LONDON (IT BOLTWISE) – In den USA sind innerhalb von zwei Handelstagen rund 1,3 Milliarden US-Dollar aus Spot-ETFs für Bitcoin und Ethereum abgezogen worden. Die Abflüsse erhöhen kurzfristig den Verkaufsdruck, weil bei Rückgaben tatsächlich Bitcoin- und Ether-Bestände für die Abwicklung bereitgestellt werden müssen. Auffällig ist dabei, dass BlackRock laut On-Chain-Daten große Kryptobestände an eine Handelsumgebung transferiert hat. Für Anleger rückt damit die Frage nach den nächsten technischen Unterstützungen in den Fokus.

Die Kursbewegung kam nicht aus dem Nichts: Rund 1,3 Milliarden US-Dollar Abfluss aus US-amerikanischen Spot-ETFs für Bitcoin und Ethereum innerhalb von nur zwei Handelstagen hat den Markt spürbar aus dem Tritt gebracht. Im Kern steckt eine einfache Mechanik dahinter: Spot-ETFs halten die zugrunde liegenden Coins. Wenn Investoren Fondsanteile zurückgeben und Cash statt Token möchten, müssen die Fonds die entsprechenden Bestände für die Rücknahmeprozesse bereitstellen. Das ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem sofortigen „Marktverkauf“, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass früher oder später zusätzliche Verkaufsmengen in den Markt gelangen.
Für beide Kryptowährungen war der Druck zeitlich und zahlenmäßig gut nachvollziehbar. Bitcoin schloss am 2. November bei 76.709 US-Dollar und markierte damit das niedrigste Niveau der letzten 30 Tage. Ethereum rutschte bereits am 30. Oktober auf 2.242 US-Dollar, ebenfalls ein 30-Tage-Tief. Über die Woche betrachtet liegt Bitcoin bei 77.609 US-Dollar und damit 3,7% tiefer, während Ethereum bei 2.296 US-Dollar steht und im Monatsvergleich einen stärkeren Rückgang von 15,9% zeigt. Gerade diese Kombination aus ETF-getriebenem Liquiditätsabfluss und breiter Schwäche macht das Szenario für viele Marktteilnehmer technisch anspruchsvoll, weil jede zusätzliche Verkaufseinheit eher auf dünneres Käuferinteresse trifft.
Konkreter wird es beim Blick auf die ETF-Abflüsse nach Produkten. Bei Bitcoin summierten sich die Abflüsse am 30. Oktober auf 643 Millionen US-Dollar; am 2. November kamen weitere 399 Millionen US-Dollar hinzu, sodass die Outflows insgesamt bei rund 1 Milliarde US-Dollar landen. Bei Ethereum fielen die Abflüsse deutlich kleiner, aber ebenfalls relevant aus: 156 Millionen US-Dollar am 30. Oktober und 140 Millionen US-Dollar am 2. November, zusammen also knapp 300 Millionen US-Dollar. Besonders auffällig ist, dass iShares Bitcoin Trust (IBIT) am 2. November allein rund 405 Millionen US-Dollar Abflüsse verbuchte und damit mehr als den gesamten Gruppen-Nettoabfluss an diesem Tag abbildete. Bei iShares Ethereum Trust (ETHA) dagegen lagen die Abflüsse am 2. November bei etwa 138 Millionen US-Dollar und machten damit fast die gesamten Rücknahmen in diesem Zeitfenster aus.
Parallel dazu liefern On-Chain-Analysen eine weitere Perspektive darauf, wie eng Abflüsse und Handelsabwicklung miteinander verknüpft sind. Ein Blockchain-Tracker berichtet, BlackRock habe rund 702 Millionen US-Dollar in Kryptowerten – darunter 7.244 BTC und 63.598 ETH – von ETF-bezogenen Wallets zu Coinbase Prime, einer Handelsumgebung für institutionelle Kunden, übertragen. Solche Transfers werden typischerweise in Phasen genutzt, in denen Vermögenswerte für die spätere Abdeckung von Rückgaben „bereitgestellt“ werden. Entscheidend: Eine Übertragung in Richtung Handelsdesk belegt noch nicht, dass tatsächlich bereits verkauft wurde. Trotzdem verändert allein die Erwartung möglicher weiterer Schritte die kurzfristige Markterwartung, weil Trader und Risikomanager ihre Positionierung an die potenziell verfügbare Liquidität anpassen.
