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PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Frankreich startet mit der Verteidigungsindustrie einen neuen „Pakt“, um ein nationales Ökosystem für Marine-Drohnen aufzubauen. Die Initiative läuft zum Auftakt der Euronaval und zielt darauf, Ausrüstung schneller an die Anforderungen der Marine anzupassen. Geplant sind unter anderem weitere Unterwasser-ROVs, Roboter gegen Seeminen und der Umbau bestehender Fregatten für mehr Abfangraketen. Ergänzend steht die längere Verweildauer großer unbemannter Unterwasserfahrzeuge im Fokus.

Frankreich startet „Pakt“ mit der Industrie für Marine-Drohnen
Frankreich startet „Pakt“ mit der Industrie für Marine-Drohnen (Foto: IT BOLTWISE)
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Frankreichs Verteidigungsministerium bringt zum Auftakt der Euronaval einen neuen industriepolitischen Rahmen auf den Weg: einen „Pakt“, der das Land in die Lage versetzen soll, Drohnentechnik stärker aus dem eigenen Ökosystem heraus zu entwickeln und schneller in die Marine zu integrieren. Außenstehende sehen darin vor allem einen Beschleunigungshebel. Im Kern geht es aber auch um die Frage, wie sich Hardware-Entwicklung, Qualifizierung und maritime Einsatzreife enger verzahnen lassen, wenn sich Anforderungen in Seephasen, Sensorumgebungen und Missionsprofilen kurzfristig verändern. Ministerin für die Streitkräfte Catherine Vautrin stellte die Initiative am 3. November vor und beschrieb sie als Mechanismus, der die Bedarfe der Streitkräfte „konvergieren“ lassen soll.

Der Zeitdruck ist dabei kein abstraktes Politiksignal, sondern passt zu dem, was sich in vielen Marinen seit Jahren abzeichnet: Unbemannte Systeme werden nicht mehr als Ergänzung behandelt, sondern zunehmend als taktischer Bestandteil. Der in dem Text gezogene Vergleich zu früheren Vorstößen bei Luftdrohnen unterstreicht die Logik: Wenn unbemannte Plattformen so wichtig werden, dass Streitkräfte ihre Prozesse reorganisieren müssen, verschiebt sich auch der Beschaffungsmaßstab. Statt strikt voneinander getrennt zu planen – Entwicklung hier, Truppenerprobung dort – sollen Hersteller und Marineanforderungen näher zusammenarbeiten. Der „Pakt“ ist damit weniger ein einzelnes Programm als eine strukturelle Klammer, die Technologiepfade und Lieferfähigkeit bündelt.

Technisch wird der Schwerpunkt im Dokument klar über mehrere Unterwasseranwendungen gefasst. Unbemannte Plattformen sollen zur Räumung von Seeminen beitragen, hydrographische sowie ozeanografische Daten sammeln und zudem den Meeresboden in großen Tiefen erkunden. Gerade der Unterwasserbereich ist für die Industrie anspruchsvoll, weil er Sensorik, Energieversorgung, Datenraten und Kommunikationswege unter schwierigen Bedingungen zusammenbringt. In der Argumentation wird zudem betont, dass „Mastering“ des Meeresbodens seit Jahren Teil der französischen maritimen Technologiewege ist. Dazu passt auch der Verweis auf einen „blinden Fleck“: Viele Regierungen hätten bislang zu wenig belastbare Informationen zur Beschaffenheit und Ausgestaltung des Meeresbodens. Für Betreiber kritischer Infrastruktur spielt das praktisch eine Rolle, weil Kabel- und Pipeline-Systeme im Extremfall zum Ziel von Sabotage oder bewaffneten Handlungen werden können.

