LONDON (IT BOLTWISE) – Die Ernährung von Astronauten auf Langzeitmissionen stellt eine große Herausforderung dar. Eine innovative Methode zur Proteinproduktion könnte die Lösung bieten. Solar Foods und die Europäische Weltraumorganisation arbeiten an einem Projekt, das die Herstellung von Proteinpulver im All ermöglichen soll.

Die Versorgung von Astronauten mit Nahrungsmitteln auf Langzeitmissionen, wie etwa einer Reise zum Mars, stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Da es auf dem roten Planeten keine Supermärkte gibt und Nachschub von der Erde Monate entfernt ist, müssen Astronauten in der Lage sein, ihre eigene Nahrung in einer unwirtlichen Umgebung zu produzieren. Eine vielversprechende Lösung könnte die Herstellung von Protein aus der Luft sein, ein Projekt, das von der Europäischen Weltraumorganisation und dem Unternehmen Solar Foods vorangetrieben wird.
Solar Foods, ein Unternehmen, das aus einem wissenschaftlichen Forschungsprogramm hervorgegangen ist, hat bereits auf der Erde eine Methode entwickelt, um Proteinpulver namens Solein herzustellen. Dieses Verfahren basiert auf der Gasfermentation, bei der Bakterien in einem Bioreaktor mit Wasser, Luft und Nährstoffen gezüchtet werden. Diese Bakterien werden dann getrocknet und zu einem Proteinpulver verarbeitet, das für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Der nächste Schritt besteht darin, die Produktion von Solein unter den Bedingungen der Mikrogravitation auf der Internationalen Raumstation zu testen.
Die Herausforderungen bei der Produktion von Solein im Weltraum sind vielfältig. Die Schwerelosigkeit verändert das Verhalten von Flüssigkeiten und Gasen erheblich, was die Bedingungen im Bioreaktor beeinflusst. Zudem ist der Platz auf der Raumstation begrenzt, was bedeutet, dass der Bioreaktor deutlich kleiner sein muss als die 20.000-Liter-Reaktoren, die auf der Erde verwendet werden. Sicherheitsmaßnahmen, Prozessüberwachung und Qualitätssicherung müssen ebenfalls angepasst werden, da keine Bioprozessingenieure an Bord sind, um den Prozess zu überwachen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anpassung der Zutaten an die im Weltraum verfügbaren Ressourcen. Recycling spielt dabei eine entscheidende Rolle. So könnte beispielsweise das Kohlendioxid aus der Atmung der Crew und der Wasserstoff, der bei der Elektrolyse von Wasser entsteht, genutzt werden. Auch die Verwendung von synthetischem Harnstoff anstelle von Ammoniak wird in Betracht gezogen, um potenzielle Gefahren bei einem Unfall zu minimieren. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte Solein eine nachhaltige und platzsparende Lösung für die Ernährung von Astronauten auf Langzeitmissionen bieten.
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