LONDON (IT BOLTWISE) – Nur wenige Monate nach dem Ende der Startphase verhandelt XDOF offenbar eine Series B zu einer Bewertung von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen sammelt Teleoperation-Daten aus der echten Welt, um generische KI-Modelle für Robotik trainierbar zu machen. Im Fokus stehen Daten-Pipelines, Erfassungstools und Annotationen, die sich nach Ansicht der Gründer nicht einfach „nebenbei“ in jedem Labor aufbauen lassen. Die Konditionen der Finanzierungsrunde sind noch nicht final, während das Startup parallel Teams für Datenerhebung weltweit aufbauen will.

Die Robotik bekommt gerade etwas, das in KI-Debatten oft zu kurz kommt: einen belastbaren Datenpfad von der realen Welt bis ins Training. XDOF, ein Startup aus dem Umfeld von UC Berkeley, will genau diese Lücke schließen. Weniger als drei Monate nach dem Ende der „Stealth“-Phase befindet sich das Unternehmen offenbar in späten Gesprächen für eine Series B; als Orientierung dient eine Bewertung von etwa 1,2 Milliarden US-Dollar. Laut den Angaben aus dem Marktumfeld hängt die Wachstumsdynamik dabei nicht an einer einzelnen Modellidee, sondern an einer schnell skalierbaren Art, Trainingsdaten für Robotik zu erzeugen und zu kuratieren.
Technisch betrachtet liegt der Kernansatz in der Kombination zweier Datendomänen: Fernsteuerung (Teleoperation) und Erfassung durch Menschen vor Ort. XDOF baut Daten-Pipelines, Collection-Tools und Annotation-Systeme, die nach dem Selbstverständnis der Gründer jene „Daten-Lieferkette“ nachbilden sollen, die große KI-Labs nicht im gleichen Umfang aus dem Nichts replizieren können. Der Vergleich mit Scale AI oder Mercor wird in der Branche oft deshalb bemüht, weil es nicht um die nächste Modellarchitektur geht, sondern um den Betrieb und die Produktisierung von Datenaufbereitung für physische Systeme. Dass LLMs ursprünglich auf sehr breite Webkorpora zurückgreifen konnten, während Robotik-Modelle nicht auf ein „äquivalentes“ öffentlich verfügbares Real-World-Dataset zurückfallen können, verschiebt den Engpass klar Richtung Datenerhebung.
Historisch ist Teleoperation kein neues Konzept, aber die Herausforderung besteht seit jeher darin, ausreichend große Mengen hochwertiger, lernrelevanter Interaktionen zu sammeln. XDOF knüpft dabei an Forschungsarbeiten an: Philipp Wu (CEO) und Fred Shentu (CTO) gründeten das Unternehmen 2024 zusammen; beide hatten zuvor an UC Berkeley an Robotik-Themen geforscht. In einem Kontext aus dem Jahr 2024 beschrieb Wu das Forschungsproblem zugespitzt mit den Worten „large-scale data to work with“. Aus der Zusammenarbeit entstand ein Low-Cost-Teleoperationssystem namens GELLO, das darauf ausgelegt war, mit begrenzten Mitteln Remote-Steuerung für Trainingsdaten nutzbar zu machen – und in einer „einflussreichen“ Paper-Veröffentlichung im Robotik-Umfeld mündete. Genau diese Kette von Forschung zu operativ nutzbaren Daten-Workflows bildet nun das Fundament des Unternehmens.
Für die aktuelle Marktbewertung ist wichtig, wie schnell das Setup die Nachfrage bedienen kann. Als Indikator wird in den Verhandlungen eine annualisierte Umsatzrate von knapp 50 Millionen US-Dollar genannt. Gleichzeitig soll das Startup ursprünglich nicht so bald erneut Kapital aufnehmen; der interne Steuerungsimpuls kam demnach erst durch das schnelle Wachstum. Zwar wird in den Informationen auch erwähnt, dass die Gesamt- bzw. Endsumme der Series-B-Runde und die genaue Frage, ob die Bewertung die neue Finanzierung vollständig einschließt, noch nicht final geklärt ist. Ebenso bleibt offen, wie sich die Runde technisch in Instrumente und Rechte übersetzt – entscheidend ist aber, dass XDOF den Finanzierungsfokus auf skalierbaren Datenerwerb legt statt auf kurzfristige „Proof-of-Concept“-Experimente.
Mit dem Projekt ABC will XDOF zudem eine öffentlichkeitswirksame Datensammlung vorantreiben, die laut Unternehmen die größte Zusammenstellung hochwertiger Robotik-Trainingsdaten sein soll. Dafür wird Fernsteuerung mit menschlichen Sammlern kombiniert: Ein Teil der Daten entsteht, indem Roboter remote bedient werden; ein anderer Teil wird über Sammler gewonnen, die Sensoren tragen, um Alltagsaufgaben wie das Falten von Kleidung oder das Glätten und Stapeln von Kartons zu dokumentieren. Solche Aufgaben sind nicht nur „niederschwellig“ für die Datenerhebung, sondern auch lernrelevant, weil sie konsistente Bewegungsmuster, präzise Greif- und Platzierungsaktionen sowie wiederholbare Fehlerbilder abbilden. Ergänzend plant das Startup, weltweit Teams für die Datenerfassung aufzubauen und zu schulen – darunter Teleoperatoren, die Roboter aus der Ferne steuern, sowie sogenannte egocentric Operatoren, die mit Körpersensorik Bewegung und Kontext erfassen.
Der Wettbewerb in diesem Segment zeigt, dass Datenlieferketten gerade zur strategischen Währung werden. Neben XDOF versuchen mit Mecka AI ebenfalls Startups, reale Daten für Robotik-Training zu sammeln. Daneben expandieren Human-Data-Plattformen, die in der Vergangenheit vor allem bei textbasierten KI-Workflows dominierten, zunehmend in Bereiche jenseits von LLMs; genannt werden in dem Umfeld u. a. Scale AI und Micro1. Für Entscheider in Unternehmen ist die Frage weniger, „wer“ die beste Annotationstechnologie besitzt, sondern wer die komplette Pipeline vom Einsatz über die Datenerfassung bis zur Nutzbarkeit im Training so verlässlich betreibt, dass neue Projekte nicht bei der Datenerhebung stoppen. Wenn XDOF mit der geplanten Skalierung tatsächlich schneller und breiter Daten erzeugt, könnte das die Time-to-Training in der Robotik messbar verkürzen – und damit die Hürde senken, neue Robotik-Konzepte überhaupt in den Produktbetrieb zu bringen.
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