MONTABAUR / LONDON (IT BOLTWISE) – 1&1 hat für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 2.269,7 Mio. EUR gemeldet und die Prognose für 2026 einschließlich der Erwartungen bis 2028 bestätigt. Der Vertragsbestand ging um 140.000 Verträge zurück, vor allem wegen der Neuausrichtung des Discount-Tarifportfolios Anfang April. Gleichzeitig stieg die Zahl der Breitband-Verträge auf 3,85 Mio., während das EBITDA um 5,1 % auf 382,7 Mio. EUR zulegte. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Service-Umsatz auf Vorjahresniveau und einem EBITDA in der Größenordnung von 800 Mio. EUR.

Im ersten Halbjahr 2026 zeigt sich bei 1&1 ein Bild, das man in der Telekommunikationsbranche selten in dieser Klarheit sieht: Während der Konzernumsatz steigt und das EBITDA zulegt, schrumpft der Vertragsbestand. Genau diese Kombination prägt die aktuelle Unternehmenskommunikation besonders, weil sie direkt an die strategische Neuausrichtung Anfang April anknüpft. Für Investoren und Managementteams ist das vor allem deshalb relevant, weil Vertragszahlen bei Mobilfunkanbietern meist als Frühindikator für zukünftige Umsätze gelten – 1&1 liefert hier jedoch den Hinweis, dass der Rückgang nicht aus einer grundlegenden Nachfragekrise kommt, sondern aus einer bewusst vorgenommenen Preis- und Datenpolitik.
Konkret beziffert 1&1 den Rückgang im Vertragsbestand im ersten Halbjahr 2026 auf -140.000 Verträge. Laut Mitteilung geht dies vor allem auf Mobile-Internet-Verträge zurück, deren Entwicklung mit rund 150.000 weniger Verträgen im Halbjahr sichtbar wird; im April allein seien etwa 100.000 Mobilfunkverträge weggefallen. Als Ursache nennt 1&1 die Neuausrichtung des Discount-Tarifportfolios: Das Unternehmen habe die Vermarktung besonders niedrigpreisiger Tarife gestoppt und bei leistungsstärkeren Tarifen die inkludierten Datenvolumina reduziert. Damit verschiebt sich der Fokus von reiner Kundenzahl hin zu einem Mix, der wirtschaftlich stärker sein soll – ein typischer Hebel, wenn ein Anbieter nicht nur Kunden gewinnen, sondern vor allem die Ertragsqualität pro Anschluss verbessern will.
Im Festnetz dagegen läuft die Entwicklung gegenläufig. Die Zahl der Breitband-Verträge erhöhte sich im ersten Halbjahr 2026 um 10.000 auf insgesamt 3,85 Mio. Anschlüsse. Auch auf der Umsatzseite liefert 1&1 dafür eine passende Begründungslogik: Die Umsatzerlöse stiegen um 1,6 % auf 2.269,7 Mio. EUR. Der Service-Umsatz blieb zwar knapp unter dem Vorjahr, fiel aber nur leicht um 1,1 % auf 1.804,9 Mio. EUR. Diese Trennung ist wichtig für die Interpretation: Service-Umsatz steht in vielen Telekom- und Mediengeschäftsmodellen stärker für wiederkehrende Einnahmen und langfristige Kundenbindung, während der Gesamtumsatz auch durch andere Positionen beeinflusst werden kann. Das EBITDA zeigt schließlich die gewünschte Ergebnisrichtung – es stieg um 5,1 % auf 382,7 Mio. EUR.
