JENA / LONDON (IT BOLTWISE) – Wissenschaftler haben einen faszinierenden Verteidigungsmechanismus zwischen zwei Bakterienarten entschlüsselt. Diese Zusammenarbeit schützt sie vor Fressfeinden und könnte neue Wege in der Entwicklung von Antiinfektiva eröffnen. Die Entdeckung zeigt, wie Pseudomonas und Paenibacillus durch die Produktion und Modifikation eines Naturstoffs eine toxische Substanz erzeugen, die ihre Feinde abwehrt.

In der Welt der Mikroorganismen sind Kooperationen oft der Schlüssel zum Überleben. Eine bemerkenswerte Entdeckung in diesem Bereich wurde kürzlich von einem Team um Pierre Stallforth am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie gemacht. Die Forscher haben herausgefunden, wie zwei Bakterienarten, Pseudomonas und Paenibacillus, zusammenarbeiten, um sich vor einem gemeinsamen Fressfeind, der Amöbe, zu schützen. Diese Erkenntnis könnte weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Antiinfektiva haben.
Der Mechanismus basiert auf einem Naturstoff namens Syringafactin, der von Pseudomonas produziert wird. Erst durch eine spezifische Modifikation durch Paenibacillus, bei der das Lipopeptid an einer ungewöhnlichen Stelle gespalten wird, entsteht eine toxische Substanz für die Amöbe. Diese Modifikation erfolgt durch spezielle Enzyme, die sogenannten DL-Peptidasen, die eine einzigartige Fähigkeit besitzen, die räumliche Struktur der Lipopeptide zu verändern.
Die Bedeutung dieser Entdeckung liegt nicht nur in der biologischen Interaktion, sondern auch in der Möglichkeit, komplexe Naturstoffe besser zu analysieren. Die selektive Spaltung durch die Enzyme ermöglicht es, die Struktur dieser Stoffe in kleinere Fragmente zu zerlegen, was die Analyse und das Verständnis neuer Naturstoffe erheblich erleichtert. Dies könnte in Zukunft die Entwicklung neuer Naturstoff-basierter Medikamente unterstützen.
Das Forschungsteam betont die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit, die zu dieser Entdeckung geführt hat. Wie die Bakterien, die sich gegen ihren Fressfeind verbünden, arbeiteten die Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um diese komplexe Fragestellung zu lösen. Diese Art der Zusammenarbeit ist ein Paradebeispiel für die Synergien, die in der modernen Wissenschaft möglich sind.
Die Studie, die im Exzellenzcluster Balance of the Microverse der Universität Jena durchgeführt wurde, zeigt, wie wichtig lokale und interdisziplinäre Kooperationen in der Forschung sind. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal JACS veröffentlicht und könnten die Grundlage für weitere Forschungen in der Biotechnologie und der Entwicklung neuer Medikamente bilden.
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