BREMEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die europäische Weltraumagentur ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten gemeinsam an einer innovativen Lösung zur Reduzierung von Weltraumschrott. Mit Hilfe von Bremssegeln sollen Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer sicher aus dem Orbit entfernt werden. Diese Technologie könnte die Nachhaltigkeit der Raumfahrt erheblich verbessern.

Die zunehmende Menge an Weltraumschrott stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Raumfahrt dar. Um dieser Herausforderung zu begegnen, entwickelt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Zusammenarbeit mit der Münchener Firma HPS seit 2015 Bremssegel, die von der europäischen Weltraumagentur ESA finanziert werden. Diese Segel sollen helfen, Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer sicher aus dem Orbit zu entfernen und so die Entstehung von neuem Weltraumschrott zu verhindern.
Die Entwicklung dieser Bremssegel ist ein komplexer Prozess, der umfangreiche Tests und Qualifikationen erfordert. Das DLR hat sein Fachwissen in die Auswahl, das Design und die Qualifikation der Segelmembran eingebracht. Diese Membranen müssen extrem dünn und leicht sein, um den Anforderungen im Weltraum standzuhalten. Die Segel werden so konzipiert, dass sie nach zehn bis zwanzig Jahren im Orbit zuverlässig funktionieren, wenn sie entfaltet werden.
Ein entscheidender Aspekt der Bremssegeltechnologie ist ihre Fähigkeit, die Reibung der Restatmosphäre zu nutzen, um Satelliten schneller aus ihrer Umlaufbahn zu bringen. Dies geschieht durch die Vergrößerung der Oberfläche des Satelliten, was zu einer erhöhten Bremswirkung führt. Diese Technologie könnte insbesondere für Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen bis etwa 800 Kilometer Höhe von Bedeutung sein, da sie die unkontrollierte Verschmutzung des Weltraums durch Kollisionstrümmer verhindern kann.
Derzeit wird das erste große ADEO-L-Segel der Firma HPS beim DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen getestet. Dieses Modell wiegt nur wenige Kilogramm und bietet eine Segelfläche von 25 Quadratmetern. Die Tests umfassen Vibrations- und Thermal-Vakuum-Tests, um sicherzustellen, dass das Segel den extremen Bedingungen im Weltraum standhält. Die erfolgreiche Entfaltung des Segels unter diesen Bedingungen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur ersten ESA-Demonstrationsmission im Jahr 2024.
Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie, wie sie im Projekt zwischen DLR und HPS stattfindet, ist ein Beispiel für die erfolgreiche Entwicklung nachhaltiger Raumfahrttechnologien. Frank Hoffmann, Abteilungsleiter Bremssegel bei HPS, betont die Bedeutung dieser Kooperation: “Wir sind alle raumfahrtbegeistert und haben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen unseren Beitrag zu nachhaltiger Raumfahrt leisten.” Diese Bemühungen könnten nicht nur die Lebensdauer von Satelliten verlängern, sondern auch die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Raumfahrt insgesamt verbessern.
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