BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Europäische Parlament drängt auf strengere Gesetze zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz. Ziel ist es, Arbeitnehmer vor den Risiken algorithmischer Entscheidungen zu schützen und die menschliche Aufsicht bei Personalentscheidungen zu stärken.

Die Diskussion um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz hat in der Europäischen Union eine neue Dimension erreicht. Das Europäische Parlament fordert die EU-Kommission auf, bestehende Lücken im KI-Recht zu schließen, um Arbeitnehmer besser vor den Auswirkungen automatisierter Entscheidungen zu schützen. Der bestehende KI-Akt, der seit August 2024 in Kraft ist, wird als unzureichend angesehen, da er sich hauptsächlich auf Produktsicherheit konzentriert und die spezifischen Herausforderungen des Arbeitsverhältnisses vernachlässigt.
Ein zentrales Anliegen des Parlaments ist die Einführung strengerer Regeln für algorithmisches Management, das Aufgaben verteilt, Leistungen kontrolliert und sogar disziplinarische Maßnahmen vorschlagen kann. Die Abgeordneten fordern klare „Human-in-the-Loop“-Regeln, die über die allgemeinen Transparenzanforderungen des KI-Akts hinausgehen. Diese sollen sicherstellen, dass kein Algorithmus das letzte Wort bei wichtigen Personalentscheidungen wie Einstellungen oder Kündigungen hat.
Besonders kritisch wird die invasive Überwachung von Mitarbeitern gesehen, etwa durch Software zur Emotionserkennung. Solche Praktiken sollen verboten werden, um die psychische Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Zudem wird ein Recht auf Erklärung gefordert, damit Arbeitnehmer die Entscheidungen von KI-Systemen nachvollziehen können. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass KI-Systeme psychosoziale Risiken erhöhen oder einen unsicheren Leistungsdruck erzeugen.
Die Forderungen des Parlaments kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Kommission ihre Strategie gegen rassistische Diskriminierung durch Algorithmen verstärkt. Ein Bericht zur Rassengleichheits-Richtlinie, der für dieses Jahr angekündigt ist, wird sich mit der Durchsetzung von Mechanismen gegen algorithmische Voreingenommenheit befassen. Diese Entwicklungen zeigen, dass die EU bestrebt ist, ihre Gleichstellungsziele mit technologischen Kontrollen in Einklang zu bringen.
Für deutsche Unternehmen könnten die neuen Regelungen eine zusätzliche Herausforderung darstellen, da sie sich in eine bereits komplexe Rechtslage einfügen müssen. Rechtsexperten erwarten, dass Betriebsräte bedeutende neue Mitbestimmungsrechte beim Einsatz algorithmischer Managementsysteme erhalten werden. Unternehmen wird geraten, ihre automatisierten Management-Tools zeitnah zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie den neuen Anforderungen entsprechen.
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