LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Venus trotz ihrer erdähnlichen Schwerkraft über riesige Lavaröhren verfügen könnte. Diese Entdeckung widerspricht bisherigen Annahmen über die Stabilität solcher Strukturen auf Planeten mit höherer Schwerkraft. Die Erkenntnisse basieren auf komplexen Computersimulationen und könnten unser Verständnis von vulkanischen Prozessen im Sonnensystem erheblich erweitern.

Die Venus, oft als der „böse Zwilling“ der Erde bezeichnet, überrascht erneut die Wissenschaftler. Trotz ihrer erdähnlichen Schwerkraft könnten auf der Venus gigantische Lavaröhren existieren, die bisher als physikalisch unmöglich galten. Diese Entdeckung stellt die bisherige Faustregel infrage, dass die Größe von Lavaröhren direkt von der Schwerkraft eines Himmelskörpers abhängt. Auf der Erde sind solche Tunnel meist nur wenige Meter breit, während sie auf dem Mond theoretisch ganze Städte beherbergen könnten.
Ein Team um den Ingenieur Marcin Chwała von der Technischen Universität Breslau hat mithilfe der Finite-Elemente-Grenzanalyse die Stabilität dieser Strukturen unter den extremen Bedingungen der Venus simuliert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lavaröhren auf der Venus einen Durchmesser von bis zu einem Kilometer erreichen könnten, ohne einzustürzen. Diese Dimensionen sind vergleichbar mit denen, die man auf dem Mond erwarten würde, wo die Schwerkraft nur ein Bruchteil der irdischen beträgt.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Geowissenschaftlerin Barbara De Toffoli von der Universität Padua Hinweise auf die Existenz solcher Strukturen auf der Venus präsentiert. Sie analysierte alte Radarbilder der NASA-Sonde Magellan und entdeckte Kraterketten und eingestürzte Deckenöffnungen, sogenannte Skylights, an den Flanken großer Vulkane. Diese visuellen Hinweise, kombiniert mit den mathematischen Modellen von Chwała, legen nahe, dass die Venus geologisch anders funktioniert als die Erde.
Die extremen Oberflächentemperaturen von rund 480 Grad Celsius könnten das Gestein auf der Venus duktiler machen, was die Stabilität der Lavaröhren erklärt. Diese Hitze könnte Spannungen im Material anders ableiten als im kühleren Gestein der Erde. Obwohl die Bedingungen auf der Venus für menschliche Basen ungeeignet sind, bieten diese Strukturen wertvolle Einblicke in die vulkanische Geschichte des Planeten. Zukünftige Missionen wie die NASA-Sonde DAVINCI oder der europäische Orbiter EnVision könnten hochauflösende Karten und Radar-Scans liefern, um diese Theorien zu bestätigen.
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