HANGZHOU / LONDON (IT BOLTWISE) – Alibaba will ein neues KI-Modell mit 5 bis 10 Billionen Parametern trainieren. Auf der Apsara-Konferenz kündigt der Konzern außerdem die nächste Qwen-Generation an und verknüpft das Vorhaben mit eigener Chip- und Datenzentrums-Infrastruktur. Parallel läuft bereits Qwen 4 im Training, während Qwen 4.5 und die Qwen-5-Reihe auf deutlich größere Parameterbereiche skalieren sollen. Für die kommenden Jahre bleibt aber eine harte Frage offen: Ob die AI-Data-Center-Lieferkette schnell genug mitwächst.

Alibaba plant KI-Modell mit 5–10 Billionen Parametern und neuen Chip
Alibaba plant KI-Modell mit 5–10 Billionen Parametern und neuen Chip (Foto: IT BOLTWISE)
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Alibaba treibt die Skalierung seiner KI-Systeme konsequent in den Bereich vor, in dem Training und Inferenz nicht mehr nur „größer“, sondern strukturell anspruchsvoller werden. Als Ziel nennt das Unternehmen einen neuen Modellumfang von 5 bis 10 Billionen Parametern. Die Größenordnung ist mehr als ein Marketingwert: Parameter dienen als grober Maßstab für die Modellkapazität, also dafür, wie viele lernbare Werte das System während des Trainings anpasst. Dass Alibaba das Ganze mit einer eigenen Modellfamilie (Qwen) und eigener Rechenhardware verknüpft, zeigt außerdem, wie sehr es um die gesamte Wertschöpfungskette geht – von der Datenoptimierung bis zum Betrieb großer Cluster.

Technisch ordnet sich das Vorhaben in eine Phase ein, in der Modellarchitekturen und Trainingspipelines immer stärker auf längere Kontextfenster und komplexere Aufgaben optimiert werden. Laut Angaben aus dem Umfeld des Qwen-Teams wird an Modellarchitektur und Datenoptimierung gearbeitet, mit dem Fokus auf „komplexere, stärker in den Horizont reichende Aufgaben“. Parallel befindet sich Qwen 4 laut Unternehmensangaben derzeit im Training; zudem sollen Qwen 4.5 und die Qwen-5-Serie auf 5 bis 10 Billionen Parameter skalieren. Als Vergleich nennt Alibaba sein aktuelles Flaggschiff Qwen 3.8 Max mit 2,4 Billionen Parametern – damit läge der geplante Sprung grob bei zwei bis vierfacher Modellgröße. In der Praxis bedeutet das: mehr Rechenzeit, mehr Speicherbedarf und neue Kompromisse bei Speicherauslastung, Modellparallelisierung und I/O zwischen Training und Datenpipelines.

Damit das nicht nur auf dem Papier funktioniert, betont Alibaba den eigenen Infrastruktur-Unterbau. CEO Eddie Wu verweist darauf, dass das firmeneigene „M890“-AI-Supernode bereits die Inferenz für Modelle oberhalb von 2 Billionen Parametern übernimmt – eine Fähigkeit, die er als weltweit nur bei wenigen Unternehmen vorhanden beschreibt. Dazu passt auch die Idee eines „rekursiven selbstverbessernden“ Ansatzes, bei dem Modelle eigene Grenzen erkennen, Experimente entwerfen und Daten synthetisieren, um einen Zyklus der Selbst-evolution anzustoßen. Solche Schleifen sind in der Forschung seit Jahren ein Thema, werden aber im großen Betrieb besonders dann relevant, wenn ein Unternehmen eigene Datenaufbereitung, Qualitätsmessung und Evaluation orchestrieren kann, statt sich allein auf externe Benchmarks und manuelle Tuning-Zyklen zu verlassen.

