GENF / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Nutzung biometrischer Systeme im militärischen Kontext birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Während sie die Identifikation von Bedrohungen verbessern sollen, können sie bei unzureichender Berücksichtigung menschlicher Vielfalt zu erheblichen Gefahren für marginalisierte Gruppen führen. Ein neuer Ansatz fordert die Integration einer inklusiven Perspektive, um Zivilisten besser zu schützen.

Biometrische Systeme haben sich in den letzten Jahrzehnten als vielversprechende Technologie zur Identifikation von Individuen etabliert. Insbesondere im militärischen Bereich wird ihnen das Potenzial zugeschrieben, die Einhaltung des internationalen humanitären Rechts zu verbessern, indem sie eine objektive Identifikation von Bedrohungen ermöglichen. Doch die Annahme, dass der menschliche Körper eine unveränderliche Wahrheit darstellt, ist trügerisch und birgt Risiken, insbesondere für marginalisierte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen.
Die Entwicklung biometrischer Systeme basiert oft auf impliziten Annahmen darüber, was als „normaler“ menschlicher Körper gilt. Diese Annahmen spiegeln sich in der Hardware wider, die biometrische Daten erfasst, sowie in den Algorithmen, die diese Daten analysieren. Systeme, die auf einem engen Spektrum von Körpermaßen basieren, können bei Menschen mit abweichenden physiologischen Merkmalen, wie Kindern, Frauen, Menschen mit Behinderungen oder älteren Menschen, häufiger versagen.
Für Menschen mit Behinderungen, die weltweit die größte Minderheit darstellen, sind die Risiken besonders hoch. Biometrische Systeme können aufgrund von Prothesen, Gesichtsdeformationen oder kognitiven Beeinträchtigungen Schwierigkeiten haben, korrekte Daten zu erfassen oder zu verarbeiten. In Konfliktsituationen kann dies zu Fehlidentifikationen führen, die fatale Konsequenzen haben können, wie die fälschliche Einstufung eines Zivilisten als Bedrohung oder der Ausschluss von Schutzmaßnahmen.
Um diese Risiken zu minimieren, ist es entscheidend, biometrische Systeme von Anfang an inklusiv zu gestalten. Entwickler sollten Menschen mit Behinderungen und andere marginalisierte Gruppen als Mitgestalter einbeziehen, um sicherzustellen, dass die Systeme die Vielfalt menschlicher Körper berücksichtigen. Zudem sollten Algorithmen adaptive Schwellenwerte und multimodale Fusionen integrieren, um alternative Identifikatoren zu nutzen, wenn eine Modalität unzuverlässig ist.
Technische Verbesserungen allein reichen jedoch nicht aus. Es bedarf auch einer umfassenden Schulung des Militärpersonals in Bezug auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen und die Grenzen der biometrischen Systeme. Nur durch eine Kombination aus technischer Anpassung und menschlichem Urteilsvermögen kann sichergestellt werden, dass biometrische Systeme im militärischen Einsatz tatsächlich zum Schutz aller Zivilisten beitragen.
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