KIEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die zunehmende Menge an Weltraumschrott stellt eine erhebliche Bedrohung für den sicheren Betrieb von Satelliten und zukünftige Raketenstarts dar. Ein EU-Projekt entwickelt eine innovative Methode zur kontaktlosen Beseitigung von Trümmern im All, die auf der Impulsübertragung durch einen Plasmastrahl basiert.

Die stetig wachsende Menge an Weltraumschrott stellt eine der größten Herausforderungen für die Raumfahrtindustrie dar. Mit über 36.000 Objekten, die größer als zehn Zentimeter sind, und mehr als 130 Millionen kleineren Teilen, besteht ein hohes Risiko für Kollisionen mit Satelliten und Raumfahrzeugen. Um dieser Bedrohung zu begegnen, werden weltweit verschiedene Methoden zur Beseitigung von Trümmern erforscht.
Ein besonders vielversprechender Ansatz ist die Ionenstrahl-Shepherd-Methode, die im Rahmen des EU-Projekts ALBATOR entwickelt wird. Diese Methode nutzt einen Plasmastrahl aus hochenergetischen Teilchen, um die Bahn und Eigenbewegung von Weltraumschrott gezielt zu verändern. Anders als bei kontaktbasierten Systemen, die aufgrund der unvorhersehbaren Bewegung der Trümmerteile als komplex gelten, erfolgt dieser Ansatz berührungslos.
Das Projekt ALBATOR, an dem unter anderem die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel beteiligt ist, zielt darauf ab, ein neuartiges Plasmastrahlsystem zu entwickeln. Dieses System soll den Schrott entweder zum kontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bringen, wo er verglüht, oder ihn in einen sogenannten “Friedhofsorbit” überführen. Die Forscherinnen und Forscher arbeiten an der Optimierung des Systems und der Entwicklung von Modellen zur Simulation der Plasmaentladung und der Wechselwirkung des Strahls mit Oberflächen.
Ein entscheidender Aspekt des Projekts ist die präzise Ausrichtung des Ionenstrahls auf den Weltraumschrott. Hierbei spielt die Expertise der CAU in Strahl-Oberflächen-Wechselwirkungen eine zentrale Rolle. Mit einer in Kiel entwickelten Kraftsonde wird gemessen, wie stark Ionenstrahlen auf verschiedene Materialien wirken. Ergänzend dazu liefern Computersimulationen weitere Daten, die helfen, die komplexen Prozesse besser zu verstehen.
Das Projekt wird im Rahmen des HORIZON-EIC Pathfinder Challenge Programms über 42 Monate mit rund vier Millionen Euro gefördert. Diese Unterstützung ermöglicht es, visionäre und risikoreiche Projekte in einem frühen Entwicklungsstadium zu fördern, die das Potenzial haben, radikal neue Technologien und Märkte zu schaffen. Dr. Thomas Trottenberg, Projektleiter der CAU, betont die Bedeutung der aktiven Beseitigung von Weltraumschrott, um den Weltraum langfristig sicher nutzen zu können.
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