WASHINGTON, D.C. / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pentagon stellt mit FORTRESS eine Initiative vor, die US-Militärstandorte gegen Stromausfälle, Cyberangriffe und Lieferkettenunterbrechungen widerstandsfähiger machen soll. Unter anderem sind fünf Säulen für Energieunabhängigkeit, Verteidigungs- und Lieferkettenresilienz sowie die Härtung von Anlagen und Cyberabwehr genannt. Parallel baut die US Army im Rahmen des Janus-Programms Kernreaktoren in Form kleiner Microreactors an mehreren Standorten auf. Ziel ist, kritische Operationen auch dann fortführen zu können, wenn das kommerzielle Stromnetz oder klassische Nachschubwege ausfallen.

Das Pentagon bringt mit der FORTRESS-Initiative einen Resilienzansatz stärker auf die Agenda, der weit über klassische Sicherheitskonzepte hinausgeht. Im Zentrum steht die Frage, wie militärische Einrichtungen weiterarbeiten können, wenn Stromnetze ausfallen, Lieferketten nicht mehr zuverlässig liefern oder zusätzlich digitale Angriffe die Steuerung von Infrastruktur stören. In einer Memo kündigte das Verteidigungsministerium FORTRESS mit einem Fokus auf Energieunabhängigkeit an und rahmte das Programm als „Versicherung“ dafür, dass Materialien verfügbar bleiben und Operationen auch bei Abbrüchen im Ablauf durchführbar sind. Das ist nicht nur Verwaltungssprache: In modernen Konfliktszenarien wird Energieinfrastruktur als Angriffsfläche betrachtet, weil ein Ausfall Strom, Kommunikation und Logistik gleichzeitig trifft.
Technisch betrachtet zielt FORTRESS auf mehrere Ebenen der Betriebsfähigkeit ab. Neben der Energieunabhängigkeit nennt die Initiative vier weitere Pfeiler: Resilienz von Lieferketten und der Defense Industrial Base, die Verfügbarkeit einer strategischen Verteidigungsreserve, die Härtung von Standorten inklusive Cyber-Resilienz sowie Resilienz im Weltraum und im Spektrum. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von „Widerstandsfähigkeit“ als organisatorischem Schlagwort hin zu belastbaren Kapazitäten: Wer in der Krise nicht nur weiter kommunizieren, sondern auch Wartung, Betrieb und elementare Versorgung sicherstellen will, muss sowohl das Versorgungsnetz als auch die Kontroll- und Datenebene betrachten. Gerade der Aspekt „Cyber-Resilienz“ weist darauf hin, dass der Plan auch die IT-seitige Steuerung von Infrastruktur und Energieflüssen einschließt, nicht nur physische Sicherung.
Parallel zu FORTRESS baut die US Army mit dem Janus-Programm an einer konkreten Energie-Architektur für Militärstandorte. Janus ist ein separater Ansatz, der laut Angaben bereits im Vorjahr gestartet und im Oktober 2025 als „nächstgünstiges“ nukleares Stromprogramm beschrieben wurde. Geplant ist der Einsatz kommerzieller nuklearer Microreactors an militärischen Einrichtungen, mit dem Ziel, eine verlässliche Stromquelle bereitzustellen, die unabhängig vom kommerziellen Netz funktioniert, sobald dieses ausfällt oder von Cyberangriffen, Extremwetter oder physischen Angriffen betroffen ist. Interessant ist dabei die Zielsetzung für den Betriebszeitpunkt: Für den ersten Schwung sollen einzelne Reaktoren bis September 2028 betriebsbereit sein. Das macht aus dem Thema eher ein Engineering- und Implementierungsprojekt als eine reine Konzeptstudie.
Für den ersten Umsetzungszyklus wurden fünf Standorte ausgewählt, die jeweils als Bauplätze für die Microreactors dienen sollen: Fort Bragg in North Carolina, Fort Campbell in Kentucky, Fort Hood in Texas, Fort Benning in Georgia und Fort Drum in New York. Die Planung nennt zudem konkrete Anbieter, die an diesen Standorten jeweils die Reaktoren errichten sollen: Antares Nuclear Inc. bei Fort Bragg, BWXT Advanced Technologies LLC bei Fort Campbell, General Atomics Electromagnetic Systems bei Fort Hood, Radiant Industries Inc. bei Fort Benning sowie Westinghouse Government Services bei Fort Drum. Aus technologischer Sicht handelt es sich bei Microreactors im Kern um kleine nukleare Kraftwerke, die im kleineren Maßstab Strom und Wärme erzeugen können, wodurch sich der Energiefluss vor Ort stabilisieren lässt. Gerade der Vorteil für militärische Anwendungen liegt darin, dass die Stromversorgung nicht von regelmäßigen Brennstoffanlieferungen und nicht von der Verfügbarkeit des externen Netzes abhängig ist.
Warum diese Ausrichtung ausgerechnet auf einen Zeithorizont von „90 Tagen“ betrachtet wird, lässt sich aus der Logik zukünftiger Einsatzlagen ableiten, die länger anhaltende Störungen in kritischer Infrastruktur und Lieferketten erwarten. Wenn Stromerzeugung und Nachschubwege gleichzeitig beeinträchtigt sind, entscheidet die Fähigkeit, mehrere Wochen ohne zentrale Versorgung zu überstehen, über den Fortbestand von Operationen. Genau hier setzt die kombinierte Strategie an: Energieresilienz über Microreactors, dazu eine strategische Reserve für den Materialbedarf und zusätzliche Härtungsmaßnahmen, die sowohl physische Angriffe als auch digitale Störungen abfedern sollen. Aus der Forschungsperspektive wird der Zeit- und Umsetzungsaufwand dabei nicht klein gerechnet; ein Washingtoner Think Tank bezeichnete Teile der Ziele als „extrem ambitioniert“, und es wird davon ausgegangen, dass die Umsetzung Jahre dauern kann.
Für die Markt- und Innovationsseite ist das Vorhaben deshalb mehr als ein rein militärisches Thema. Wenn ein Staat nicht nur Stromausfälle abfedern, sondern dafür konkrete Baukapazitäten, Lieferketten und Sicherheitsanforderungen schafft, entstehen auch für die Industrie neue Testfelder. Entscheidend wird sein, wie sich die Microreactor-Technik in die bestehenden Standortroutinen integriert und wie eng die Schnittstellen zwischen Energieerzeugung, Cybersecurity, Betriebsführung und Beschaffung tatsächlich getaktet sind. Gleichzeitig zeigt die Parallelität von FORTRESS und Janus, dass das Pentagon Resilienz nicht als einzelnes Projekt plant, sondern als Zusammenspiel aus Infrastruktur, Material- und Lieferkettenpolitik sowie Härtungsmaßnahmen über mehrere Ebenen. Für IT- und Engineering-Organisationen in der Lieferkette bedeutet das: In den kommenden Jahren rücken Fragen nach sicheren Steuerungsarchitekturen, redundanten Betriebsabläufen und robusten Wartungsprozessen deutlich näher an den operativen Alltag.
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