BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Immer mehr Menschen nutzen Künstliche Intelligenz als Ersatz für traditionelle Suchmaschinen. Doch die Ergebnisse sind oft fehlerhaft und unzuverlässig. Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast die Hälfte der Antworten von KI-gestützten Chatbots signifikante Fehler aufweist.

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) als Suchmaschine hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, insbesondere unter jüngeren Nutzern. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass die Hälfte der Befragten zumindest gelegentlich KI-basierte Chatbots wie ChatGPT oder Perplexity verwendet. Fünf Prozent nutzen sie sogar ausschließlich. Diese Entwicklung wirft jedoch erhebliche Fragen zur Zuverlässigkeit und Genauigkeit der bereitgestellten Informationen auf.
Eine Untersuchung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) hat ergeben, dass 45 Prozent der Antworten von beliebten Chatbots signifikante Fehler enthalten. Diese Fehler betreffen die Genauigkeit, Quellenangaben, den Kontext oder die Unterscheidung zwischen Tatsachen und Meinungen. Die Zuverlässigkeit der KI-Tools wurde systematisch von 68 öffentlich-rechtlichen Sendern aus 56 Ländern geprüft. Dabei zeigte sich, dass ChatGPT zu 51,5 Prozent, Copilot zu 45,4 Prozent, Gemini zu 50 Prozent und Perplexity zu 45,7 Prozent wesentliche Fehler oder Ungenauigkeiten aufwiesen.
Die Probleme entstehen aus verschiedenen Gründen. KI-Modelle basieren auf großen Textmengen und berechnen, welche Wörter am wahrscheinlichsten zusammengehören. Dies führt zu sogenannten Halluzinationen, bei denen die KI statistisch plausible, aber inhaltlich falsche Aussagen generiert. Zudem sind die Modelle oft mit älteren Texten gefüttert, was bei aktuellen Themen zu veralteten Informationen führt. Ein weiteres Problem ist die Übernahme von Falschinformationen aus dem Internet, die ungefiltert in die Antworten einfließen können.
Ein Teufelskreis entsteht, wenn KI-Modelle auf Quellen zugreifen, die selbst von KI generiert wurden. Eine Analyse von Originality.ai zeigt, dass über zehn Prozent der von der Google-KI verwendeten Quellen KI-generiert sind. Auch Wikipedia greift zunehmend auf KI-generierte Inhalte zurück, was die Qualität und Zuverlässigkeit der Informationen weiter beeinträchtigt. Trotz dieser Herausforderungen arbeiten Tech-Konzerne kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Modelle. Google hat kürzlich sein neues Modell Gemini 3 vorgestellt, das intelligenter und fortschrittlicher sein soll, während OpenAI ein Update für GPT-5 veröffentlicht hat.
Die Unterschiede zwischen KI-gestützten Suchmaschinen und traditionellen Suchmaschinen wie Google oder Bing sind erheblich. Während KI ein breiteres Netz auswirft und Informationen aus einer vielfältigeren Auswahl von Websites bezieht, gehören die verwendeten Links oft nicht zu den Top-Suchergebnissen. Forscher der Ruhr-Universität Bochum und des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme haben festgestellt, dass die von KI gelieferten Antworten nicht unbedingt umfassender sind, obwohl sie mehr Quellen nutzen. Dies führt dazu, dass Nutzer zwar eine zusammengefasste Antwort erhalten, aber die zuverlässigen Quellen und konsistenten Ergebnisse verlieren.
Experten fordern daher neue Benchmarks und Standards, um die von KI gelieferten Antworten angemessen bewerten zu können. Die EBU empfiehlt, den Chatbots niemals blind zu vertrauen und die Informationen immer noch einmal zu prüfen, etwa bei etablierten Medien. Katharina Zweig, Professorin für Informatik, geht noch weiter und rät, KI-Modelle nicht als Suchmaschinen zu verwenden. Sie betont, dass Sprachmodelle keine Wissensdatenbank zur Verfügung haben und besser für kreative Prozesse geeignet sind, bei denen kein Schaden entsteht.
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