LONDON (IT BOLTWISE) – Jason Calacanis rät seinen Followern, Bitcoin zu verkaufen und in KI-Assets umzuschichten. Er argumentiert, BTC habe als „dead network“ vor allem Wertaufbewahrung im Angebot, während KI künftig deutlich mehr Upside liefere. Gleichzeitig verweist der Beitrag auf BTC-ETF-Flows mit einem zweitägigen Abfluss-Stopp nach zuvor kräftigen Ausstiegen. Technisch steht bei Bitcoin ein Update im Vordergrund, das die Transaktionswarteschlange strukturierter machen soll.

Jason Calacanis stellt die Marktlogik für Krypto auf den Kopf: In einem Social-Posting fordert der frühere Uber- und Robinhood-Investor seine Follower dazu auf, Bitcoin (BTC) zu verkaufen und in Künstliche Intelligenz umzuschichten. Er nennt dabei nicht nur das Ziel („KI“), sondern auch seine Wette innerhalb der Krypto-Welt: Calacanis sagt, er sei „long“ bei Bittensor (TAO), einem Token, der mit einem dezentralen KI-Netzwerk verknüpft ist. Seine Kernaussage ist hart formuliert: Auf dem Kanal habe er geschrieben: „A brutal year for Bitcoin is just getting started, “ und weiter: „We will test the 57k low again in the next 12 months, “ sowie „will never break its all-time high again.“ Damit zielt er weniger auf kurzfristige Volatilität, sondern auf die These, dass BTC die nächste Rally-Phase strukturell nicht mehr erleben werde.
Spannend ist dabei, dass der Beitrag die Argumentation nicht nur emotional, sondern mit Daten untermauert, die Calacanis als Signal liest. Als Frühindikator nennt er die Exchange-Traded-Funds (ETFs): „Outflows from ETFs are signal and will continue, “ heißt es sinngemäß in seinem Post. Laut SoSoValue-Daten sollen die US-Spot-Bitcoin-ETFs am 22. Oktober Abflüsse in Höhe von 635,6 Millionen US-Dollar verzeichnet haben – der größte Ein-Tages-Rückzug seit dem 25. Juni. Am Montag habe sich das Bild dann jedoch gedreht: Die Fonds hätten 110,34 Millionen US-Dollar eingesammelt, womit zwei aufeinanderfolgende Abflusssitzungen beendet worden seien. Für Anleger bedeutet das weniger einen „Beweis“ für einen Trendwechsel, sondern vor allem: Flows reagieren schnell, während die Grundsatzdebatte über Nutzen und Wertaufbewahrung weiterläuft.
Parallel dazu liefert der Text eine technische Perspektive, die den BTC-Teil des Vergleichs konkret macht. Das größte Bitcoin-Upgrade in diesem Jahr betreffe nicht primär eine neue Token-Logik, sondern die Software, die den Betrieb des Netzwerks steuert. Eingeführt im April, soll es verändern, wie Knoten die Warteschlange jener Transaktionen organisieren, die auf die Verarbeitung warten. In der Praxis zielt das Update darauf, die Reihenfolge der Zahlungen besser entscheidbar zu machen, damit „hängen gebliebene“ Transaktionen durch konkurrierende Varianten mit höherer Gebühr ersetzt werden können. Zusätzlich wird eine optionale Methode ergänzt, um Zahlungen privater zu versenden. Anfang Juli folgte dann ein kleineres Update als Fehlerkorrektur – ein typisches Muster bei Protokolländerungen, bei denen nach der ersten großen Anpassung der Feinschliff in kleineren Releases erfolgt.
