PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die französische Regierung hat eine neue Ernährungsstrategie vorgestellt, die den Fleischkonsum begrenzen soll. Diese Maßnahme ist Teil eines Kompromisses zwischen Klimaschutz und der mächtigen Agrarlobby. Die Strategie zielt darauf ab, den CO2-Fußabdruck des Landes zu reduzieren und gleichzeitig die heimische Landwirtschaft zu unterstützen.

Die französische Regierung hat kürzlich ihre nationale Ernährungsstrategie veröffentlicht, die eine Begrenzung des Fleischkonsums empfiehlt. Diese Strategie ist das Ergebnis eines langwierigen politischen Kompromisses zwischen den Zielen des Klimaschutzes und den Interessen der Agrarlobby. Die „Nationale Strategie für Ernährung und Klima“ (SNANC) soll bis 2030 die Leitlinien für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung festlegen, wobei der Schwerpunkt auf pflanzlichen Lebensmitteln liegt.
Hinter der Entscheidung, den Begriff „Begrenzung“ statt „Reduzierung“ zu verwenden, verbirgt sich ein intensiver Streit innerhalb der Regierung. Während das Umweltministerium auf eine klare Reduzierung drängte, um ein starkes Klimasignal zu senden, setzte sich das Landwirtschaftsministerium für eine sanftere Formulierung ein, um die Interessen der heimischen Viehzucht zu schützen. Diese Wortwahl wird als Zugeständnis an die mächtige Agrarlobby angesehen, was von Kritikern bemängelt wird, da konkrete, messbare Reduktionsziele fehlen.
Die Dringlichkeit dieser Strategie wird durch die Tatsache unterstrichen, dass der Agrarsektor für etwa 20 Prozent des nationalen CO2-Fußabdrucks verantwortlich ist, wobei 61 Prozent dieser Emissionen aus der Fleischerzeugung stammen. Der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch in Frankreich lag 2024 bei 85 Kilogramm, was deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 53,2 Kilogramm liegt. Diese Zahlen verdeutlichen die Herausforderung, vor der Frankreich steht, um seine Klimaziele zu erreichen.
Die Strategie versucht, die kulturelle Bedeutung von Fleisch in der französischen Küche zu berücksichtigen und gleichzeitig einen schrittweisen Wandel einzuleiten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Reduzierung von Fleischimporten, um die heimischen Erzeuger zu unterstützen. Die Empfehlungen basieren auf Vorschlägen des französischen Bürger-Klimarats und sollen als Rahmen für verschiedene Politikbereiche dienen, von Schulkantinen bis hin zu Verbraucherkampagnen. Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, aus den vagen Empfehlungen konkrete Maßnahmen zu entwickeln.
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