Technisch steht Bitcoin inzwischen unter erhöhtem Beobachtungsdruck. Der Kurs notiert unter beiden relevanten gleitenden Durchschnitten: Unter dem 20-Tage-Durchschnitt von 80.528 US-Dollar und auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 81.925 US-Dollar. Solche Konstellationen werden von vielen Marktteilnehmern als Hinweis gewertet, dass der kurzfristige Trend nach unten kippt. Als unmittelbare Zone gilt der Bereich um 76.517 US-Dollar, knapp unter dem Schlusskurs vom 2. November; wird diese Marke unterschritten, rückt als nächstes der 200-Tage-Durchschnitt um etwa 73.162 US-Dollar in den Fokus – das entspricht ungefähr 5,7% unter dem aktuellen Niveau. Historisch hatte Bitcoin bereits im August ein 90-Tage-Tief von 62.844 US-Dollar gesehen, was zeigt, dass bei anhaltendem Abwärtsdruck auch größere Abstände zu den nächsten „sicheren Häfen“ entstehen können.
Auch Ethereum wirkt im Vergleich zur Marktbreite derzeit schwächer, nicht nur wegen der absoluten Kursstände, sondern weil mehrere gleitende Durchschnitte gleichzeitig verfehlt werden. Ethereum liegt unter dem 20-Tage-Durchschnitt von 2.358 US-Dollar und unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 2.511 US-Dollar. Hinzu kommt: Der Abstand zum Allzeithoch von 4.946 US-Dollar aus August 2025 beträgt laut Datenlage weiterhin 53,6%. Für die kurzfristige Struktur ist eine konkrete Unterstützungszone entscheidend: Trader beginnen üblicherweise Käufe bei etwa 2.234 US-Dollar, also knapp unter dem Schlusskurs vom 30. Oktober. Fällt diese Stütze, wird häufig der 200-Tage-Durchschnitt um rund 2.157 US-Dollar als nächster Orientierungspunkt genannt; darunter liegt als markantes Tief ebenfalls der Bereich um 1.871 US-Dollar, der im August verzeichnet wurde. In früheren ETF-getriebenen Verkaufsphasen zeigte sich zudem, dass Abflüsse sich teils in Serien fortsetzen können, bevor ein Boden entsteht.
Für Anleger ergibt sich daraus ein klares, aber nicht konfliktfreies Bild. Einerseits deutet die aktuelle Outflow-Dynamik darauf hin, dass der Markt kurzfristig weiterhin mit zusätzlichen Abwicklungsverkäufen rechnen könnte. Andererseits berichtet die Quelle, dass es am 2. November auch Gegenbewegungen gab: Trotz der Abflüsse, die mit einem Großtransfer in Richtung Handelsdesk in Verbindung gebracht werden, sollen einzelne konkurrierende Bitcoin-Fonds Zuflüsse verzeichnet haben. Wenn sich tägliche Flows drehen und positive Nettozahlen häufiger werden, könnte Bitcoin das Niveau um 76.517 US-Dollar halten und Ethereum über 2.234 US-Dollar stabilisieren. Bricht dieses Muster, wären – zumindest aus Sicht der genannten technischen Marken – Rückläufe in Richtung 73.162 US-Dollar bei Bitcoin und 2.157 US-Dollar bei Ethereum plausibel. Entscheidend bleibt dabei weniger die Schlagzeile „Abfluss“ als die Frage, ob sich aus den ETF-Rückgaben in der Summe tatsächlich ein anhaltender Verkaufsdruck aufbaut oder ob Käufer das „Gap“ zwischen Angebot und Nachfrage zeitnah schließen.
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