DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Thyssenkrupp Materials hat einen bedeutenden Schritt in Richtung nachhaltiger Stahlproduktion unternommen. Durch einen mehrjährigen Liefervertrag mit dem schwedischen Hersteller Stegra sichert sich das Unternehmen Zugang zu großen Mengen an grünem Stahl. Diese Partnerschaft markiert einen wichtigen Meilenstein in der Dekarbonisierung der europäischen Stahlindustrie.

Thyssenkrupp Materials Processing Europe hat kürzlich einen mehrjährigen Liefervertrag mit dem schwedischen Stahlhersteller Stegra abgeschlossen. Diese Vereinbarung sichert dem Unternehmen langfristig den Zugang zu sogenannten Non-Prime-Stählen, die aus einer innovativen, wasserstoffbasierten Produktion stammen. Die erste Lieferung wird für das Jahr 2027 erwartet, wobei das Gesamtvolumen im hohen sechsstelligen Tonnenbereich liegt.
Der Vertrag ist für Thyssenkrupp mehr als nur eine strategische Absicherung von Rohstoffen. Er ermöglicht dem Unternehmen, frühzeitig von einer der fortschrittlichsten Produktionsmethoden in der Stahlindustrie zu profitieren. Stegra errichtet derzeit ein neues Werk in Boden, Schweden, das ausschließlich mit grünem Wasserstoff und erneuerbarem Strom betrieben wird. Dieses Projekt gilt als eines der ambitioniertesten in der europäischen Stahlbranche.
Non-Prime-Stahl, der in jedem Stahlwerk zwangsläufig entsteht, erfüllt zwar nicht die höchsten Qualitätsanforderungen, ist jedoch vielseitig einsetzbar und langlebig. In Europa spielt dieses Material eine wichtige Rolle, insbesondere in der Bau- und Industriebranche sowie bei bestimmten Zulieferern. Thyssenkrupp sieht sich hier gut positioniert, da das Unternehmen über eine breite Kundenbasis und eine leistungsfähige Logistik verfügt.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Vertrags ist die Klimabilanz des Stahls. Obwohl Stegra den Stahl mit grünem Wasserstoff produziert, wird der Klimavorteil separat in Form von Umweltzertifikaten verkauft. Diese Zertifikate können von anderen Kunden genutzt werden, um ihre Nachhaltigkeitsbilanzen zu verbessern. Dies zeigt, wie sich die Stahlindustrie neu organisiert, um den grünen Umbau der Produktion zu unterstützen.
In Deutschland gestaltet sich der Übergang zu grünem Stahl schwieriger als in Schweden. Hohe Strompreise und fehlende Infrastruktur für Wasserstoff bremsen Investitionen. Dies zeigt sich auch am Beispiel von Arcelor-Mittal Deutschland, das seine Projekte zur Grünstahlproduktion aufgrund unklarer Rahmenbedingungen vorerst gestoppt hat. Der Vertrag zwischen Thyssenkrupp und Stegra könnte jedoch als Modell für zukünftige Partnerschaften dienen, um die Dekarbonisierung der Industrie voranzutreiben.
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