KAIRO / LONDON (IT BOLTWISE) – Ägyptische Behörden untersagen Halloween an internationalen Schulen und verlangen stattdessen mehr Unterricht in Arabisch, ägyptischer Geschichte und islamischer Bildung. Begründet wird der Schritt damit, Kinder sollten keine Feste feiern, die nicht Teil der eigenen Kultur seien. Während öffentliche Treffen und Schulveranstaltungen vielerorts ausfallen, bleiben private Feiern nach Angaben einzelner Schulen teilweise möglich. Die Debatte zeigt damit, wie stark staatliche Kulturpolitik in den Schulalltag hineinwirkt.

In Kairo trifft Halloween derzeit weniger auf Kürbisse als auf Schulregeln: Ägyptische Bildungsvorgaben sorgen dafür, dass internationale Schulen das Fest in diesem Jahr nicht wie gewohnt durchführen. Auslöser der Debatte ist die Anweisung, nicht-ägyptische Kulturfeste zu streichen und stattdessen den Unterricht stärker auf arabische Sprache, ägyptische Geschichte sowie islamische Inhalte auszurichten. Damit wird eine Tradition, die in gehobenen Vierteln Kairos längst Alltag geworden ist, in der offiziellen Begründung zu etwas erklärt, das nicht in den schulischen Kalender gehört.
Technisch lässt sich der Vorgang zwar nicht mit Software vergleichen, aber organisatorisch ähnelt er einer klaren Policy-Änderung: Das Bildungsministerium koppelt die Genehmigung für Schulaktivitäten an definierte Kategorien. Konkret fallen neben Halloween auch andere nicht anerkannte Feiern wie Thanksgiving unter das Verbot. Die Logik dahinter ist nicht nur ein Kalenderthema, sondern eine Frage der Ausrichtung im Unterricht: Erlaubt bleiben nach den neuen Vorgaben vor allem nationale und religiöse Feiertage. Bildungsminister Mohamed Abdel Latif verwies dabei darauf, dass Kinder keine Feste feiern sollten, die nicht Teil der eigenen Kultur seien.
Für Eltern und Schulgemeinschaften ist die Wirkung unmittelbar, weil Halloween an internationalen Einrichtungen zuvor häufig als Teil einer weltoffenen Erziehung verstanden wurde. Die American International School in Kairo mit mehr als 2.000 Schülerinnen und Schülern sagte ihre Halloween-Veranstaltung ab; Schulleiter Bill Kralovec stellte dabei heraus, die Aktion sei eine wichtige Tradition der Schulgemeinschaft gewesen. Gleichzeitig begegneten andere Elternhäuser den Vorgaben mit Zustimmung: Für sie sind derartige Feiern ein Risiko für kulturelle Übernahme durch ausländische Bräuche. Zwischen diesen Positionen liegt ein konkreter Unterschied im Alltag: Wer staatliche oder religiöse Schulen besucht, nimmt das Thema im Vergleich zur überwiegenden Mehrheit der Lernenden meist ohnehin als nebensächlich wahr.
Der religiös-kulturelle Unterbau der Entscheidung wird in der Debatte zudem seit Jahren sichtbar diskutiert. Das Dar al-Ifta in Kairo ordnete Halloween bereits 2017 als nicht Teil des islamischen Erbes ein und sprach sich dagegen aus, dass Muslime diesem Trend folgen. Zugleich zeigt der Umgang mit anderen Feiertagen, etwa dem Valentinstag, dass die Bewertung ausländischer Bräuche unter islamischen Gelehrten durchaus unterschiedlich ausfallen kann. Diese Ambivalenz macht die aktuelle Entscheidung politisch brisant: Sie wirkt weniger wie eine rein religiöse Bewertung, sondern wie ein bewusst gesteuertes Signal an Schulen, wie gesellschaftliche Orientierung im Klassenzimmer zu verlaufen hat.
Auch der Blick über Ägypten hinaus spielt in der Argumentation hinein, allerdings ohne dass daraus automatisch ein einheitliches Vorgehen folgt. In Saudi-Arabien und Dubai wird Halloween inzwischen öffentlich gefeiert; Saudi-Arabien veranstaltete nach früheren Verboten sogar Paraden, bei denen sich junge Menschen verkleiden. Für Ägypten dagegen scheint die Linie stärker auf Abgrenzung zu setzen: Der Streit folgt einem Muster, das auch andere globale Bräuche betrifft. Valentinstag, westliche Popkultur und kommerzielle Feiertage werden in muslimisch geprägten Gesellschaften teils übernommen, angepasst oder zurückgewiesen. Genau in dieser Spannungszone ist Halloween für viele internationale Schulkulturen besonders sichtbar, weil es als Mix aus Bildsprache, Süßigkeiten und gemeinschaftlichen Ritualen leicht zu organisieren ist.
In der konkreten Umsetzung zeichnet sich zudem ein Abstufungsprinzip ab. Eine der großen internationalen Schulen in Kairo teilte mit, dass Kostüme und öffentliche Treffen zu Halloween in diesem Jahr verboten seien; die Polizei werde die Regeln strikt durchsetzen. Private Feiern bleiben davon nach Angaben offenbar teilweise unberührt: Wer teilnehmen will, soll sein Kostüm erst am Veranstaltungsort anziehen. Damit entsteht eine Praxis, die im Kern den öffentlichen Raum und die Schule als Institution trennt. Für internationale Familien bedeutet das: Der Konflikt verlagert sich von der Schulwahrnehmung in den privaten Bereich, während öffentliche Signale im Bildungsumfeld zurückgefahren werden.
Über das unmittelbare „Ja oder Nein“ hinaus stellt der Fall eine größere Frage, die weit über Halloween hinausreicht: Welche kulturelle Offenheit soll internationale Bildung ausmachen, und wie viel darf der Staat den schulischen Alltag bestimmen? Die Antwort fällt in Ägypten offenbar klar zugunsten einer stärker national und religiös definierten Ausrichtung aus, zumindest im Kontext öffentlicher Schulaktivitäten. Für internationale Schulen heißt das, bei der Gestaltung von Events deutlich enger mit regulatorischen Vorgaben zu arbeiten, statt Freiräume aus früheren Jahren zu übernehmen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie Schulen, Eltern und Lernende mit der neuen Grenze im Alltag umgehen werden – nicht nur in Kairo, sondern auch in anderen größeren Städten, in denen internationale Bildung eine ähnliche Rolle spielt.
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