LONDON (IT BOLTWISE) – Die ZAK hat Google und Perplexity AI als Medienintermediäre eingestuft und damit KI-gestützte Suchfunktionen in den engen Rahmen des deutschen Medienstaatsvertrags gezogen. Bereits kurz zuvor hatte die Behörde festgestellt, dass die Systeme nicht als neutrale Vermittler auftreten. Für beide Anbieter entfallen damit Haftungsprivilegien im Sinne des Digital Services Act. Zugleich zeichnet sich ab, dass KI-gestützte Suche Verlage massiv unter Druck setzt – und neue Pflichten rund um Transparenz und Kennzeichnung bis in die Produktentwicklung hineinwirken.

ZAK stuft Google und Perplexity als Medienintermediäre ein – KI-Suche unter Aufsicht
ZAK stuft Google und Perplexity als Medienintermediäre ein – KI-Suche unter Aufsicht (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Entscheidung der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) zur KI-gestützten Suche von Google und zur KI-Antwortmaschine von Perplexity rückt eine alte Gewissheit im Suchmaschinenmarkt ins Wanken: Wer Inhalte lediglich „vermittelt“, unterliegt in der Regel anderen Regeln als ein System, das selbst als Inhalteanbieter auftritt. Genau diese Weichenstellung trifft die ZAK nun in Deutschland und ordnet beide Dienste als Medienintermediäre ein. Am 21. Juli 2026 wird der Schritt als Präzedenzfall beschrieben, weil er erstmals eine KI-Suchfunktion direkt den strengen Vorgaben des Medienstaatsvertrags unterstellt.

Ausgangspunkt ist die bereits am 14. Juli 2026 kommunizierte Einordnung der ZAK: Google AI Overviews und Perplexity AI agieren demnach nicht als neutrale Vermittler, sondern als aktive Inhalteanbieter. In der Praxis bedeutet diese Einstufung mehr als eine Etikettenfrage. Denn damit entfallen für beide Dienste laut Quelle die Haftungsprivilegien, die sich aus dem europäischen Digital Services Act (DSA) ergeben. Gleichzeitig macht die Behörde konkrete Kritikpunkte fest, die sich in zwei Richtungen auswirken: auf die geforderte Transparenz und auf das Diskriminierungsverbot. Bei Google lautet der Vorwurf, die Sichtbarkeit journalistischer Inhalte beeinträchtigt zu haben; bei Perplexity geht es um das Fehlen eines gesetzlich benannten Vertreters für Deutschland.

Damit verschiebt sich der Fokus für Anbieter von KI-Suche weg von rein algorithmischen Qualitätskennzahlen hin zu Compliance- und Governance-Fragen, die typischerweise in Rechts- und Public-Affairs-Teams landen. Google soll die rechtliche Überprüfung in die Wege leiten; die Einspruchsfrist beträgt einen Monat, wie in der Quelle genannt wird. Für die Engineering- und Produktseite ist das vor allem deswegen relevant, weil Transparenzpflichten häufig nicht mit einem einzelnen Toggle im Frontend zu erfüllen sind. Wenn ein KI-System Ergebnisse vorstrukturiert oder in komprimierter Form als „Antwort“ bereitstellt, müssen Nachvollziehbarkeit, Quellenbezug und die konkrete Ausgestaltung von Ranking- und Präsentationslogiken so dokumentiert und gesteuert werden, dass sie sich regulatorisch vertreten lassen. Neben der technischen Frage, wie Modelle auf Inhalte zugreifen und diese gewichten, wird auch die Frage entscheidend, wie Änderungen an Prompting, Retrieval oder Ranking künftig getestet und protokolliert werden.

Für Verlage ist die Timing-Komponente besonders spürbar. Laut Quelle verändert die Integration von KI in Suchmaschinen das Surfverhalten in Richtung sogenannter Zero-Click-Suchen: Nutzer erhalten Antworten direkt auf der Ergebnisseite und besuchen demnach weniger externe Websites. Gleichzeitig nennt die Quelle teils drastische Größenordnungen: Klickraten für Top-Websites seien um rund 58 Prozent eingebrochen; Nachrichtenverlage verzeichnen Traffic-Verluste zwischen 50 und 60 Prozent. Besonders betroffen seien Anleitungsinhalte mit Rückgängen von 35 bis 45 Prozent. Diese Zahlen sind nicht nur ein Marktindikator, sondern auch ein struktureller Hinweis darauf, dass sich Geschäftsmodelle verschieben: Wer weniger Traffic erhält, verhandelt anders über Werbeinventar, aber auch Affiliate-Erlöse geraten unter Druck. In der Quelle werden außerdem Werbeeinbußen von 40 bis 70 Prozent und ähnliche Einbrüche bei Affiliate-Einnahmen genannt, was die Dringlichkeit erhöht, um Gegenmaßnahmen nicht nur rechtlich, sondern auch in Distribution und Produkt zu adressieren.

