WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Österreichische Universitäten erleben einen Wandel hin zu einer stärkeren Förderung von Unternehmertum und Innovation. Durch gezielte Maßnahmen und neue Strukturen sollen mehr Spin-offs entstehen, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren. Diese Entwicklung wird von politischen Vorgaben und einem Kulturwandel innerhalb der Hochschulen unterstützt.

Österreichische Universitäten stehen vor einem bedeutenden Wandel: Die Förderung von Unternehmertum und Innovation rückt zunehmend in den Fokus. An der Medizinischen Universität Innsbruck wurde mit dem MedLifeLab eine Struktur geschaffen, die forschungsbasierte Innovationen schneller in die Praxis überführt. Elisabeth Stiegler, Executive Managerin des MedLifeLab, betont die Wichtigkeit eines innovationsfreundlichen Klimas, das durch die Unterstützung der Universitätsleitung und des Unirats ermöglicht wird.
Auch an der Technischen Universität Wien wird ein Kulturwandel sichtbar. Christian Hoffmann, CEO der neuen Spin-off Factory, hebt hervor, dass Ausgründungen gezielt gesteigert werden sollen. Die Universitätsleitung spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem sie Innovation und Transfer als gleichrangige Aufgaben neben Forschung und Lehre etabliert. Diese Signale von oben strahlen in die gesamte Organisation aus und fördern eine unternehmerische Denkweise.
Die Wirtschaftsuniversität Wien blickt auf zehn Jahre Erfahrung mit ihrem Entrepreneurship Center zurück. Monique Schlömmer, Head of Operations, berichtet von einer erfolgreichen Entwicklung, die sich in der steigenden Zahl von Gründungen und erfolgreichen Alumni zeigt. Das Center bietet umfassende Unterstützung durch Beratung, Workshops und Zugang zu einem breiten Netzwerk von Startups und Investoren.
Die Johannes Kepler Universität Linz setzt mit ihrem LIT Open Innovation Center auf Interdisziplinarität als Nährboden für unternehmerisches Denken. Auf 8.000 Quadratmetern arbeiten Unternehmen, Startups und Studierende Tür an Tür. Birgit Wimmer, Projektkoordinatorin, erklärt, dass diese räumliche Nähe und die Kombination aus Laboren, Co-Working-Spaces und Vernetzungsformaten die Innovationskultur fördern.
Die Diskussion um Spin-offs ist nicht nur eine Frage des akademischen Selbstverständnisses, sondern auch ein politisches Programm. Das Wissenschaftsministerium hat in den Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten konkrete Vorgaben verankert, um die Zahl der Ausgründungen zu erhöhen. Diese Third Mission wird zu einem messbaren Auftrag, der alle Bereiche der Universitäten betrifft und einen tiefgreifenden Kulturwandel erfordert.
Um Unternehmertum zu fördern, sind Ressourcen und Freiräume entscheidend. Die Medizinische Universität Innsbruck arbeitet an neuen Karrierepfaden, die Gründungen nicht zum Karriere-Risiko machen sollen. Sabbaticals und die Möglichkeit, während der Tätigkeit an Ausgründungsprojekten zu arbeiten, sind Teil dieser Strategie. Auch die JKU Linz bietet mit ihrem LIT Open Innovation Center eine interdisziplinäre Community und Infrastruktur, um Forschende zu unterstützen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Teamzusammenstellung. In den Life Sciences fehlen oft komplementäre Business-Kompetenzen. Matching-Formate und Alumni-Netzwerke können helfen, aber die menschliche Komponente bleibt entscheidend. Die WU Wien setzt auf systematisches Matching, um Forschende und Betriebswirt:innen frühzeitig zusammenzubringen und ein Verständnis für die Businesswelt zu entwickeln.
Österreichische Hochschulen stehen im internationalen Wettbewerb. Kooperationen mit Partnern in Bayern, Südtirol und der Schweiz sollen helfen, in den Life Sciences eine Westachse aufzubauen. Die WU Wien versteht ihr Entrepreneurship Center als Teil eines globalen Ökosystems und baut über das Entrepreneurship Center Network hochschulübergreifende Brücken, um Teams und Projekte schneller international anzubinden.
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