TOULOUSE / LONDON (IT BOLTWISE) – Airbus bleibt trotz Produktionsmängeln im Sommer auf Kurs Richtung Rekordjahr. Geplant sind rund 870 Verkehrsflugzeuge für 2026, während Airbus im dritten Quartal mit Verzögerungen bei A330neo und A321neo kämpfen musste. Der Konzern berichtet für das Tagesgeschäft über rückläufigen Umsatz und Gewinn, während Vorstandschef Guillaume Faury dennoch Optimismus bei den Jahreszielen zeigt. Im Markt reagierte die Airbus-Aktie am Abend nur verhalten.

Airbus setzt den Erwartungsrahmen für 2026 weiter hoch, obwohl der Sommer bei der Produktion nicht reibungslos verlief. Wie aus den jüngsten Quartalszahlen hervorgeht, sollen „wie geplant“ rund 870 Verkehrsflugzeuge zu den Kunden gelangen. Das ist mehr als im Spitzenjahr 2019, als Airbus kurz vor der Corona-Pandemie 863 Jets ausgeliefert hatte. Gleichzeitig zeigt das dritte Quartal, dass der Ausbau der Fertigung stärker von einzelnen Qualitäts- und Zulieferthemen gebremst werden kann als von der generellen Nachfrage: Die Auslieferungen stockten, und Umsatz sowie Gewinn im Tagesgeschäft gingen zurück, obwohl der Konzern parallel Produktionskapazitäten hochfährt.
Im Betrieb waren dabei gleich zwei Flugzeugtypen betroffen, jeweils an Stellen, die nicht nur Kosten verursachen, sondern auch Terminpläne im Gesamtverbund verschieben. Beim Großraumjet A330neo musste Airbus ein Problem am Seitenleitwerk lösen; dadurch konnten „zunächst“ neue Maschinen des Typs nicht ausgeliefert werden. Unabhängig davon fanden sich bei den Längsversteifungen des stark nachgefragten Mittelstreckenjets A321neo Unregelmäßigkeiten im Oberflächenschutz, wie Airbus angibt. Vorstandschef Guillaume Faury legte dabei den Fokus auf die Einordnung: Er betonte, es habe sich nicht um ein Sicherheitsproblem gehandelt. Für das Management ist diese Differenzierung entscheidend, denn sie beeinflusst, wie Fluggesellschaften planen und ob zusätzliche Abnahmen oder Nacharbeiten über die üblichen Wartungs- und Prüfprozesse hinaus erforderlich werden.
Dass sich Verzögerungen nicht nur als „niedrige Auslieferungszahl“ zeigen, lässt sich in den Kennzahlen ablesen. Airbus lieferte im dritten Quartal etwas weniger Verkehrsflugzeuge aus als ein Jahr zuvor und nannte zudem einen ungünstigeren Produktmix als Mitursache. Entsprechend sank der Umsatz im Jahresvergleich um zwei Prozent auf knapp 17,5 Milliarden Euro. Analysten hatten für diesen Zeitraum offenbar eher einen Anstieg erwartet, doch der reale Verlauf fiel darunter. Der Gewinn im Tagesgeschäft ging etwa wie erwartet um neun Prozent zurück und lag bei knapp 1,8 Milliarden Euro; gleichzeitig zeigt sich ein differenziertes Bild innerhalb des Konzerns, denn die Rüstungs- und Raumfahrtsparte legte deutlich zu. Der Überschuss wuchs wiederum um ein Fünftel auf gut 1,3 Milliarden Euro, gestützt durch positive Sondereffekte.
Operativ war damit auch der Blick nach vorn eng an die Lieferkette gekoppelt. Faury äußerte sich positiv über die Versorgungssituation für 2026 und verwies darauf, dass Airbus inzwischen genügend Bauteile habe, um die eigenen Ziele zu erreichen. Zuvor hatte er den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney wegen schleppender Lieferungen kritisiert: Im Februar und im April hatte Faury die Verzögerungen der Tochtergesellschaft des US-Konzerns RTX (Raytheon Technologies) zugeordnet, weil sie den weltgrößten Flugzeughersteller daran hindere, die Produktion schneller auszuweiten. Diese Entwicklung wirkt in zwei Richtungen: Einerseits kann ausreichendes Komponentenmaterial die Auslieferungen stabilisieren; andererseits bleiben Engpässe bei einzelnen Bauteilen gerade beim Hochlauf neuer Produktionsraten ein typischer Risikofaktor, weil sich Fertigungs- und Montagefenster nicht beliebig „nachholen“ lassen.