Konkrete Beschaffungs- und Entwicklungsbewegungen werden im Rahmen der Vereinbarungen ebenfalls greifbar. Laut den Angaben ist unter anderem der Kauf eines zweiten ROV-Deep-Sea-Drohnen-Systems von LD Travocean vorgesehen. Das Gerät bringt 3.600 Kilogramm auf die Waage und soll bis zu 6.000 Meter abtauchen können. Das erste ROV war 2024 bestellt worden und habe laut Bericht vergangene Woche Qualifizierungstests für die vorgesehene Tiefe abgeschlossen. Hinzu kommt die geplante Anschaffung von acht A18-Gegenminenrobotern des Unternehmens Exail. Diese Plattformen werden als Multi-Sensor-Unterwasserdrohnen beschrieben, die Seeminen finden und charakterisieren sollen – bevor anschließend die eigentliche Entfernung erfolgt. Damit zeigt sich auch die Architektur der Missionen: Sensorik und Detektion werden entkoppelt von der finalen Räumhandlung, was die Systemanforderungen in Teilstufen besser handhabbar macht.

Parallel arbeitet Frankreich an einer weiteren Klasse großer unbemannter Unterwasserfahrzeuge. Die französische Marine soll ein zweites unbemanntes Kampf-Unterwasserfahrzeug von Naval Group beschaffen; es soll „ein Stück länger“ als das erste Testfahrzeug sein, über 10 Meter lang und mehr als 10.000 Kilogramm schwer. Entscheidend ist dabei die Einsatzdauer: Das massive System soll wochenlang im Wasser bleiben können. Solche Verweildauern verändern die technische Auslegung, weil sie nicht nur anhaltende Energie- und Wärmemanagement-Strategien erfordern, sondern auch anhaltende Robustheit gegen Schlechtwetter, Biofouling und mehrtägige Daten- und Navigationsanforderungen. Für den „Pakt“ ist das strategisch wichtig, denn Langläufer-Systeme benötigen meist stärker abgestimmte Integrationspfade zwischen Sensorpayload, Software-Routinen und den Schnittstellen, über die operativ entschieden wird, wann und wie eingegriffen wird.

Weniger „Unterwasser“, aber eng mit der Logik der schnellen Anpassbarkeit verknüpft, sind die Begleitentscheidungen für die Überwasserkampffähigkeit. Die Verteidigungsbehörden haben dem Bericht zufolge außerdem mit Naval Group und MBDA eine Vereinbarung unterzeichnet, um Frankreichs FDI-Fregatten mit Aster-Abfangraketen auszustatten. Dabei geht es um eine Aufrüstung, die den Ablauf an Bord direkt betrifft: bestehende Fregatten sollen von 16 auf 32 Raketen umgerüstet werden, also die Bord-Startfähigkeit verdoppeln. Neue Schiffe sollen bereits mit dem 32-Start-Zellen-Magazin gebaut werden. Das ergänzt die Drohnenthemen auf einer anderen Ebene: Nicht nur die Detektion und Bedrohungsbewertung durch unbemannte Plattformen zählt, sondern auch die Fähigkeit, erkannte Bedrohungen in ausreichender Salvenkapazität zu bekämpfen.

Über die einzelnen Beschaffungen hinaus lässt sich aus dem Ansatz ein Branchentrend ableiten: Die Industrie wird stärker als „Engineering-Partner“ entlang eines gesamten Fähigkeitszyklus verstanden. Für Hersteller bedeutet das, dass Qualifizierungspfade, Datenschnittstellen und wiederverwendbare Softwarebausteine an Gewicht gewinnen. Für die Marine wiederum verschiebt sich der Schwerpunkt weg von reinen Stückzahlen hin zu schneller Iteration: Systeme sollen nicht nur geliefert, sondern zügig an neue Sensorprofile, Taktiken und Einsatzszenarien angepasst werden. In diesem Zusammenhang spielt auch Künstliche Intelligenz eine zunehmend praktische Rolle – etwa bei der Auswertung mehrsensorischer Unterwasserdaten, bei der Unterstützung der Klassifikation von Objekten oder bei der autonomen Missionsplanung, weil KI-gestützte Systeme Muster schneller erkennen und Entscheidungen unter Zeitdruck vorbereiten können. Der „Pakt“ könnte genau solche KI- und Autonomie-Bausteine leichter skalierbar machen, vorausgesetzt, Industrie und Nutzer definieren früh genug die Messgrößen für Leistung und Zuverlässigkeit im Feld.

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