BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach zwölf Jahren wird das Insolvenzverfahren des Berliner Stromanbieters Flexstrom endlich abgeschlossen. Ehemalige Kunden, die als Gläubiger auftreten, sollen im vierten Quartal 2026 eine Auszahlung erhalten. Die genaue Summe bleibt jedoch unklar, während die Gläubiger aufgefordert werden, ihre Bankverbindungen zu hinterlegen.

Die Insolvenz des Berliner Stromanbieters Flexstrom, die im Jahr 2013 begann, nähert sich endlich ihrem Abschluss. Nach zwölf Jahren sollen die Gläubiger, die überwiegend aus ehemaligen Strom- und Gaskunden bestehen, im vierten Quartal 2026 eine Auszahlung erhalten. Die zuständige Kanzlei White & Case hat die Gläubiger bereits aufgefordert, ihre Bankverbindungen zu hinterlegen, um die Auszahlung zu ermöglichen. Wie viel Geld jeder Gläubiger letztendlich erhält, ist jedoch noch unklar.
Flexstrom war einst ein bedeutender Akteur auf dem deutschen Energiemarkt, bekannt für seine umstrittenen Geschäftsmodelle. Kunden wurden mit günstigen Stromtarifen gelockt, die jedoch oft erst im zweiten oder dritten Jahr nach Vertragsabschluss kostendeckend waren. Viele Kunden kündigten bereits nach einem Jahr, was das Geschäftsmodell ins Wanken brachte und letztlich zur Insolvenz führte.
Das Insolvenzverfahren von Flexstrom gilt als eines der größten in der deutschen Geschichte. Zu Beginn des Verfahrens meldeten 835.000 Gläubiger ihre Forderungen an, von denen aktuell noch etwa 370.000 aktiv sind. Die Gesamtforderungen übersteigen eine halbe Milliarde Euro, was die Komplexität und das Ausmaß dieses Verfahrens unterstreicht.
Die Auszahlung, die nun für 2026 geplant ist, wird voraussichtlich nur einen Bruchteil der ursprünglichen Forderungen decken. In solchen Verfahren ist es üblich, dass Gläubiger nur einen einstelligen Prozentsatz ihrer Forderungen zurückerhalten. Dies stellt viele ehemalige Kunden vor finanzielle Herausforderungen, da sie oft dreistellige Beträge im Voraus an Flexstrom oder dessen Tochtergesellschaften wie Optimalgrün, Löwenzahn Energie und Flexgas überwiesen hatten.
Die Insolvenz von Flexstrom wirft ein Schlaglicht auf die Risiken von Vorauszahlungen und die Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung im Energiemarkt. Experten fordern, dass solche Geschäftsmodelle künftig strenger überwacht werden, um Verbraucher besser zu schützen und ähnliche Insolvenzen zu verhindern. Die Entwicklungen rund um Flexstrom könnten als Präzedenzfall für zukünftige Regulierungsmaßnahmen dienen.
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