, dass das Mittel trotz des Rückschlags weiter vorangetrieben werden soll. Für Anleger und Fachbeobachter ist das ein kulturelles Signal – nicht nur „Abwarten“, sondern aktive Weiterentwicklung, vermutlich mit Blick auf Strategievarianten, Responder-Analysen oder angepasste Studienpfade, auch wenn der Bericht die konkreten Anpassungen nicht im Detail ausführt.
Parallel dazu bleibt das strukturelle Thema „Erosion durch Nachahmer-Mittel“ zentral. Novartis hatte wiederholt betont, dass die negativen Auswirkungen ihren Höhepunkt voraussichtlich erreicht haben und damit danach abflachen dürften. Umsatzbringer wie Entresto, Promacta und Tasigna haben bereits ihren Patentschutz verloren, und Narasimhan sagte, die negativen Effekte dürften in der ersten Jahreshälfte 2026 deutlich stärker ausfallen als in der zweiten. Diese zeitliche Taktung ist für die Interpretation der neuen Guidance entscheidend: Wenn der Gegenwind in den kommenden Monaten noch spürbar ist, muss die Plattform aus Kosten, Pipeline und Portfolio-Performance genau dort kompensieren, wo die Generika-Welle wirkt.
Für die weitere Unternehmensentwicklung ist zudem die Mittelfristperspektive relevant, die Narasimhan ausdrücklich bekräftigte. Trotz der Studienmisserfolge rüttelt der Manager nicht an der Planung für 2025 bis 2030. Für das Gesamtjahr bleibt die Erwartung auf ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich bestehen. Aus operativer Sicht deutet das darauf hin, dass Novartis die kurzfristige Ergebnisvolatilität durch Wertminderungen und Studienereignisse von der strategischen Kurve trennt – und sich dabei sowohl auf Produktivitätsgewinne als auch auf die Stabilität einzelner Marken wie Cosentyx stützt. So bleibt nach Q3 vor allem die Frage, wie schnell sich die Pipeline-Ergebnisse wieder in robuste Erfolgsaussichten übersetzen lassen, während die Kosten- und Umsatzlage dem Konzern die Handlungsoptionen sichert.
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