LONDON (IT BOLTWISE) – Alphabet enttäuscht mit schwächeren Quartalszahlen und drückt damit auch die Stimmung für die Beteiligung von Berkshire Hathaway. Der US-Investmentkonzern hält einen großen Alphabet-Bestand, doch der durchschnittliche Einstandskurs bleibt geheim. Die letzten Zukäufe erfolgten offenbar zu deutlich höheren Kursen, während Alphabet gleichzeitig negative freie Cashflows und Bewertungsbelastungen meldete. Entscheidend wird, wie Markt und künftige Zahlen diese unterschiedlichen Effekte einpreisen.

Alphabet hat die Erwartungen zum dritten Quartal verfehlt und setzt damit indirekt auch die Berkshire-Hathaway-These unter Druck: Berkshire gilt als Großaktionär von Google-Mutterkonzern, und wenn der Markt die operativen Ergebnisse schlechter als erwartet einordnet, spiegelt sich das schnell im Wert des gehaltenen Aktienpakets wider. Auch wenn der Konzern den durchschnittlichen Einstandskurs seiner Alphabet-Aktien nicht offenlegt, lassen die Marktreaktion und die gemeldeten Ergebnisbestandteile erkennen, dass Bewertungsfragen und Cashflow-Entwicklung für die Bewertung der Beteiligung zusammenkommen. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, ob die Position inzwischen bilanziell und wirtschaftlich eher Gegenwind liefert als einen stillen Puffer.
Technisch betrachtet zeigen die Alphabet-Zahlen ein gemischtes Bild: Beim Gewinn je Aktie lag Alphabet mit 2,12 US-Dollar unter dem Vorjahreswert (2,87 US-Dollar) und auch unter den Erwartungen, die im Schnitt bei rund 3 US-Dollar lagen. Gleichzeitig wuchs das operative Geschäft spürbar, denn der operative Gewinn legte im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 40,58 Milliarden US-Dollar zu. Belastet wurde das ausgewiesene Ergebnis jedoch durch Verluste auf Beteiligungspapiere in Höhe von 8,66 Milliarden US-Dollar, die den Gewinn je Aktie um 0,55 US-Dollar reduzierten. Zusätzlich meldete Alphabet einen negativen freien Cashflow von 9 Milliarden US-Dollar, begründet durch hohe Investitionen, unter anderem im Kontext von KI.
Gerade dieser Mix ist für Großinvestoren wie Berkshire relevant, weil er den Unterschied zwischen operativer Qualität und kurzfristigen Bewertungseffekten sichtbar macht. Berkshire baute seine Alphabet-Beteiligung laut den genannten Zukäufen über mehrere Etappen auf und nahm dabei im Zeitverlauf teils deutlich höhere Kaufkurse in Kauf: Im dritten Quartal 2025 wurden rund 18 Millionen Aktien für etwa 225 US-Dollar je Anteilsschein gekauft, während im ersten Quartal 2026 weitere etwa 40 Millionen Aktien zu ungefähr 315 US-Dollar folgten. Später kam noch ein Einkauf im Juni hinzu, als Berkshire im Rahmen einer Eigenkapitalaufnahme weitere 10 Milliarden US-Dollar in Alphabet-Aktien investierte, zu einem Kaufpreis von rund 350 US-Dollar je Aktie. Wenn später also zu höheren Kursen nachgekauft wurde, kann der gesamte durchschnittliche Buchansatz über die Zeit ansteigen – selbst dann, wenn einzelne frühere Tranchen längst im Plus lagen.
Die Größenordnung der Beteiligung macht deutlich, wie empfindlich die Gesamtbewertung auf Kursbewegungen reagiert. Im zweiten Quartal erwarb Berkshire knapp 50 Millionen weitere Alphabet-Aktien, sodass sich der Bestand zum 30. Juni auf insgesamt 106 Millionen Anteile belief. Ausgehend vom Schlusskurs von 278,04 US-Dollar am Montag wurde die Position nach den Zahlen nur noch rund 29,47 Milliarden US-Dollar wert, nachdem sie im Juni zeitweise einen Höchststand von über 37 Milliarden US-Dollar erreicht hatte. Alphabet ist dabei die viertgrößte Aktienposition von Berkshire Hathaway und liegt im Konzern-Ranking hinter Beteiligungen an Apple, American Express und Coca-Cola. Wie groß eine mögliche Unterdeckung ausfiele, hängt unmittelbar am durchschnittlichen Einstandskurs; Schätzungen gehen dabei von mehr als 300 US-Dollar bis hin zu Werten nahe 320 US-Dollar je Aktie aus – ein Niveau, das im zuletzt genannten Kursbereich in einen möglichen Minusbereich hineinführen könnte.
Ein zusätzlicher Hebel sitzt in der Rechnungslegung: Nach US-GAAP fließen Wertveränderungen bei Aktienbeständen in den Quartalsgewinn ein. Gleichzeitig betont Berkshire, dass es Anlagegewinne und -verluste eines einzelnen Quartals nicht überbewerten möchte, weil sie das Ergebnis je Aktie stark verzerren können. Deshalb stellt der Konzern sein operatives Ergebnis ohne diese Bewertungseffekte heraus, was die Interpretation für Anleger anspruchsvoll macht: Die Kurskorrektur, die nach Ende des dritten Quartals am 30. September eintrat, dürfte sich demnach erst in den Kennzahlen des vierten Quartals sichtbar niederschlagen. Für die Alphabet-Beteiligung bedeutet das: Zwischen Kursbewegung und Berichtswirkung kann zeitlich eine Lücke liegen, in der der Markt die Richtung bereits antizipiert, die Bilanz aber noch nicht vollständig abbildet.
Neben der Ergebnislogik rückt auch die Informationspolitik ins Zentrum. Berkshire hatte die Anschaffungskosten seiner 15 größten Aktienpositionen seit Beginn der 2020er Jahre nicht mehr in der bisherigen Detailtiefe veröffentlicht, wodurch sich der durchschnittliche Buchansatz für Investoren nur noch eingeschränkt nachvollziehen lässt. In dem Kontext gewinnt die Frage an Gewicht, ob unter der Führung von Greg Abel wieder mehr Transparenz bei den Einstandskosten möglich ist, insbesondere weil Warren Buffett Ende 2025 als Vorstandschef zurücktrat und den Verwaltungsratsvorsitz an seinen Sohn Howard Buffett übergab. Positiv in die kurzfristige Stimmung wirken zudem Aussagen von Analysten, etwa indem ein Kursziel-Update das bestehende „Buy“-Votum stützt. Wann sich die Wirkung auf die Alphabet-Beteiligung konkret in der Investor-Perspektive verdichtet, dürfte sich vor allem mit der nächsten Zahlenvorlage von Berkshire zum dritten Quartal zeigen.
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