JERUSALEM / LONDON (IT BOLTWISE) – In Israel sorgt die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Studenten seit Jahren für Spannungen. Während viele von ihnen von der Wehrpflicht befreit sind, gibt es nun eine Yeshiva in Jerusalem, die einen anderen Weg einschlägt. Diese Studenten kombinieren Militärdienst mit Tora-Studium und stellen sich der Herausforderung, ihre religiöse Identität zu bewahren.

In Israel ist die Wehrpflicht ein zentrales Thema, das seit Jahren für Spannungen sorgt. Besonders die Befreiung ultraorthodoxer Studenten von der Wehrpflicht ist umstritten. Diese Regelung erlaubt es ihnen, sich ganz dem Tora-Studium zu widmen, während andere junge Israelis ihren Militärdienst leisten. Doch nicht alle ultraorthodoxen Gemeinschaften folgen diesem Weg. Eine Yeshiva in Jerusalem, die von Rabbi David Leibel gegründet wurde, hat sich entschieden, die Befreiung nicht in Anspruch zu nehmen und stattdessen einen neuen Weg einzuschlagen.
Die Yeshiva Mishmar Ha Torah hat ein Programm entwickelt, das es den Studenten ermöglicht, sowohl zu studieren als auch ihren Militärdienst zu leisten. Rabbi Leibel erklärt, dass es eine Vereinbarung mit den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) gibt, die es den Studenten erlaubt, ihre religiösen Studien fortzusetzen und gleichzeitig als Soldaten zu dienen. Diese Initiative zieht besonders junge Männer aus der Haredi-Gemeinschaft an, die bereit sind, die Verantwortung des Militärdienstes zu übernehmen.
Der Militärdienst ist in Israel für die meisten jüdischen Bürger über 18 Jahre verpflichtend. Männer dienen in der Regel 32 Monate, Frauen 24 Monate. Arabische Bürger sind im Allgemeinen ausgenommen, ebenso wie ultraorthodoxe Männer, die Vollzeit religiös studieren. Diese Regelung hat in der Vergangenheit zu politischen Krisen geführt, da viele Israelis die ungleiche Verteilung der Lasten kritisieren.
Rabbi Benayahu Tvila, der in der israelischen Bildungslandschaft eine bedeutende Rolle spielt, betont, dass die Frage des Militärdienstes im Zentrum der öffentlichen Debatte steht und zur politischen Instabilität der letzten Jahre beigetragen hat. Die Yeshiva Mishmar Ha Torah versucht, eine Brücke zwischen religiösem Studium und militärischem Dienst zu schlagen, indem sie ein maßgeschneidertes Programm für Haredim entwickelt hat.
Ein weiteres Problem bei der Rekrutierung von Haredim ist die Sorge, dass sie in der Nähe säkularer Soldaten ihre religiöse Identität verlieren könnten. Daher ist es wichtig, ein Programm zu schaffen, das auf die Bedürfnisse der Haredim zugeschnitten ist. Rabbi Leibel war maßgeblich an der Einrichtung der beiden bestehenden ultraorthodoxen IDF-Divisionen beteiligt, die speziell für diese Gemeinschaften konzipiert wurden.
Israel Shilo, der CEO von Art Torah, der Mutterorganisation der Yeshiva, erklärt, dass es sich um ein kleines Startup handelt, das versucht, eine Tradition zu schaffen, die Tora und Armee vereint. Die jüngsten Ereignisse, insbesondere der Angriff der Hamas im Oktober 2023, haben das Bewusstsein dafür geschärft, dass die Haredi-Gemeinschaft in der israelischen Gesellschaft und im Militär nicht ignoriert werden kann.
Hillel Nabeth, ein Student der Yeshiva, gehört zu einer kleinen, aber wachsenden Gruppe ultraorthodoxer Männer, die ihre Perspektive geändert haben. Er betont, dass die Yeshiva ein sicherer Ort für junge Männer ist, die in die Armee gehen wollen, ohne ihre spirituelle Identität zu gefährden. Yedidya Green, ebenfalls Student und Soldat, glaubt, dass es viele Missverständnisse über die Haltung der Haredim zur Armee gibt. Er sieht den Militärdienst als eine erfüllende und wichtige Aufgabe an, die jeder Mann, der dazu in der Lage ist, übernehmen sollte.
Viele Führer und Rabbiner lehnen Veränderungen ab, da sie befürchten, dass das Militärleben ihre religiöse Lebensweise bedroht. Doch Studenten wie Nabeth und Green sind zufrieden damit, ihre religiösen Praktiken innerhalb der Armee aufrechterhalten zu können. Green ist überzeugt, dass die Schritte, die er und seine Mitstudenten unternehmen, in die richtige Richtung führen, auch wenn sie von einigen Haredim skeptisch betrachtet werden.
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