BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die jüngste NIS-Investitionsstudie zeigt, dass EU-Organisationen ihre Cybersecurity-Budgets zunehmend in Technologien und ausgelagerte Dienste investieren. Diese Verschiebung spiegelt die Herausforderungen wider, die durch den Fachkräftemangel und die Anforderungen der NIS2-Richtlinie entstehen.

Die sechste Ausgabe des NIS-Investitionsberichts zeigt eine signifikante Veränderung in der Art und Weise, wie Organisationen in der Europäischen Union ihre Cybersecurity-Budgets verteilen. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von der Personalaufstockung hin zu Investitionen in Technologien und ausgelagerte Dienstleistungen. Diese Entwicklung wird durch die Ergebnisse der jährlichen Umfrage der Europäischen Agentur für Cybersicherheit (ENISA) untermauert, die untersucht, wie sich die EU-Cybersicherheitspolitik, insbesondere die NIS2-Richtlinie, in der Praxis auswirkt.
Juhan Lepassaar, der Exekutivdirektor von ENISA, betonte die Bedeutung der Studie: „Die NIS-Investitionsstudie liefert zentrale Einblicke, die ENISA dabei unterstützen, die EU-Mitgliedstaaten beim Aufbau von Cyber-Resilienz in kritischen Sektoren zu unterstützen.“ Die Umfrage des letzten Jahres umfasste 1.080 öffentliche und private Organisationen aus allen EU-Mitgliedstaaten, wobei die Stichprobe Sektoren repräsentierte, die unter der NIS2-Richtlinie als hochkritisch gelten.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesamtinvestitionen in die Cybersicherheit im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben sind und durchschnittlich 9 % der IT-Budgets ausmachen, mit einem Median von 1,5 Millionen Euro. Dennoch ist ein klarer Trend zu erkennen: Organisationen investieren weniger in die Erweiterung interner Cybersicherheitsteams und mehr in technologische Lösungen und externe Dienstleistungen. Diese Verschiebung ist eine der zentralen Tendenzen des Berichts.
Ein anhaltender Fachkräftemangel stellt eine große Herausforderung für die EU dar. Organisationen berichten von Schwierigkeiten bei der Anwerbung (76 %) und Bindung (71 %) von Cybersicherheitsexperten. Hohe Fluktuation, begrenzte Verfügbarkeit von Talenten und ein wettbewerbsintensiver Arbeitsmarkt verschärfen das Problem, was Unternehmen dazu veranlasst, ihre Personalmodelle zu überdenken und vermehrt auf externe Unterstützung zu setzen.
Compliance, insbesondere im Zusammenhang mit der NIS2-Richtlinie, bleibt der Hauptantrieb für Investitionen in die Cybersicherheit, wie 70 % der Organisationen angeben. Dennoch zeigen die Bemühungen auch Vorteile über die reine Einhaltung von Vorschriften hinaus. Die Befragten berichteten von Verbesserungen im Risikomanagement (41 %), in der Erkennungsfähigkeit (35 %) und in der Reaktionsfähigkeit auf Vorfälle (26 %). Zukünftige Investitionsprioritäten umfassen die Aufrüstung von Cybersicherheitstools, die Stärkung von Wiederherstellungsprozessen und die Verbesserung der internen Fähigkeiten.
Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie ist zwar unerlässlich, stellt jedoch in mehreren Bereichen eine Herausforderung dar. Organisationen berichten von Hindernissen bei der Patch-Verwaltung (50 %), der Geschäftskontinuität (49 %) und dem Management von Lieferkettenrisiken (37 %). Größere Organisationen kämpfen mit der Harmonisierung von Ansätzen und dem Übergang von Altsystemen, während KMUs mit Hürden wie begrenzter Anleitung, hohen Werkzeugkosten und unzureichenden Fähigkeiten konfrontiert sind.
Die Abhängigkeit von ausgelagerten ICT- und Sicherheitsdiensten führt zu neuen Schwachstellen, insbesondere wenn die Lieferanten KMUs mit begrenzten Ressourcen sind. Angriffe auf Lieferketten und Dritte wurden als zweitgrößte Bedrohung der Zukunft identifiziert (47 %), was mit den Trends im ENISA-Bedrohungslandschaftsbericht übereinstimmt, der einen Anstieg der Angriffe auf Cyberabhängigkeiten verzeichnet.
Die Ergebnisse des NIS-Investitionsberichts fließen in mehrere ENISA-Initiativen ein, darunter die NIS360-Bewertung der sektoralen Reife, der EU-Cybersicherheitsindex und der Bericht über den Stand der Cybersicherheit in der Union. Diese Erkenntnisse helfen, politische Empfehlungen zu verfeinern und zukünftige Maßnahmen zur Stärkung der gesamten Cyber-Resilienz der EU zu leiten.
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