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LONDON (IT BOLTWISE) – US-Treasury-Secretary Scott Bessent ordnet Krypto gezielt in den Technologiewettbewerb mit China ein und nennt KI sowie Halbleiter als Schlüsselfelder. Bei der Ripple-Swell-Konferenz argumentiert er, dass digitale Assets die globale Rolle des US-Dollars stabilisieren können. Zudem nennt er die GENIUS-Act-Regeln für Stablecoins als Grundlage für klarere Rahmenbedingungen und Zugang zu US-Währung. Offen bleibt, wie schnell Verwaltung und Aufsichtsbehörden das nach dem gescheiterten Bundesgesetz Clarity Act konkret in dauerhafte Regeln übersetzen.

Scott Bessent verbindet KI, Chips und Krypto als Teil des Technologiewettbewerbs
Scott Bessent verbindet KI, Chips und Krypto als Teil des Technologiewettbewerbs (Foto: IT BOLTWISE)
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US-Treasury-Secretary Scott Bessent bringt Krypto in eine Diskussion, die bislang vor allem von KI-Strategien und Chip-Planungen geprägt war: In seinem Auftritt auf der Ripple-Swell-Konferenz setzte er den Schwerpunkt darauf, dass technologische Führungsfähigkeit zunehmend über wirtschaftlichen Einfluss entscheidet. Historisch, so Bessent sinngemäß, stützten sich Reservewährungen auf militärische Stärke; heute verschiebt sich der Schwerpunkt jedoch in Richtung Technologie. Genau hier ordnet er digitale Assets ein: Nicht nur als spekulatives Segment, sondern als Teil einer finanziellen Infrastruktur, die Reichweite und Nachfrage für US-Dollar und US-Staatsanleihen beeinflussen kann.

Technisch und finanzinfrastrukturell läuft diese Argumentation auf einen Mechanismus hinaus, der besonders bei Stablecoins plausibel wirkt: Wenn eine wachsende Zahl von Nutzern und Unternehmen Zahlungen und Wertübertragungen über tokenisierte Einheiten abwickelt, entsteht zusätzlicher Bedarf an den Sicherheiten, die diese Tokens absichern. Bessent verwies darauf, dass mehr als 90% der Stablecoins durch US-Dollar gedeckt seien und die Emittenten häufig US-Regierungswertpapiere als Reserven halten. Je stärker die Akzeptanz, desto höher könnte folglich auch die Nachfrage nach eben diesen liquiden, dollar-nahen Instrumenten steigen. Damit würde sich für Treasury-Sichtweise ein doppelter Effekt ergeben: stabilere globale Nutzung des Dollars plus zusätzliche Finanzierungsquellen über die Nachfrage nach Staatspapieren.

Mit dem GENIUS Act hat die US-Regierung bereits ein Bundesgerüst für Stablecoins geschaffen, das in der Darstellung Bessents besonders wichtig ist, weil es regulatorische Leitplanken für ein Produkt mit Zahlungsfunktion setzt. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Gesetzesformulierung als die Signalwirkung: Stablecoins sind in der Praxis nicht nur „Krypto“, sondern werden als Brücke genutzt, wenn lokale Währungen in ihrer Kaufkraft schwanken oder Inflationsphasen durchlaufen. Bessent stellte deshalb die These in den Vordergrund, Stablecoins würden nicht bloß einen Teil des bereits gehaltenen Dollars ersetzen, sondern neue Märkte erschließen, in denen Nutzer Wert und Rücklagen vor Abwertung schützen wollen. Für Unternehmen und Entwickler bedeutet das: Anwendungen rund um Handel, Treasury-Services oder grenzüberschreitende Abwicklung bekommen zusätzliche regulatorische Planbarkeit, weil die Regeln nicht ausschließlich aus Einzelfallentscheidungen oder nachgelagerten Leitlinien bestehen.

Der politische und aufsichtsrechtliche Teil der Debatte bleibt allerdings im Detail widersprüchlich. Bessent sprach offen von einer Enttäuschung, weil der sogenannte Clarity Act im Kongress nicht verabschiedet wurde, der für die Branche einen einheitlichen Bundesrahmen geschaffen hätte. Gleichzeitig kündigte er an, das US-Finanzministerium könne mit der SEC und der CFTC zusammenarbeiten, um über behördliches Handeln zusätzliche Klarheit zu schaffen. Genau hier zeigt sich der klassische Unterschied zwischen Gesetzgebung und Regulierung: Regeln, die durch Aufsicht erlassen oder konkretisiert werden, können zwar kurzfristig helfen, sie haben aber weniger „Dauer“ als ein geschlossenes Gesetzespaket. Für Marktteilnehmer ist das relevant, weil Investitionsentscheidungen im Krypto-Umfeld besonders stark von Risikoabschätzungen abhängen – und diese wiederum davon, wie stabil ein regulatorisches Modell über Jahre bleibt.

Ein weiteres Thema war die Sorge vor „Debanking“, also dem möglichen Rückzug von Bankdienstleistungen gegenüber Krypto-Unternehmen. Aus Bessents Sicht war das gescheiterte Gesetz ein Rückschlag, weil es solche Praktiken hätte vorbeugen können; dennoch sieht er Spielraum, um durch regulatorische Best Practices und Guardrails erneute Abriegelungen zu verhindern. In der Praxis heißt das: Unternehmen müssen weiterhin damit rechnen, dass Compliance-Standards, Risikomodelle und interne Bankrichtlinien sich ändern, aber die Erwartung wäre, dass sich ein Mindestmaß an Verfahren und Kriterien stabilisieren lässt. Gerade für FinTech-Teams und Wallet- oder Custody-Anbieter ist diese Frage nicht akademisch: Der Zugang zu Zahlungswegen, Handelspartnern und Liquiditätsinstrumenten hängt häufig direkt an Bankbeziehungen, und „Debanking“-Ereignisse wirken sich in der Regel schneller auf Betrieb und Wachstum aus als technologische Optimierungen.

Schließlich betonte Bessent den Zusammenhang zwischen dem Krypto-Sektor und dem größeren US-China-Technologierennen, in dem KI-Ökosysteme und Halbleiterentscheidungen eine zunehmend strategische Rolle spielen. Dabei geht es nicht nur um Chips als Hardware, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette: Wer Standards setzt, Plattformen betreibt und Infrastrukturen bereitstellt, prägt auch, welche Datenflüsse und Zahlungswege in Zukunft dominieren. Digitale Assets können in dieser Sichtweise ein Baustein sein, weil finanzielle Infrastruktur – ähnlich wie Cloud- und Netzwerkdienste – als „Transportebene“ wirkt, die Systeme miteinander verbindet. Für die Industrie bedeutet das: Krypto-Teams, die sich bisher primär als Marktteilnehmer verstanden haben, werden stärker als Teil einer nationalen Technologie- und Infrastrukturstrategie betrachtet. Damit steigt der Druck, nicht nur einzelne Produkte zu bauen, sondern auch Interoperabilität, Sicherheit und Compliance-Engineering so auszugestalten, dass sie in ein langfristiges, regulatorisch belastbares Ökosystem passen.

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