Technisch und ergebnisrechnerisch lässt sich der Ergebniszuwachs bei 1&1 nicht nur über operative Effekte erklären. Das EBIT erhöhte sich um 61,1 % auf 111,3 Mio. EUR, und als Treiber nennt das Unternehmen insbesondere gesunkene Abschreibungen. Gestiegenen Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen stehen dabei niedrigere PPA-Abschreibungen gegenüber. Für das Verständnis lohnt hier ein Blick auf die Logik dahinter: Abschreibungen wirken nicht wie ein kurzfristiger Cash-Flow, sondern spiegeln Bewertungs- und Kaufpreislogiken aus vergangenen Akquisitionen sowie den linearen Verbrauch von aktivierten Werten wider. Wenn sich solche Effekte über die Zeit verschieben, kann das EBIT deutlich stärker wachsen als das EBITDA – und genau das sieht man in den Zahlen. Zusätzlich steigt das Ergebnis je Aktie (EPS) auf 0,17 EUR nach 0,04 EUR im ersten Halbjahr 2025.
Auch segmentbezogen wird die unterschiedliche Strategie im Konzern sichtbar. Während das EBITDA im Segment Consumer & Small Business um -5,6 % auf 391,3 Mio. EUR zurückging, verbesserte sich das EBITDA im Segment Enterprises & Networks deutlich, auf -8,6 Mio. EUR nach -50,3 Mio. EUR im Vorjahr (jeweils inklusive 1&1 Versatel auf vergleichbarer Basis). Das passt zur Systematik, die viele Netzbetreiber verfolgen: Im Consumer-Bereich muss der Anbieter häufig stärker gegen Preisdruck arbeiten, etwa durch Tarifrestrukturierung und bessere Margen pro Anschluss. Im Unternehmens-Umfeld können dagegen Effekte aus Auslastung, Projekten und Rahmenbedingungen stärker über Ergebnisbeiträge wirken. Dazu kommt die Investitionsseite: Die Cash-CAPEX lagen im ersten Halbjahr 2026 bei 220,0 Mio. EUR, nach 266,9 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum, was auf eine Anpassung des Investitionsrhythmus hindeutet.
Für 2026 hält 1&1 die Richtung der Ergebnisverbesserung konsequent fest. Die Gesellschaft erwartet einen Service-Umsatz auf Vorjahresniveau: 2025 (inklusive 1&1 Versatel) waren es 3.661,8 Mio. EUR. Beim EBITDA zielt das Unternehmen auf rund 800 Mio. EUR, nach 689 Mio. EUR im Vorjahr. Gleichzeitig soll das Investitionsvolumen (Cash-Capex) zwischen 500 und 550 Mio. EUR liegen – gegenüber 652 Mio. EUR im Jahr 2025. Für 2027 und 2028 erwartet 1&1 ein jährliches operatives EBITDA-Wachstum von ca. 100 Mio. EUR und ein Cash-Capex-Niveau wie 2026. In der Praxis bedeutet das: Der Anbieter versucht, die Balance zwischen Investitionsdisziplin und Ergebnishebeln zu stabilisieren, während die Vertragsentwicklung im Mobilfunk nicht zwingend linear mit dem Ergebnis folgen muss.
Für die Branche ist dabei weniger die kurzfristige Bilanz entscheidend als die Signalwirkung für die nächsten strategischen Schritte. Wenn ein Netzbetreiber nach einer Tarif-Neuausrichtung sinkende Vertragszahlen meldet, aber parallel Umsatz und EBITDA stabilisiert, entsteht ein klarer Erwartungsrahmen: Das Management setzt auf Qualität statt Menge und versucht, die Kostenstruktur sowie die Erlöslogik in den Kernbereichen zu verbessern. Gleichzeitig bleibt relevant, wie sich diese Strategie mit dem laufenden Netzausbau und der Modernisierung von Infrastruktur zusammensetzt, etwa in Richtung cloud-basierter Funk- und Festnetzintegration. Gerade im Kontext, dass 1&1 in seiner Selbstdarstellung auf ein virtualisiertes, cloud-basiertes 5G-Mobilfunknetz auf Basis von Open-RAN verweist, wird deutlich, warum der Investitionspfad und die Abschreibungsdynamik so eng miteinander verbunden sind: Produktivbetrieb, Virtualisierung und Netzbetrieb erfordern Planungssicherheit, und die Ergebnisentwicklung dient dabei als Übersetzung zwischen Technik und Finanzen.
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