BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die novellierte Gefahrstoffverordnung bringt ab 2025 neue Meldepflichten für Unternehmen mit sich. Diese müssen nun Grenzwertüberschreitungen bei krebserzeugenden Stoffen aktiv melden und detaillierte Maßnahmenpläne erstellen. Diese Änderungen zielen darauf ab, den Arbeitsschutz zu verbessern und die Transparenz in Unternehmen zu erhöhen.

Die jüngsten Änderungen der Gefahrstoffverordnung, die ab 2025 in Kraft treten, stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Diese Novelle verpflichtet Betriebe, Grenzwertüberschreitungen bei krebserzeugenden Stoffen aktiv zu melden und detaillierte Maßnahmenpläne zu erstellen. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen Ansatzes zur Verbesserung des Arbeitsschutzes und zur Förderung einer Kultur der Transparenz.
Seit Ende 2024 gelten strengere Regeln für den Umgang mit krebserzeugenden und erbgutverändernden Stoffen. Unternehmen müssen nun innerhalb von zwei Monaten nach einer Grenzwertüberschreitung die Behörden informieren. Doch eine einfache Meldung reicht nicht aus. Die Aufsichtsbehörden verlangen praxistaugliche Gefährdungsbeurteilungen und detaillierte Maßnahmenpläne, die konkrete Schritte zur Expositionsminderung und deren voraussichtliche Wirkung enthalten.
Parallel dazu wurden Anfang 2026 mehrere Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) angepasst, um die Anforderungen zu konkretisieren. Diese Anpassungen betreffen unter anderem die TRGS 900 zu Grenzwerten und die TRGS 410 zum Expositionsverzeichnis. Unternehmen müssen daher ihre Compliance-Prozesse kontinuierlich anpassen und die Vorschriften fortlaufend beobachten.
Eine zentrale Neuerung ist das risikobezogene Maßnahmenkonzept, das Tätigkeiten mit Krebserregern in drei Risikostufen unterteilt: grün, gelb und rot. Wird eine Tätigkeit in den roten Bereich eingestuft, sind Unternehmen verpflichtet, Meldungen und Maßnahmenplanungen durchzuführen. Diese Änderungen spiegeln den politischen Willen wider, berufsbedingte Krebserkrankungen zu reduzieren und den Arbeitnehmerschutz zu stärken.
Die neuen Regelungen bedeuten für die Industrie einen erheblichen administrativen Mehraufwand. Die Erstellung von Plänen und der Dialog mit Behörden erfordern tiefes Fachwissen und binden Personalressourcen. Branchenverbände betonen jedoch die Notwendigkeit des hohen Schutzniveaus und sehen in den Investitionen in Messtechnik und Mitarbeiterschulung einen klaren Vorteil.
Das Gefahrstoffrecht bleibt dynamisch, und Unternehmen müssen die Veröffentlichungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) genau verfolgen. Compliance bei Gefahrstoffen erfordert einen integrierten Ansatz, der regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen, präzise Expositionsüberwachung und ein robustes Meldesystem umfasst. Der Schutz der Gesundheit hat Vorrang, und der Gesetzgeber duldet keine Grenzwertüberschreitungen ohne zeitnahe, konkrete Gegenmaßnahmen.
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