BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Abhängigkeit Europas von US-amerikanischer Technologie wird zunehmend als Risiko wahrgenommen, insbesondere angesichts der unvorhersehbaren Sanktionen der Trump-Administration. Europäische Länder erwägen nun, ihre digitale Souveränität zu stärken, um unabhängiger von ausländischen Anbietern zu werden.

Die jüngsten Entwicklungen in der internationalen Politik haben Europas Abhängigkeit von US-amerikanischer Technologie ins Rampenlicht gerückt. Besonders die Sanktionen der Trump-Administration gegen Richter des Internationalen Strafgerichtshofs, darunter die Kanadierin Kimberly Prost, haben gezeigt, wie verletzlich Einzelpersonen und Institutionen gegenüber solchen Maßnahmen sind. Prost, die auf der Sanktionsliste neben Terroristen und Cyberkriminellen steht, beschreibt die Auswirkungen auf ihr Leben als lähmend.
Diese Ereignisse haben in Europa eine Debatte über die Notwendigkeit einer stärkeren digitalen Souveränität ausgelöst. Der belgische Cybersicherheitschef Miguel De Bruycker betonte, dass Europa das Internet an die USA verloren habe und es derzeit unmöglich sei, Daten vollständig in Europa zu speichern. Dies liegt an der Dominanz der USA in der digitalen Infrastruktur. Die Europäische Union hat bereits Schritte unternommen, um ihre Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu reduzieren.
Ein Beispiel für diese Bemühungen ist die Entscheidung der französischen Regierung, Zoom und Microsoft Teams durch die eigene Videokonferenzsoftware Visio zu ersetzen. Diese Maßnahme ist Teil eines größeren Plans, um die technologische Unabhängigkeit Europas zu stärken. Der Europäische Rat hat kürzlich einen Bericht angenommen, der die Europäische Kommission auffordert, Bereiche zu identifizieren, in denen die EU ihre Abhängigkeit von ausländischen Anbietern verringern kann.
Die Bedenken über die digitale Souveränität sind nicht neu. Bereits 2001, nach den Terroranschlägen vom 11. September, führte der Patriot Act der USA zu weitreichenden Überwachungsbefugnissen, die auch europäische Bürger betrafen. Diese Entwicklungen haben das Vertrauen in US-amerikanische Technologieunternehmen erschüttert und die Forderungen nach europäischen Alternativen verstärkt.
Auf individueller Ebene gibt es ebenfalls Bestrebungen, sich von US-amerikanischen Tech-Diensten zu lösen. Unabhängige Journalisten und Websites wie Switch-to-EU ermutigen Nutzer, auf europäische Alternativen umzusteigen. Diese Bewegung wird durch die wachsende Besorgnis über die Datenschutzpraktiken und die politische Unberechenbarkeit der USA weiter befeuert.
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