BERLIN-NEUKÖLLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Catalyst Institute für Creative Arts and Technology verlegt seinen Campus auf 5.400 m² im Kalle Neukölln. Ab September 2026 entstehen über 30 Musik- und Produktionsstudios in einem maßgeschneiderten Gebäudeteil namens „White Knight“. Das praxisorientierte Lernmodell bleibt dabei Portfolio-basiert, neu ergänzt um eine noch stärkere Kopplung von kreativer Arbeit und Technologie. Damit positioniert sich das Institut im Wettbewerb mit anderen Bildungs- und Creator-Ökosystemen in der Hauptstadt.

Catalyst Institute zieht in den Kalle Neukölln: 5.400 m² für Studios, Sounddesign und VFX
Catalyst Institute zieht in den Kalle Neukölln: 5.400 m² für Studios, Sounddesign und VFX (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Catalyst Institute for Creative Arts and Technology setzt in Berlin auf Wachstum nicht nur bei der Fläche, sondern vor allem bei der Infrastruktur, die kreatives Arbeiten mit technischer Tiefe verzahnt. Der private Campus zieht im vorderen Bereich des Kalle Neukölln, dem sogenannten „White Knight“, in ein revitalisiertes Gebäude an der Karl-Marx-Straße 101. Auf insgesamt 5.400 m² zuzüglich Terrassen und Balkonen verteilen sich zwei Etagen, in denen ab September zum Wintersemester 2026 über 30 Musik- und Produktionsstudios entstehen sollen. Für die Zielgruppe ist das mehr als ein Standortwechsel: Es wird ein Lernraum, der den Alltag einer Creative-Industrie nachbildet.

Technisch betrachtet liegt die Stärke des Konzepts in der „Machbarkeit“ des Studiums: Catalyst setzt nach eigenen Angaben von Tag eins auf konkrete Projekte, die als Gesamtportfolio bewertet werden. Diese Form des Kompetenznachweises ist für kreative Berufe besonders anschlussfähig, weil sie nicht nur Wissen abfragt, sondern Produktionsentscheidungen sichtbar macht – vom Sounddesign über Drehbuchentwürfe bis hin zu visuellen Effekten. In den Studios wird damit eine typische Kette aus Aufnahme, Bearbeitung, Iteration und Abnahme trainiert. Der neue Campus soll diese Praxis mit der räumlichen Dichte unterstützen, die kreative Workflows in Teams beschleunigt und Feedback-Zyklen verkürzt.

Im Studienangebot greift Catalyst mehrere Disziplinen zusammen, die in der Medienproduktion zunehmend konvergieren. Bachelor-Programme sind unter anderem in Schauspiel, Drehbuch, Sounddesign und visuellen Effekten vorgesehen, während Master-Studiengänge auf kreative Film- und Musikproduktion zielen. Besonders betont wird außerdem ein europaweit erster interdisziplinärer Abschluss in kreativer Psychologie, was zeigt, dass das Institut nicht nur „Tools“, sondern auch Produktionskontexte und Wirkung adressiert. Ergänzt wird das Portfolio-Modell durch vierwöchige Sommerkurse. Für die internationale Reichweite sprechen aktuelle Zahlen: Über 500 Studentinnen und Studenten aus mehr als 75 Nationen besuchen Catalyst bereits heute.

Markt- und Wettbewerbsdruck entsteht dabei weniger durch einzelne Studienfächer als durch das gesamte Ökosystem rund um Creator-Work, Plattformen und Arbeitgeber. Catalyst zieht als zweite Bildungseinrichtung in das Kalle Neukölln ein: Seit September 2024 ist dort zudem die CODE University of Applied Sciences vertreten. Hinzu kommen musik- und kulturnahe Mieter im Haus, etwa der britische Plattenhändler Rough Trade mit regelmäßigen Konzerten und Events. Auch Streaming- und Tech-nahe Player wie Soundcloud sowie der Business-Accelerator The Delta sind im Gebäude präsent. Branchenbeobachter erwarten, dass genau diese Mischung aus Ausbildung, Produktion und Community die „Time-to-First-Portfolio“-Chancen verbessert und damit im Wettbewerb mit traditionellen Film- oder Audioproduktionsschulen punkten kann.

