LONDON (IT BOLTWISE) – Die aktuelle Famitsu-Wertung setzt beim Remake von The Legend of Zelda: Ocarina of Time mit 37 von 40 Punkten deutlich weniger als das Original an. Während das Nintendo-64-Spiel 1998 den perfekten Famitsu-Score erhielt, kritisiert die Redaktion heute vor allem die eher schlichte Spielstruktur. Lob gab es dennoch für Kamera, Steuerung und Grafik. Für Spieler stellt sich damit erneut die Frage, wie stark ein Remake in der Wahrnehmung neue Standards setzen kann.

Die diesjährige Famitsu-Gesamtwertung für das Remake von The Legend of Zelda: Ocarina of Time macht vor allem eines sichtbar: Nostalgie garantiert keinen Perfect Score mehr. Das japanische Magazin vergibt die Punktzahl wie gewohnt auf Basis mehrerer unabhängiger Reviews, am Ende stehen 37 von 40 Punkten. Damit bleibt das Spiel zwar im oberen Feld der Wertungen, verfehlt aber die historische Marke, an der das Original von 1998 gemessen wurde: Damals bekam Ocarina of Time für Nintendo 64 die legendäre „Perfect score“ von 40 von 40 Punkten.
Historisch ist das besonders interessant, weil Famitsu seit Erscheinen der ersten Ausgabe 1986 insgesamt nur 30 „Perfect“-Titel geführt haben soll. Ocarina of Time gehört damit zu einer sehr kleinen Gruppe, die im damaligen Bewertungsraster offenbar als Referenz in Technik und Design galt. Dass das Remake jetzt nur ein Punkt unter dem Niveau liegt, das bei einem weiteren Top-Titel wie Call of Duty: Modern Warfare 4 erreicht wurde, verschiebt die Aufmerksamkeit allerdings von der bloßen Frage „gut oder nicht“ hin zu „wie gut im Vergleich“.
Technisch betrachtet wirkt die Kritik der Rezensenten auf mehreren Ebenen plausibel: Im Urteil fällt auf, dass das Spiel im Vergleich zu modernen Titeln als „einfach gehalten“ beschrieben wird. Solche Formulierungen zielen in der Regel auf unterschiedliche Designparameter wie Progression, Quest- oder Systemtiefe, außerdem auf das Tempo, in dem Spieler Entscheidungen treffen und neue Mechaniken kennenlernen. Zusätzlich wird erwähnt, dass man als Spieler manchmal ratlos sei, was als Nächstes zu tun ist. Damit rückt nicht nur die Präsentationsform ins Licht, sondern auch die Frage, wie klar moderne Orientierungssysteme im Vergleich zu älteren Designphilosophien funktionieren.
Gleichzeitig verteilt die Famitsu auch positives Feedback, und zwar an Stellen, die gerade bei Remakes häufig stärker in den Fokus rücken: ausdrückliches Lob gibt es für die Kamera, die Steuerung sowie die Grafik. Das ist eine typische Konstellation, wenn ein Titel nicht als komplettes Neudesign bewertet wird, sondern als überarbeitete Version einer gewachsenen Spielstruktur. Gerade Kamera und Steuerung entscheiden in Action- und Adventure-Titeln über die alltägliche Spielbarkeit, während Grafik-Updates meist der Teil sind, der Erwartungen am schnellsten erfüllt. Interessant ist außerdem, dass das eigene Review zu Ocarina of Time zuvor mit Gold-Award und dem Prädikat „Meisterwerk“ versehen war; die neue Gesamtwertung der aktuellen Famitsu-Ausgabe zeigt jedoch, dass der Maßstab sich verändert hat oder zumindest strenger angewendet wird.
Markt- und Wahrnehmungstechnisch wird der Befund noch dadurch verstärkt, dass Famitsu in derselben Ausgabe auch einen anderen Spitzenreiter nennt: Pokémon Pokopia bleibt demnach mit 39 von 40 Punkten an der Spitze. Außerdem wird Like a Dragon: Infinite Wealth als perfekter Kandidat für das Jahr 2024 erwähnt. Für die Einordnung ist das relevant, weil Famitsu nicht nur einzelne Spiele bewertet, sondern damit zugleich Trends in Genre, Produktionsniveau und zeitgemäßer Spielerführung sichtbar macht. Dass Ocarina of Time nicht mehr ganz an die damalige Perfektion anknüpft, kann daher als Signal gelesen werden: Das Remake bewegt sich im heutigen Wettbewerb, in dem viele große Marken gleichzeitig neue Standards in UI, Lesbarkeit, Spielsystem-Komplexität und Konsistenz setzen.
Der Text ordnet das Ganze zudem breiter ein, indem er die wenigen perfekten Wertungen innerhalb der Zelda-Reihe nachzeichnet. Nach dem Original sollen vier weitere „Perfect“-Bewertungen für The Wind Waker, Skyward Sword, Breath of the Wild und Tears of the Kingdom hinzugekommen sein. Wenn man diese Historie als Messlatte nimmt, dann wirkt der Abstand des Remakes nicht wie ein Einzelfall, sondern wie ein Muster: Die absoluten Spitzenwerte scheinen bei Famitsu eher mit modernisierten Spielerlebnissen zusammenzufallen, die auch im Gameplay-Design klare Sprünge gegenüber früheren Epochen darstellen. Entsprechend wird im Artikel angedeutet, dass man die „nackten“ Zahlen heute als möglichen Rückschritt interpretieren könnte.
Für Spieler und Unternehmen bleibt damit vor allem die praktische Frage offen, wie sehr die Famitsu-Kritik am heutigen Geschmacksspektrum festmacht. Das Remake erscheint am 5. November 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2, und damit steht bereits die nächste Generation von Hardware als Kontext im Raum. Genau hier wird es spannend: Kamera und Grafik gelten bereits als Stärken, die Steuerung wurde ebenfalls gelobt; die offenen Punkte betreffen hingegen Orientierung und wahrgenommene Tiefe. Für Entwickler und Produktverantwortliche ergibt sich daraus eine Lernkurve, die über Zelda hinausreicht: Ein Remake muss nicht nur technisch „aufpoliert“ wirken, sondern auch die Spiel- und Informationsarchitektur so anpassen, dass sich das Erleben auch im heutigen, schnelleren Gewohnheitsprofil klar und flüssig anfühlt. Bis zum Release werden sich die Bewertungen von Fans und Fachmedien zeigen müssen, ob 37 von 40 als solide Top-Position reicht – oder ob sich Ocarina of Time erneut als Maßstab etabliert.
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