MOSKAU / TOKIO / BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Bedrohung für Android-Tablets hat die Cybersicherheitswelt in Alarmbereitschaft versetzt. Der Keenadu-Backdoor, tief in die Firmware eingeschleust, ermöglicht Angreifern die vollständige Fernsteuerung der Geräte. Über 13.700 Nutzer weltweit sind betroffen, wobei die Infektionen sich auf Länder wie Russland, Japan und Deutschland konzentrieren.

Die Entdeckung der Keenadu-Backdoor hat die Cybersicherheitsbranche aufgeschreckt. Diese Schadsoftware wurde tief in die Firmware von Android-Tablets integriert und ermöglicht Angreifern, die Kontrolle über die Geräte zu übernehmen. Die Bedrohung ist besonders schwerwiegend, da sie über einen Lieferkettenangriff in die Geräte gelangte, noch bevor diese die Endkunden erreichten. Über 13.700 Nutzer weltweit sind betroffen, mit einem Schwerpunkt in Ländern wie Russland, Japan und Deutschland.
Anders als herkömmliche Schadsoftware, die Nutzer dazu verleitet, bösartige Apps zu installieren, operiert Keenadu auf einer viel tieferen Ebene. Die Angreifer kompromittierten eine zentrale Android-Systembibliothek, was bedeutet, dass die Hintertür bereits während des Boot-Vorgangs des Geräts geladen wird. Diese Infiltration ermöglicht es der Malware, sich in jede gestartete App einzuschleusen und die Sicherheitsarchitektur von Android zu umgehen. Dies macht Androids App-Sandboxing gegen diese Bedrohung wirkungslos.
Der primäre Infektionsweg für Keenadu scheint ein Supply-Chain-Angriff zu sein. Der bösartige Code wurde während der Erstellungsphase der Firmware eingeschleust, lange bevor das Endprodukt zusammengebaut und ausgeliefert wurde. In einigen Fällen wurde die kompromittierte Firmware Nutzern sogar über offizielle Over-The-Air-Updates geliefert. Kaspersky hat die betroffenen Hersteller informiert, jedoch wurden die meisten Namen nicht öffentlich gemacht. Die Untersuchung verknüpft den Keenadu-Backdoor explizit mit Firmware auf dem Alldocube iPlay 50 mini Pro-Tablet.
Keenadu ist ein mehrstufiger Loader, der weitere bösartige Module nachlädt. Diese Module können die Suchmaschine des Browsers kapern oder heimlich mit Online-Werbung interagieren, um finanziellen Gewinn zu erzielen. Neben der Firmware wurden Keenadu-Komponenten auch in eigenständigen Apps entdeckt, die in offiziellen Stores wie Google Play verfügbar waren. Google hat die identifizierten Apps inzwischen entfernt.
Das Auftauchen von Keenadu unterstreicht einen gefährlichen Trend in der Mobilgerätesicherheit: die gezielte Attacke auf die Lieferkette. Firmware-Backdoors sind besonders gefährlich, da sie persistent sind und nicht durch Standardmethoden wie das Deinstallieren einer App entfernt werden können. Die Fähigkeit dieser Gruppen, Geräte auf Herstellerebene zu kompromittieren, stellt ein systemisches Risiko für das gesamte Android-Ökosystem dar.
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