BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Debatte um die europäische Industriepolitik nimmt Fahrt auf. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt den Vorschlag ab, europäische Unternehmen bei der Vergabe öffentlicher Gelder zu bevorzugen. Stattdessen plädiert sie für einfachere Regeln und internationale Partnerschaften, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.

Die Diskussion um die europäische Industriepolitik hat mit der Ablehnung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gegenüber dem Vorschlag des EU-Industriekommissars Stéphane Séjourné an Brisanz gewonnen. Séjourné hatte gefordert, dass öffentliche Gelder in der EU primär an Unternehmen fließen sollten, die in Europa produzieren und Arbeitsplätze schaffen. Reiche hingegen sieht in einer solchen Abschottung keine Lösung für die globalen Wettbewerbsherausforderungen.
Reiche betont, dass Europa auf einfache Regeln, mehr Investitionen und den Abbau von Bürokratie setzen müsse. Sie unterstreicht die Notwendigkeit starker internationaler Partnerschaften und plädiert für einen Ansatz, der auf ‘Made with Europe’ statt ‘Made in Europe’ setzt. Dieser Ansatz soll die Stärken Europas mit verlässlichen Handelspartnern weltweit verbinden, um so die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Der Vorschlag von Séjourné, europäische Produktionen und Arbeitsplätze durch eine europäische Präferenz zu schützen, wird von mehr als 1.000 Unternehmenschefs unterstützt. Darunter befinden sich auch die Geschäftsführer von Thyssenkrupp Steel Europe, Bosch und Varta. Diese Unternehmen sehen in der Strategie eine Antwort auf das ‘America First’ des US-Präsidenten und die zunehmende internationale Wettbewerbsverzerrung.
Die deutsche Wirtschaft hat zuletzt ihre Konkurrenzfähigkeit so schlecht eingeschätzt wie nie zuvor. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken. Auf einem Sondergipfel am 12. Februar will die EU über ihre Wettbewerbsfähigkeit beraten und mögliche Strategien diskutieren. Die Frage bleibt, ob ein protektionistischer Ansatz oder eine Öffnung hin zu globalen Partnerschaften der richtige Weg ist.
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