BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU-Kommission plant eine Reform der DSGVO-Meldepflichten, die eine Erhöhung der Meldeschwelle bei Datenschutzverstößen vorsieht. Diese Maßnahme soll den bürokratischen Aufwand für Unternehmen reduzieren, stößt jedoch auf Kritik von Datenschützern, die eine Aushöhlung der Grundrechte befürchten.

Die Europäische Union steht vor einer bedeutenden Reform ihrer Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die darauf abzielt, die Meldepflichten bei Datenschutzverstößen zu lockern. Im Mittelpunkt dieser Reform steht das sogenannte „Digital Omnibus“-Paket, das die Meldeschwelle für Datenpannen anheben soll. Künftig müssen Unternehmen Vorfälle nur noch melden, wenn ein „hohes Risiko“ für die Betroffenen besteht, während bisher bereits ein einfaches „Risiko“ ausreichte. Diese Änderung könnte insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine erhebliche Entlastung darstellen, da sie sich seit Jahren über den hohen bürokratischen Aufwand der DSGVO beklagen.
Die geplante Reform stößt jedoch auf massive Kritik von Datenschützern. Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden (DSK) warnt davor, dass die Erhöhung der Meldeschwelle dazu führen könnte, dass zahlreiche Vorfälle im Verborgenen bleiben. Kritiker befürchten, dass der Schutz persönlicher Daten hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen könnte. Sie sehen das Fundament der DSGVO untergraben und warnen vor einer möglichen Aushöhlung der Grundrechte der Bürger.
Ein weiterer zentraler Punkt der Reform ist die geplante Vereinfachung der Meldeprozesse. Ein zentrales Portal bei der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA soll künftig als „Single-Entry Point“ dienen, um Mehrfachmeldungen unter verschiedenen Gesetzen wie der NIS-2-Richtlinie oder DORA zu vermeiden. Zudem soll die Pflicht zur Führung eines Verarbeitungsverzeichnisses für mehr Unternehmen entfallen. Die EU-Kommission verspricht sich von dem gesamten Paket jährliche Einsparungen in Milliardenhöhe, was von Wirtschaftsverbänden wie Bitkom ausdrücklich begrüßt wird.
Die Reform befindet sich derzeit in der heißen Phase der Trilog-Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Rat. Während die Wirtschaft auf schnelle Erleichterungen drängt, kämpfen Datenschutz-Abgeordnete im Parlament für den Erhalt der hohen Schutzstandards. Der Trend geht jedoch klar zu einem stärker risikobasierten Ansatz, bei dem Unternehmen ihre internen Prozesse zur Risikobewertung verfeinern müssen. Unabhängig vom Verhandlungsergebnis wird sich die Frage, was einen meldepflichtigen Vorfall ausmacht, neu stellen. Die Debatte um den Digital Omnibus ist somit auch ein Ringen um die künftige Balance zwischen Datenschutz und Wettbewerbsfähigkeit in Europa.
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