HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie warnt vor den verheerenden Auswirkungen einer möglichen Ölpest in der Ostsee, verursacht durch die russische Schattenflotte. Diese Flotte, bestehend aus veralteten und unterversicherten Tankern, umgeht westliche Sanktionen und stellt eine erhebliche Bedrohung für die empfindlichen Ökosysteme der Region dar. Die Simulation zeigt, wie schnell sich 48.000 Tonnen Öl über die Meeres- und Küstenschutzgebiete ausbreiten könnten.

Die Ostsee, ein empfindliches und bereits stark belastetes Ökosystem, steht vor einer neuen Bedrohung: der russischen Schattenflotte. Diese Flotte besteht aus über 190 Tankern, die oft veraltet und unterversichert sind. Sie wird von Russland genutzt, um westliche Sanktionen zu umgehen, und stellt ein erhebliches Risiko für die Umwelt dar. Eine aktuelle Simulationsstudie des Helmholtz-Zentrums Hereon in Zusammenarbeit mit Greenpeace hat die potenziellen Auswirkungen eines Unfalls eines dieser Tanker untersucht.
Die Studie simulierte die Ausbreitung von 48.000 Tonnen des Rohöls ‘Ural Crude’ an verschiedenen Standorten von Primorsk bis Skagen. Dabei wurden Strömungs- und Winddaten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie genutzt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Innerhalb kürzester Zeit könnte sich das Öl über große Teile der Ostsee ausbreiten und sowohl Meeres- als auch Küstenschutzgebiete von Finnland bis Dänemark beeinträchtigen.
Die Folgen einer solchen Ölpest wären verheerend. Wertvolle Lebensräume für Seevögel und Meeressäuger sowie Kinderstuben vieler Fischbestände könnten für Jahrzehnte zerstört werden. Auch die beliebten Urlaubsgebiete der Region wären stark betroffen. Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, betont, dass eine Ölpest das Letzte sei, was die ohnehin stark bedrohte Ostsee brauche.
Die russische Schattenflotte steht im Kontext der andauernden Sanktionen gegen Russland, die unter anderem einen Preisdeckel für russisches Öl beinhalten. Im Februar wurde dieser Deckel auf 44,10 US-Dollar pro Barrel gesenkt, um Russlands finanzielle Kriegsmittel zu begrenzen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) fordert ein schärferes Vorgehen gegen diese Flotte, da die Gefahr eines Unfalls durch die mangelhafte technische Ausrüstung und schlecht ausgebildete Besatzungen dieser Schiffe groß sei.
Ein besonders problematisches Beispiel ist der Tanker ‘Eventin’, der seit etwa einem Jahr vor Rügen in einem juristischen Dilemma gefangen ist. Nach einem dramatischen Ausfall im Januar 2025, der den Tanker manövrierunfähig in der Ostsee zurückließ, wird das 20 Jahre alte Schiff auf der EU-Liste der unerwünschten Schiffe geführt. Dies verdeutlicht die Dringlichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ostsee vor einer potenziellen Umweltkatastrophe zu schützen.
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