Herzstück dieser Wachstumsstrategie ist aber nicht nur Software, sondern ein neuer Beschleuniger: Alibaba stellte mit „Zhenwu V900“ einen nächsten KI-Chip aus der T-Head-Hardwareeinheit vor. Wu bezeichnete den Chip als den leistungsfähigsten KI-Beschleuniger in China, und nennt als Leistungsanker das Dreifache gegenüber dem Vorgänger M890. Entscheidend ist die Skalierbarkeit innerhalb eines Clusters: Laut Unternehmensangaben kann eine einzelne Cluster-Installation bis zu 500.000 Karten für Training und Inferenz von „Frontier“-Modellen unterstützen. Gleichzeitig plant der Konzern die Serienfertigung sowie die kommerzielle Verfügbarkeit für das erste Quartal 2027; der M890 war im Mai eingeführt worden. Solche Zeitpläne sind für Cloud-Anbieter besonders relevant, weil sie die Hardware-Roadmap direkt mit der Service-Planung für Kundenszenarien koppeln – und damit auch die Kostenkurve über mehrere Quartale hinweg prägen.

Parallel adressiert Alibaba den Flaschenhals, der in dieser Phase fast alle KI-Cloud-Vorhaben bremst: Rechenzentren und die zugehörige Lieferkette. Wu nennt als Ziel, die globale Datenzentrumsleistung von Alibaba Cloud bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt auszubauen. Er spricht dabei von „außergewöhnlich robuster“ Kundennachfrage, die das Wachstum der Alibaba-Cloud-Umsätze weiter beschleunigt. Gleichzeitig räumt er ein, dass globale Engpässe in der Supply Chain für KI-Rechenzentren die Expansion in der gewünschten Geschwindigkeit begrenzen. Konkret kündigt Alibaba an, in dieser Quartalsperiode damit zu beginnen, „AI Supernodes“ im kommerziellen Maßstab in Betrieb zu nehmen – ein Signal, dass die nächsten Kapazitätsausbaustufen zwar geplant sind, aber vom tatsächlichen Material- und Integrationsdurchsatz abhängen.

Der Schritt kommt zudem in einem geopolitisch geprägten Wettbewerb an: Chinesische Anbieter rüsten verstärkt eigene Plattformen auf, um bei Exportbeschränkungen für Prozessoren weniger abhängig zu sein. Vor diesem Hintergrund wirkt Alibabas Ansatz wie ein Versuch, nicht nur Modelle zu trainieren, sondern auch die Abhängigkeit von externen Chips zu reduzieren und die Systemkosten besser kalkulierbar zu machen. Auch der Verweis auf „Machine Intelligence“ im Stil einer industriegeschichtlichen Analogie zielt auf mehr als Zukunftslyrik: Wenn KI künftig Aufgaben in Größenordnungen über menschliche „Denkleistung“ hinaus automatisiert, müssen die darunterliegenden Systeme schnell genug iterieren, um die Nachfrage nach Trainings- und Inferenzkapazitäten nicht nur zu bedienen, sondern zu überholen.

Für Unternehmen, die mit KI-Services planen, verschiebt diese Entwicklung den Fokus: Es geht weniger nur um die Frage, wie groß ein Modell ist, sondern darum, welche Ende-zu-Ende-Fähigkeiten die Plattform in der Praxis bereitstellt. Die Kombination aus Qwen-Scaling, Inferenzfähigkeiten auf eigenen Supernodes und einem klaren Chip-Upgrade-Pfad kann Cloud-Nutzern Vorteile bei Latenz, Verfügbarkeit und Preisstabilität bringen – sofern die Rechenzentrums-Expansion und die Hardwareverfügbarkeit mitspielen. In jedem Fall wird 2027 als Zielmarke für Zhenwu V900 eine Art Benchmark: Wer ab dann dauerhaft „Frontier“-Workloads in großem Maßstab anbieten kann, entscheidet über den Wettbewerbsvorteil im nächsten Ausbauzyklus.


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