Während Bitcoin hier über das Protokoll an der Effizienz und Planbarkeit arbeitet, setzt der TAO-Teil der Story stärker auf institutionelle Signale und den Charakter eines KI-Ökosystems. Der Beitrag verweist darauf, dass das klarste „First-hand“-Dokument in diesem Jahr nicht direkt eine technische Änderung am Bittensor-Netzwerk selbst ist, sondern eine Bewegung im Bittensor-Fonds: Laut den Angaben in einer Einreichung soll sich das verwaltete Volumen des Bittensor-Fonds im ersten Quartal von 36.193 auf 38.289,6 TAO erhöht haben. Gleichzeitig habe der TAO-Preis im selben Zeitraum – im Berichtskorridor – von rund 220 auf rund 307 zugelegt. Wichtig bleibt dabei der Haken, den der Text ebenfalls nennt: Investoren können ihre Anteile vorerst nicht gegen den Token einlösen, bis regulatorische Genehmigungen vorliegen. Das übersetzt sich in ein ganz praktisches Marktrisiko für Privatanleger: Selbst wenn institutionelle Nachfrage sichtbar ist, kann die Token-Zugänglichkeit durch regulatorische Gateways verzögert sein.
Auch die Stimmungslage auf der Handelsplattform spielt im Beitrag eine Rolle, wobei „Sentiment“ eher als Stimmungsindikator für Retail-Trader zu verstehen ist. Für TAO wird erwähnt, dass die Retail-Stimmung in eine „extremely bearish“-Zone zurückgefallen sei, während die Lautstärke der Diskussionen über die Woche hinweg um mehr als 60% gestiegen sein soll. Für Bitcoin nennt der Beitrag ebenfalls einen Anstieg der Nachrichtenmenge: um über 28% innerhalb einer Woche. Preislich liegt BTC im Bericht bei etwa 79.680 US-Dollar und damit um 0,3% tiefer über 24 Stunden, während TAO zum Zeitpunkt des Textes mit einem Plus von rund 0,2% leicht im Aufwind gewesen sein soll. Solche Kombinationen – fallende Stimmung bei steigender Aktivität – passen häufig zu Phasen, in denen Positionen neu sortiert werden: Nicht alles ist „Panik“, aber vieles ist Bereitschaft, auf neue Informationen zu reagieren.
Für die Einordnung des BTC-vs-TAO-Vergleichs lohnt sich der Blick auf die dahinterliegende Wettbewerbslogik: Calacanis stellt Krypto nicht gegen Krypto, sondern Krypto gegen ein KI-nahes Nutzenversprechen. Seine These lautet im Kern, dass Geld dort wächst, wo es schneller wächst – und dass Bitcoin als Wertaufbewahrung zu wenig zusätzlichen Nutzen liefert. Bitcoin arbeitet derweil an der technischen Seite dessen, was für Zahlungsnetzwerke entscheidend ist: Transaktionsreihenfolge, Ersetzungsmöglichkeiten und Datenschutzoptionen. Bittensor dagegen ist als Modell- und Anreizsystem gedacht, das KI-Workloads über ein Netzwerk aus Teilnehmern adressiert und Token-Belohnungen an erbrachte KI-Dienstleistungen koppelt. Wenn sich Anleger tatsächlich stärker KI-getriebene Narrative suchen, verschiebt sich damit auch die Bewertungslogik: Dann zählt nicht nur die Knappheit, sondern auch die Frage, wie eng ein Token an reale Rechen- und Modellwertschöpfung angebunden ist.
Unterm Strich verbindet der Beitrag drei Ebenen, die für Entscheider in Unternehmen und für professionelle Trader gleichermaßen relevant sind: erstens kurzfristige Flow-Daten bei Bitcoin-ETFs, zweitens die Protokollentwicklung mit Fokus auf Transaktionswarteschlangen und Datenschutzoptionen, und drittens die institutionelle Bewegung bei TAO-Fonds trotz fehlender Token-Rückrede in der Zwischenzeit. Für die Praxis heißt das: Wer Calacanis’ Position ernst nimmt, muss nicht nur „KI statt BTC“ kaufen, sondern auch die technischen und regulatorischen Pfade beider Welten verstehen. Gerade weil der Text mehrere Richtungen gleichzeitig andeutet – BTC-ETF-Abflüsse waren groß, flachen aber temporär ab; TAO kann institutionelle Nachfrage zeigen, bleibt zugleich in der Einlösbarkeit limitiert – wird die nächste Marktphase stark davon abhängen, welche Signale Anleger als nachhaltig interpretieren und welche nur als kurzfristiges Rauschen durchgehen.
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