BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die deutschen Handballer sind mit einem 42:32 (22:18) gegen Belgien in die EM-Qualifikation gestartet. Kapitän Johannes Golla traf viermal, während Marko Grgic mit sieben Toren den Angriff anführte. Nach zähem Beginn und Kritik an der Defensive stabilisierte die Mannschaft die Abwehr deutlich und setzte sich spürbar ab. Am Sonntag folgt bereits das Auswärtsspiel in der Slowakei.

Deutschland ist in Berlin nicht mit einem makellosen Auftritt in die EM-Qualifikation gestartet, sondern erst einmal mit einer bekannten Baustelle: der Defensive. Nach der Anstoßphase entwickelte sich das Spiel gegen Belgien zwar zu einer klaren Angelegenheit, aber bis zur 20. Minute stand an der Anzeigetafel lediglich 13:10. Die 12.684 Zuschauer sahen damit zunächst ein Team, das sich gegen einen Außenseiter nicht sofort absetzen konnte, obwohl der spätere Endstand von 42:32 schon nachhallen lässt, wie groß der Qualitätsunterschied am Ende tatsächlich wurde.
Im Angriff lief es gleichzeitig punktgenau genug, um Belgien immer wieder unter Druck zu setzen. Marko Grgic war mit sieben Treffern bester Werfer, und Johannes Golla übernahm trotz der im Hintergrund laufenden Wechseldebatte die Rolle des Kapitäns auf dem Feld. Dass der Kreisläufer in der Startphase besonders präsent war, passt zum Muster der Anfangsstrategie: In der ersten Halbzeit bestimmte er das Geschehen mit, bevor sich das Spielverlauf-Tempo später klar zugunsten der deutschen Mannschaft verschob. Der 29. Geburtstag von Golla wurde dabei weniger zur Randnotiz als vielmehr zu einem sportlichen Fixpunkt im Spielplan: vier Tore, klare Präsenz, Verantwortung.
Warum der Weg bis zum späteren 42:32 nicht geradlinig verlief, lag vor allem in der Abwehr. Alfred Gislason, der als Bundestrainer die Partie nicht als reines Schaulaufen verstanden wissen wollte, benannte in einer Auszeit das Problem explizit: Die Mannschaft müsse in der Defensive zulegen. Interessant war außerdem die Torhüter-Konstellation: Stammkeeper Andreas Wolff stand offenbar nicht im Spieltagskader, sodass David Späth und Lasse Ludwig das Torhütergespann bildeten. Dass gerade diese Phase nach 20 Minuten besser zu greifen begann, ist keine reine Ergebnis-Detailsache, sondern wirkt auf die Spielsteuerung: Mit stabilerer Abwehr sinkt die Zahl der riskanten Abschlüsse, und die Gegentore kommen weniger aus dem „freien Lauf“.
Ab der zweiten Hälfte ließ sich genau dieser Effekt beobachten. Mit zunehmender Spieldauer nahm die Kraft der Belgier ab, während die deutsche Abwehr zunehmend Struktur gewann. Deutschland zog auf 29:23 davon, und Gislason nutzte die Schlussphase, um weitere Spieler einzubauen. Dazu gehörten unter anderem Matthes Langhoff und Justus Fischer, was sportlich doppelt relevant ist: Einerseits bleibt der Rhythmus für das Team erhalten, andererseits kann der Trainer unter Wettkampfbedingungen prüfen, wie sich neue Rollen und Abläufe in Drucksituationen anfühlen. Für einen Kader, der sich auf die Heim-WM im Januar vorbereitet, ist das Gold wert, weil Trainingsmonate zwar taktische Vorstellungen schärfen, Turnierbedingungen aber eine andere Art von Reife verlangen.
Auch die Debütanten waren ein weiterer Hebel, den Deutschland im richtigen Moment ansetzte. Niklas Thei̟ von der HSG Wetzlar erzielte in der 30. Minute sein erstes Länderspieltor, während David Moré vom ThSV Eisenach als zweiter Neuling im Lehrgangskader ebenfalls mit einem gelungenen Einstand überzeugte. Solche Momente sind für Trainerteams selten nur „nice to have“. Sie liefern Daten für spätere Entscheidungen: Wer behält im Spielaufbau und in der Abwehr kommunikationsstarke Routinen? Wer trifft in der ungewohnten Länderspielintensität? Und wer kann in Phasen, in denen die Mannschaft zwar führt, aber noch nicht endgültig durch ist, stabil bleiben?
Der sportliche Kontext wird dabei nicht enger, sondern breiter. Die beiden Qualifikationsspiele gegen Belgien und die Slowakei stehen im größeren Rahmen der Vorbereitung auf die Heim-WM im Januar. Für Gislason sind die Möglichkeiten, den Kader unter Wettkampfbedingungen zu testen, begrenzt; genau deshalb bekommt der Wettbewerb gegen Debütanten und Wechselkandidaten eine besondere Aussagekraft. Neben der Rolle im Spiel zählt auch das Zusammenspiel: Auf dem Weg zur Euro 2028 treffen weitere Gegner im März aufeinander, unter anderem Italien, das in der Meldung im Umfeld von Bob Hanning verortet wurde. Dass parallel langfristige Planungssignale gesetzt werden, macht die Bedeutung des Blocks deutlich: Der Deutsche Handballbund hat bekannt gegeben, dass die Weltmeisterschaft 2029 in Berlin startet, weitere deutsche Spielorte sind Köln und Hamburg, während Frankreich die gemeinsame Ausrichtung in Lyon, Straßburg und Paris übernimmt.
Für das nächste Spiel gegen die Slowakei ist vor allem eine Frage offen: Wie schnell bekommt das Team die von Gislason angesprochenen Konzentrationsprobleme in den Griff? Das Auswärtsspiel dürfte die Abwehr stärker fordern als ein Heimauftritt, weil Tempo, Kommunikation und Rückwärtsbewegungen im Fremdsystem oft anders aussehen. Genau darauf zielt auch die Kaderlogik hinter dem aktuellen 42:32: Deutschland muss nicht nur Ergebnisse verwalten, sondern Rollen so festziehen, dass sich die Mannschaft auf die Heim-WM im Januar vorbereitet und zugleich einen sauberen Übergang Richtung weiterer Qualifikationsschritte schafft. Die Ankündigung der WM 2029 mit Berlin als Auftaktort erweitert den Horizont zusätzlich: Auf das nächste große Heimturnier folgt damit absehbar ein weiteres Kapitel in eigener Verantwortung. Das macht die jetzigen Erkenntnisse aus der Defensive und die Einbindung neuer Gesichter nicht nur zu einem einzelnen Saisonmoment, sondern zu einem Baustein für die folgenden Monate.
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