Die ZAK-Entscheidung ordnet sich zugleich in eine breitere europäische Wettbewerbspolitik ein, die Tech-Plattformen adressiert, sobald sie Marktzugang kontrollieren. Am 16. Juli 2026 beschreibt die Quelle zwei Beschlüsse der EU-Kommission auf Basis des Digital Markets Act (DMA), die den Wettbewerb bei KI-Assistenten und Suchdiensten stärken sollen. Für Google bedeutet das künftig, elf zentrale Android-Funktionen für konkurrierende KI-Assistenten zu öffnen – genannt werden unter anderem der Home-Button, die Sprachaktivierung per „Hotword“ sowie der Zugriff auf Google-Apps. Die Umsetzung soll gestaffelt erfolgen, mit Zeitpunkten bis zu Android 18 und Android 19 (jeweils bis August der Folgejahre) sowie zusätzlich der Verpflichtung, bereits ab Januar 2027 anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen. Die Quelle verweist dabei auch auf das Argumentationsmuster, dass Datenschutzrisiken zu beachten seien, während die Kommission auf den Marktanteil von 90 Prozent im europäischen Suchmaschinenmarkt verweist. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein doppelter Effekt: Sie können Zugang zu Funktionen und Daten gewinnen, müssen aber parallel mit neuen Formen von Kompatibilität, Schnittstellenstabilität und Produktverantwortung umgehen.

Parallel dazu rollt eine zweite Regulierungswelle, die für KI-Produkte im Alltag besonders sichtbar wird: Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte. Die Quelle nennt Leitlinien der EU-Kommission zu KI-Kennzeichnung gemäß Artikel 50 des AI Act, wonach Anbieter ab dem 2. August 2026 KI-generierte Inhalte mit Wasserzeichen oder Metadaten versehen müssen; Ausnahmen gelten für redaktionell geprüfte Inhalte. Verstöße können laut Quelle mit Bußgeldern bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des globalen Jahresumsatzes sanktioniert werden, bei bestehenden Systemen mit Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Das erhöht den Druck, KI-Content-Pipelines so zu gestalten, dass Herkunft und Generierung nachweisbar werden. Für die Nachrichten- und Medienbranche kommt zudem ein weiterer Spannungsbogen hinzu: Die Quelle erwähnt, dass Google seit April 2026 Hinweise anzeigt, wenn Rezensionen zu Restaurants oder Hotels wegen Verleumdung gelöscht wurden, und dass in Stichproben bis zu 30 Prozent der Betriebe in deutschen Großstädten betroffen seien. Verbraucherschützer warnen zugleich vor Missbrauchsmöglichkeiten und intransparenten Löschverfahren. In der Summe zeigt sich: Die Einstufung als Medienintermediär ist kein isolierter Rechtsakt, sondern ein Katalysator, der Transparenz, Wettbewerb und Kennzeichnung entlang der gesamten KI-Produktkette verbindet.

Für Verantwortliche in IT und Recht lautet die praktische Leitfrage deshalb nicht nur „Welche Vorschrift gilt?“, sondern „Wie wird KI-Funktionalität in verteilten Systemen eindeutig beherrschbar?“ Dazu zählen technische Maßnahmen wie nachvollziehbare Dokumentation von Quellenbezug, kontrollierte Änderungen an Ranking- und Antwortlogiken, die Pflege eines belastbaren Audit-Trails sowie klare Ansprechpartner für regulatorische Zuständigkeiten. Gleichzeitig benötigen Produktteams eine Strategie für den Umgang mit weniger „neutralen“ Rollenwahrnehmungen: Wenn das KI-System als Inhalteanbieter betrachtet werden kann, verschiebt sich die Erwartung an die Gestaltung der Nutzeroberfläche, die Herkunftsangaben und die Art, wie Abweichungen oder Löschungen kommuniziert werden. In diesem Umfeld wird der Wettbewerb weniger darüber entschieden, wer KI „schnell genug“ integriert, sondern wer die daraus entstehende Kettenwirkung in Richtung Haftung, Wettbewerb und Transparenz tatsächlich operationalisieren kann.


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