Aus Expertensicht wird die Bedeutung der Portfolio-Bewertung häufig damit begründet, dass sie die Auswahl zukünftiger Projekte repräsentiert, die später im Job zählen: Stilbrüche, technische Entscheidungen und Teamprozesse lassen sich in Projektartefakten nachvollziehen. Gleichzeitig zeigt sich in der Weiterbildung in Medien und Tech ein Trend Richtung standardisierbarer Kompetenznachweise, etwa durch rubrikbasierte Reviews, Versionierung und reproduzierbare Workflows. Das ist auch ein Vergleichspunkt zu anderen Ausbildungsansätzen, die stärker auf Klassenarbeiten oder reine Theorie setzen. Gerade in kreativen Branchen ist jedoch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse entscheidend, weil Arbeitgeber Portfolios quer über Länder hinweg bewerten. Catalyst versucht, diese Lücke mit der kontinuierlichen Projektarbeit und dem einheitlichen Gesamtportfolio-Ansatz zu schließen.

Historisch ist der Umzug gut nachvollziehbar: Catalyst bietet seit 2013 Studiengänge an und firmiert seit 2020 als Catalyst Institute for Creative Arts and Technology. Die Umbenennung soll die Ausrichtung im Feld kreativer Bildung stärker spiegeln. Seit Gründung wird ein praxisorientiertes Lernmodell von der Plymouth Marjon University in England mitgetragen; noch heute akkreditiert diese Universität die Studiengänge von Catalyst. Der bisherige Campus konnte laut Darstellung den experimentellen Charakter und die zunehmende Bedeutung kreativer Partnerschaften nicht mehr in gleicher Weise abbilden. Der neue Standort im Kalle ist damit als Skalierungsmaßnahme geplant: mehr Studios, mehr Projektdichte, mehr Möglichkeiten zur Kooperation – intern und im direkten Umfeld.

Auch regulatorisch und organisatorisch wird ein solcher Schritt relevant, sobald internationale Kohorten, Produktionsdaten und kooperationsbasierte Projekte zusammenkommen. Für Catalyst bedeutet das, Prozesse zur Datenklassifikation und zum Schutz von Arbeitsmaterialien aufzusetzen: Rohdaten aus Audio-Produktionen, Entwürfe in Drehbuchprojekten sowie Projektdateien aus dem Bereich VFX sind potenziell urheberrechtlich und personenbezogen sensibel. Dazu kommen Anforderungen an Informationssicherheit und Transparenz, insbesondere wenn Studentinnen und Studenten aus unterschiedlichen Ländern an Plattformen, Cloud-Services oder kollaborativen Repositories angebunden sind. In der EU ist dabei vor allem die DSGVO zu berücksichtigen, etwa bei der Verarbeitung von Kontaktdaten und bei der Aufbewahrung studienbezogener Ergebnisse.

Für den Markt bedeutet der neue Campus vor allem eines: Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass aus Lernprojekten schneller marktreife Prototypen werden, weil der „Feedback-Loop“ räumlich und organisatorisch kürzer wird. Die direkte Nähe zu Kultur- und Tech-Mietern im Kalle kann außerdem die Eintrittsbarrieren für Praktika und erste Auftragskontakte senken, etwa wenn Konzerte, Veranstaltungen oder Accelerator-Programme unmittelbar in Projektarbeiten hineinwirken. Für die Studierenden ist das ein Vorteil, weil sich Fähigkeiten wie Sounddesign, Drehbuchentwicklung und visuelle Effekte nicht nur in der Theorie vermitteln lassen, sondern in realitätsnahen Produktionsbedingungen. Für die Zukunft ist absehbar, dass Catalyst im Wintersemester 2026 verstärkt auf interdisziplinäre Teamformate setzen dürfte – als Reaktion darauf, wie sich Medienproduktion und KI-gestützte Kreativprozesse in Unternehmen weiter verzahnen.


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