LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie zeigt, dass KI-gestützte Coding-Tools die Anzahl kritischer Sicherheitslücken in Software erheblich erhöhen. Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen in der Einhaltung von Sicherheitsstandards, da die Anzahl der Schwachstellen in Codebasen dramatisch gestiegen ist.

Die rasante Entwicklung von KI-gestützten Coding-Tools hat zu einem signifikanten Anstieg von Sicherheitslücken in Software geführt. Laut einer neuen Studie hat sich die Anzahl der Schwachstellen in kommerzieller Software innerhalb eines Jahres um 107 Prozent erhöht. Diese Entwicklung stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung von Sicherheitsstandards und Compliance-Vorgaben.
Der Bericht, der auf der Analyse von 947 Codebasen aus 17 verschiedenen Branchen basiert, zeigt, dass 87 Prozent der untersuchten Projekte mindestens eine Open-Source-Schwachstelle aufwiesen. Besonders alarmierend ist, dass 78 Prozent dieser Projekte hochriskante und 44 Prozent sogar kritische Lücken enthielten, die potenziell zu schweren Datenlecks führen könnten. Die durchschnittliche Anzahl von Schwachstellen pro Codebase hat sich von 280 auf 581 nahezu verdoppelt.
Ein Haupttreiber dieser Entwicklung ist die explosionsartige Verbreitung von KI-gestützten Coding-Tools. Diese Tools beschleunigen zwar die Softwareentwicklung, gehen jedoch oft auf Kosten der Sicherheit. Die durchschnittliche Anzahl von Dateien pro Codebase stieg um 74 Prozent, während die Anzahl der Open-Source-Komponenten um 30 Prozent zunahm. Dies vergrößert die Angriffsfläche für Hacker erheblich.
Viele Unternehmen sind mit dem Tempo der KI-Revolution überfordert. Obwohl etwa 85 Prozent der Organisationen KI-Coding-Assistenten nutzen, geschieht dies oft ohne ausreichende Kontrolle. In 76 Prozent der Firmen, die solche Tools offiziell verbieten, nutzen Entwickler sie dennoch heimlich. Diese Schatten-IT entzieht sich der Überwachung durch Sicherheitsteams, was dazu führt, dass Schwachstellen unbemerkt eingeschleust werden.
Ein weiteres Problem ist die Wartungsschuld in der Branche. In 92 Prozent der Codebasen stecken Komponenten, die vier Jahre oder älter sind, und 93 Prozent enthalten Teile, die seit mindestens zwei Jahren nicht mehr gepflegt werden. Diese ungepatchten Lücken bleiben ein Einfallstor für Angriffe. Die Bedrohung ist real, wie die Tatsache zeigt, dass 65 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr einen Supply-Chain-Angriff erlitten haben.
Neben technischen Herausforderungen wird auch der Faktor Mensch zu einem kritischen Risiko. Die Überlastung und Unterfinanzierung von Open-Source-Maintainern macht sie zu Zielen für Social-Engineering-Angriffe. Gleichzeitig klafft eine wachsende Governance-Lücke, da Sicherheitsprozesse hinter der schnellen Einführung von KI zurückbleiben. Dies wird durch rechtliche Risiken verstärkt, da in 68 Prozent der Codebasen Open-Source-Lizenzkonflikte gefunden wurden.
Die EU reagiert auf diese Herausforderungen mit dem Cyber Resilience Act (CRA), der ab 2026 Hersteller verpflichtet, Schwachstellen über den gesamten Produktlebenszyklus zu managen. Unternehmen müssen von reaktivem Patchen zu einer proaktiven Software Supply Chain Security übergehen, um Datenpannen, Angriffe und hohe Strafen zu vermeiden.
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