LONDON (IT BOLTWISE) – Freenet will rund 150 Millionen Euro aus dem Verkauf der Ceconomy-Beteiligung nutzen, um zwei Schritte gleichzeitig zu finanzieren: den Kauf von Web-TV-Anteilen bei Waipu.tv und einen eigenen Aktienrückkauf. Der Vorstand hat beschlossen, im Zeitraum 2026 und 2027 eigene Aktien bis zu 75 Millionen Euro über die Börse zu erwerben. Für die vollständige Übernahme von Waipu.tv sollen die weiteren 75 Millionen Euro in den initialen Kaufpreis fließen, der bei 76 Millionen Euro liegt. Zusätzlich wird eine Kaufpreis-Komponente von bis zu 50 Millionen Euro genannt, falls die Geschäftsentwicklung wie erwartet verläuft.

Der MDAX- und TecDAX-Konzern Freenet verknüpft in dieser Kapitalmaßnahme zwei Ziele, die im Markt oft in getrennten Taktungen verfolgt werden: eine Renditekomponente über einen Aktienrückkauf und zugleich die Stärkung des eigenen Medien- und TV-Geschäfts mit dem Vollzug bei Waipu.tv. Im Kern geht es um erwartete Erlöse in Höhe von rund 150 Millionen Euro, die nach Angaben des Konzerns aus dem Verkauf der Ceconomy-Beteiligung stammen. Diese Mittel sollen nicht nur im Rahmen einer Ausschüttungslogik wirken, sondern konkret in den Einstieg bei einem strategisch wichtigen Plattformbaustein fließen.
Beim Rückkauf setzt Freenet auf ein zeitlich klar definiertes Programm: Der Vorstand will eigene Aktien im Zeitraum 2026 und 2027 für bis zu 75 Millionen Euro erwerben, und der Erwerb soll über die Börse erfolgen. Das Programm basiert auf einer Ermächtigung der Hauptversammlung vom 13. Mai 2026, die den Rückkauf auf bis zu 10 Prozent des Grundkapitals begrenzt. Damit bleibt der Konzern innerhalb des üblichen rechtlichen Rahmens für die Ausgabe eigener Aktien bzw. die Einziehungsermöglichung; gleichzeitig reduziert ein börsengebundener Rückkauf in der Regel die Notwendigkeit, große Pakete außerhalb der Handelbarkeit zu beschaffen.
Auf der operativen Seite richtet sich der zweite Mittelblock auf die vollständige Übernahme von Waipu.tv. Von den geplanten weiteren 75 Millionen Euro soll der initiale Kaufpreis für die Übernahme stammen, den Freenet im Zusammenhang mit der Ankündigung am 13. Oktober mit 76 Millionen Euro beziffert hatte. Konkret geht es dabei um die ausstehenden rund 25 Prozent der Waipu-Anteile, die aktuell noch bei Exaring liegen. Laut Mitteilung zahlt Freenet zunächst 76 Millionen Euro im Rahmen der vollständigen Übernahme, sodass sich die Transaktion in der Logik einer abgestuften Erwerbsstruktur darstellen lässt: ein fester Einstieg, flankiert von einer leistungsabhängigen Komponente.
Diese leistungsabhängige Komponente wird mit möglichen zusätzlichen Zahlungen bis zu 50 Millionen Euro beschrieben, falls die Geschäftsentwicklung von Waipu.tv „sehr erfolgreich“ ausfällt. Für die Bewertungsseite nennt der Konzern zudem eine Größenordnung: Exaring, an dem die Waipu-Anteile gebündelt sind, wird in der Transaktion mit rund 300 Millionen Euro bewertet. Solche Mechanismen sind in Übernahmen mit Earn-out-Charakter oder kennzahlenbezogenen Anpassungen typisch, weil sie Zahlungsrisiken zwischen Käufer und Verkäufer verteilen und die Annahmen zur zukünftigen Entwicklung finanziell „anchern“.
Damit schließt sich auch der Kreis zur Ceconomy-Seite: Freenet hat seine Ceconomy-Aktien im Zuge der Übernahme der Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn an den chinesischen Online-Giganten JD.com verkauft. Der aktuelle Plan stellt damit eine Art „Rollforward“ von Erlösen dar – Einnahmen aus einem Beteiligungsabgang werden in eine Kombination aus Financial-Engineering (Rückkauf) und Business-Development (Vollübernahme von Waipu.tv) überführt. Für Unternehmen ist das vor allem dann relevant, wenn Cashflows aus Verkaufssituationen zeitlich gebündelt auftreten: Statt den Erlös länger in der Bilanz zu parken, wird er mit konkreten Verwendungen verbunden.
Technisch und strategisch betrachtet ist die Wahl von Waipu.tv als Zielgesellschaft auch deshalb interessant, weil Web-TV-Modelle in der Regel eng mit Infrastruktur, Rechte- und Plattformmanagement sowie mit Netzintegration zusammenhängen. Freenet positioniert sich damit näher an einem wiederkehrenden Service- und Kundenbeziehungsmodell, statt stärker nur an der physischen Vertriebs- oder Endgeräteperspektive zu hängen. Daneben bleibt der Aktienrückkauf ein Signal an den Kapitalmarkt: Er macht sichtbar, dass der Konzern die Erlöse aus dem Ceconomy-Abgang nicht nur als „einmaligen“ Effekt betrachtet, sondern Spielraum für Kapitalrationalisierung und Portfoliooptimierung sieht.
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