BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen birgt erhebliche Risiken für den Datenschutz, insbesondere bei psychischen Gesundheitsdaten. Neue Gesetze wie das Digital-Gesetz und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz stehen in der Kritik, da sie das Arztgeheimnis gefährden könnten. Gleichzeitig nehmen Cyberangriffe auf Kliniken und Praxen zu, was das Vertrauen der Patienten weiter erschüttert.

Die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens bringt nicht nur Vorteile, sondern auch erhebliche Risiken für den Datenschutz mit sich. Insbesondere die sensiblen Daten aus dem Bereich der psychischen Gesundheit stehen im Fokus der Kritik. Neue gesetzliche Regelungen wie das Digital-Gesetz (DigiG) und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) sollen zwar die Versorgung und Forschung verbessern, doch Datenschützer und Psychotherapeutenverbände warnen vor den Gefahren für das Arztgeheimnis und die informationelle Selbstbestimmung der Patienten.
Ein zentrales Element der Kritik ist die elektronische Patientenakte (ePA), die ab 2025 für alle gesetzlich Versicherten automatisch eingerichtet wird. Diese soll eine bessere Behandlung durch schnellen Zugriff auf Vorerkrankungen und Medikationspläne ermöglichen. Doch Psychotherapeuten sehen darin ein Risiko für das Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Patient, da Befundberichte standardmäßig für alle behandelnden Ärzte sichtbar sind. Zudem könnte die europäische E-Evidence-Verordnung Ermittlern aus anderen EU-Staaten Zugriff auf ePA-Daten gewähren, was die Schweigepflicht aushebeln könnte.
Auch die zunehmende Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA), wie Apps auf Rezept, steht unter Sicherheitsverdacht. Diese Anwendungen müssen zwar vom Bundesinstitut für Arzneimittel auf Sicherheit und Nutzen geprüft werden, doch Experten warnen vor Schwachstellen, die als Einfallstor für Hacker dienen könnten. Die Verantwortung für die Sicherheit liegt bei den Herstellern und den Nutzern, die für Risiken sensibilisiert werden müssen.
Die reale Gefahr zeigt sich in der wachsenden Zahl von Cyberangriffen auf Kliniken und Praxen. Kriminelle legen immer wieder Einrichtungen lahm und stehlen hochsensible Daten, was das Vertrauen der Patienten nachhaltig erschüttert. Datenschützer kritisieren zudem oft die mangelhafte Informationspolitik der betroffenen Einrichtungen. Die DSGVO schreibt vor, dass Betroffene bei einem hohen Risiko aktiv über Datenlecks informiert werden müssen.
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein Balanceakt zwischen medizinischem Fortschritt und Datenschutz. Während die neuen Gesetze eine Vereinfachung für alle Beteiligten versprechen, sehen Ärzte- und Psychotherapeutenverbände zusätzliche Bürokratie und lückenhafte Sicherheitsvorkehrungen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte kritisiert, dass sein Einvernehmen bei den ePA-Sicherheitsspezifikationen nicht mehr zwingend nötig ist, was als schwerer Schlag gegen das Datenschutzrecht angesehen wird.
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