Die Marktreaktion fiel angesichts der Detailmeldungen eher zurückhaltend aus. Laut den Angaben zum Kursverlauf wurde die Airbus-Aktie im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate zuletzt auf dem Niveau des Xetra-Schlusskurses von 192 Euro gehandelt. Diese relative Ruhe passt zu einem Muster, das man bei zyklischen Investitionsgütern häufig sieht: Selbst wenn einzelne Quartale unter Qualitäts- oder Lieferaspekten leiden, bleibt die Investitionsstory oft am Ausblick festgemacht. Faury bekräftigte, der bereinigte operative Gewinn soll im Gesamtjahr wie vorgesehen auf rund 7,5 Milliarden Euro steigen. Nach den ersten neun Monaten standen 4,5 Milliarden Euro in den Büchern; zuletzt hatten Analysten das Gesamtjahr laut den begleitenden Erwartungen eher bei 7,7 Milliarden Euro gesehen. Für die Jahre danach nannte Faury zudem ambitionierte Ziele: Bis 2029 soll das Ergebnis auf 12 bis 13 Milliarden Euro klettern.
Dass Airbus dabei auf ein belastbares Fundament schaut, hat auch mit der Auftragslage zu tun. Ende September lag der Auftragsbestand über alle Modelle hinweg bei mehr als 9.300 Passagier- und Frachtflugzeugen. Rechnerisch entspricht das einer Reichweite von mehr als zehn Jahren. In dieser Konstellation wird der Produktionshochlauf zum Engpassmanagement zwischen Werk, Logistik und Zulieferindustrie. Gerade Triebwerke und andere Schlüsselkomponenten können bislang oft nicht so stark hochgefahren werden, wie es ein Anbieter im eigenen Fertigungsplan bräuchte. Gleichzeitig verschärft die Kostenseite das Umfeld: Faury verwies auf hohe Öl- und Kerosinpreise und damit auf ein schwierigeres Branchenumfeld. Fluggesellschaften spüren vor allem die stark gestiegenen Treibstoffkosten; einzelne Airlines haben bereits Insolvenz angemeldet. Der politische und geopolitische Rahmen spielt hier als indirekter Treiber mit: Moderne Jets mit niedrigerem Treibstoffverbrauch gelten seit Jahren als besonders attraktiv, auch wenn die jüngste Zuspitzung der Kerosinpreise in der Berichterstattung mit dem Iran-Krieg in Verbindung gebracht wird.
Im Wettbewerbsvergleich wird deutlich, warum selbst „rekordorientierte“ Jahresziele in der Luftfahrt selten linear verlaufen. Boeing steckt nach Angaben im Umfeld der Produktions- und Qualitätsgeschichte seit der Krise um zwei Mittelstreckenjets in den Jahren 2018 und 2019 in einer Dauerbelastung und musste seine Produktion zeitweise drosseln. Zwar geht es inzwischen wieder nach oben, doch modernisierte Flugzeugtypen wie der Großraumjet 777X und die Langversion des Mittelstreckenjets 737 Max hätten demnach mehrere Jahre Verspätung. Für Airbus heißt das: Die Nachfrage kann hoch sein, aber die Lieferfähigkeit hängt an der Kombination aus Bauteilverfügbarkeit, Zulieferleistung und interner Qualitätsstabilität. Die technischen Themen bei A330neo und A321neo zeigen dabei, wie schnell einzelne Baugruppen die Auslieferungslogik beeinflussen können – selbst wenn keine Sicherheitsfrage im Vordergrund steht.
Für Unternehmen und Entscheider in der Lieferkette liegt der Schwerpunkt der nächsten Monate deshalb weniger auf der Frage „ob“ Airbus wächst, sondern „wie robust“ der Hochlauf ist. Produktmix und Qualitätsprozesse müssen so stabil laufen, dass sich Abweichungen nicht in eine Serie von Nacharbeiten verwandeln. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von Triebwerks- und Komponentenlieferungen ein zentraler Hebel, denn ausreichende Bauteile sind nicht automatisch gleichbedeutend mit durchgehend freien Montage- und Testslots. Wenn Airbus die Auslieferungsplanung für 2026 wirklich auf rund 870 Flugzeuge festnagelt, wird das nicht nur ein Zahlenargument sein, sondern ein Signal, dass die Kombination aus Produktionsausbau und Fehlerkorrektur besser „durchgetaktet“ ist als im dritten Quartal. Danach entscheidet sich, ob sich die ambitionierten Gewinnziele von rund 7,5 Milliarden Euro im Gesamtjahr und perspektivisch 12 bis 13 Milliarden Euro bis 2029 in einer Branche mit starkem Kostendruck und anspruchsvollen Lieferketten tatsächlich dauerhaft absichern lassen.
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