TAMPA / LONDON (IT BOLTWISE) – Das kalifornische Startup Aetherflux plant, sein erstes orbitales Rechenzentrum in den Weltraum zu bringen. Mit dem Ziel, die Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz zu erweitern, wird das Unternehmen 2027 seinen ersten Knotenpunkt im niedrigen Erdorbit starten. Diese Initiative könnte die Art und Weise, wie Energie und Rechenleistung bereitgestellt werden, grundlegend verändern.

Das kalifornische Startup Aetherflux hat angekündigt, in den aufstrebenden Markt für orbitale Rechenzentren einzusteigen. Damit reiht sich das Unternehmen neben Schwergewichten wie SpaceX und Amazon ein, die ebenfalls daran arbeiten, energieintensive KI-Berechnungen von der Erde in den Weltraum zu verlagern. Aetherflux plant, im ersten Quartal 2027 seinen ersten Knotenpunkt namens ‘Galactic Brain’ im niedrigen Erdorbit zu platzieren. Weitere Satelliten sollen folgen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern.
Der Knotenpunkt von Aetherflux wird kontinuierliche Sonnenenergie und Strahlungskühlung nutzen, um eine hochdichte Verarbeitung im Weltraum zu ermöglichen. Laut einem Unternehmenssprecher wird der Knotenpunkt optische Inter-Satelliten-Verbindungen und neue Relaisnetzwerke nutzen, um eine Verfügbarkeit zu gewährleisten, die mit terrestrischen Servern vergleichbar ist. Diese Technologie basiert auf den Kernkompetenzen von Aetherflux in den Bereichen weltraumgestützte Lasersysteme, präzises Targeting und effizientes Energiemanagement.
Im nächsten Jahr plant Aetherflux, einen kleinen Satelliten von Kalifornien aus zu starten, der Energie drahtlos aus dem niedrigen Erdorbit zur Erde überträgt, indem er Infrarotlaser verwendet. Diese Methode unterscheidet sich von traditionellen Konzepten der weltraumgestützten Solarenergie, die auf massive geostationäre Plattformen setzen, um Energie mittels Mikrowellen zu übertragen.
Im April sammelte Aetherflux in einer Series-A-Finanzierungsrunde 50 Millionen US-Dollar ein, um die Entwicklung seiner SBSP-Konstellation zu unterstützen. Diese Technologie weckt bereits Interesse beim Militär, das in abgelegenen oder umkämpften Gebieten Energie bereitstellen möchte. Das US-Verteidigungsministerium hat dem Unternehmen Mittel für eine Machbarkeitsstudie zur Energieübertragung aus dem niedrigen Erdorbit bereitgestellt.
Der Gründer und CEO von Aetherflux, Baiju Bhatt, betont, dass der Wettlauf um die allgemeine Künstliche Intelligenz im Wesentlichen ein Wettlauf um Rechenkapazität und damit um Energie ist. Er sieht in ‘Galactic Brain’ eine Möglichkeit, Sonnenlicht direkt neben die Siliziumchips zu bringen und so das Stromnetz zu umgehen. Diese Ankündigung erfolgt inmitten eines breiteren Trends hin zu orbitalem Computing, um die Einschränkungen der terrestrischen Energieversorgung zu überwinden und den steigenden Energiebedarf der KI zu decken.
Auch andere Unternehmen sind in diesem Bereich aktiv. Das US-Startup Starcloud hat kürzlich einen kleinen Satelliten mit einem NVIDIA-Prozessor gestartet, um KI-Modelle im Orbit auszuführen. China hat mit dem Aufbau einer vorgeschlagenen 2.800-Satelliten-Konstellation für großflächiges orbitales Computing begonnen. SpaceX-CEO Elon Musk hat angekündigt, dass die kommenden Starlink V3-Satelliten zu orbitierenden Rechenzentren ausgebaut werden könnten, sobald das Starship einsatzbereit ist. Jeff Bezos von Amazon prognostiziert, dass in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab im Weltraum eingesetzt werden.
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