WIEN / BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Winterblues trifft viele Menschen hart, besonders wenn die Tage kürzer und dunkler werden. Experten erklären, warum wir uns in dieser Jahreszeit oft antriebslos fühlen und welche biologischen Mechanismen dahinterstecken. Schlafmangel und ein Mangel an Tageslicht spielen eine zentrale Rolle.

Der Winterblues ist ein Phänomen, das viele Menschen in den kalten Monaten des Jahres betrifft. Besonders in Regionen mit langen, dunklen Wintern fühlen sich viele Menschen antriebslos und müde. Laut Dietmar Winkler von der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sind unsere Reserven nach Monaten mit wenig Tageslicht oft erschöpft. Diese Erschöpfung kann sich in Form von Energiemangel und Motivationslosigkeit äußern.
Ein weiterer Faktor, der zum Winterblues beiträgt, ist die sogenannte Erwartungsenttäuschung. Viele Menschen sehnen sich mental nach dem Frühling, während die Realität draußen grau und kalt bleibt. Diese Diskrepanz kann zusätzlich an der Widerstandskraft zehren und das Gefühl der Antriebslosigkeit verstärken.
Der Schlafforscher Dieter Kunz von der Berliner Charité erklärt, dass der Mensch im Herbst in einen Energiesparmodus wechselt, ähnlich einem Mini-Winterschlaf. Studien zeigen, dass der Gehirnumsatz des Glückshormons Serotonin im Winter auf etwa 20 bis 30 Prozent fällt. Dies führt dazu, dass wir uns weniger leistungsfähig fühlen und mehr Schlaf benötigen.
Die Forschung hat lange angenommen, dass künstliches Licht keinen Einfluss auf unsere innere Uhr hat. Doch Kunz und sein Team haben herausgefunden, dass Menschen im Winter mehr als eine Stunde länger schlafen, wenn sie ausschlafen können. Da der Alltag jedoch keine Rücksicht auf saisonale Schwankungen nimmt, schlafen viele Menschen im Winter zu wenig, was nicht gesund ist.
Neben dem typischen Winterblues gibt es auch schwerere Formen, die als Seasonal Affective Disorder (SAD) bekannt sind. Diese jahreszeitlich bedingten Depressionen betreffen je nach Region und Messmethode etwa ein bis zehn Prozent der Menschen. Frauen und jüngere Menschen sind besonders anfällig für diese Form der Depression.
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