BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz des akuten Fachkräftemangels in der IT-Branche bleiben Frauen in Deutschland aufgrund hartnäckiger Vorurteile benachteiligt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast die Hälfte der Unternehmen Männer für besser geeignet hält, während Frauen in IT-Abteilungen deutlich unterrepräsentiert sind.

In der deutschen IT-Branche sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert, obwohl der Fachkräftemangel in diesem Bereich ohne weibliche Talente kaum zu bewältigen ist. Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom, die anlässlich des Weltfrauentags veröffentlicht wurde, zeigt, dass fast die Hälfte der befragten Unternehmen Männer für besser geeignet für Tech-Berufe hält. Diese Vorurteile spiegeln sich auch in den Zahlen wider: In keiner einzigen IT- oder Digitalabteilung arbeiten mehr Frauen als Männer, und in 89 Prozent der Unternehmen stellen Frauen weniger als die Hälfte der Belegschaft.
Die deutsche Wirtschaft sieht sich im internationalen Vergleich bei der Gleichstellung in IT-Berufen als Nachzügler. Zwei Drittel der Unternehmen bewerten ihre Leistung kritisch, und 17 Prozent glauben sogar, dass Deutschland den Anschluss bereits komplett verpasst hat. Dennoch gibt es in den Führungsetagen ein Bewusstsein für das Problem: 78 Prozent der Firmenvertreter sind sich einig, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft verspielt, und 65 Prozent sehen in ihnen den Schlüssel zur Linderung des IT-Fachkräftemangels.
Trotz dieser Erkenntnisse sind Vorurteile im Einstellungsalltag weit verbreitet. 43 Prozent der Unternehmen geben offen an, dass Männer für IT- und Digitalberufe besser geeignet seien, und fast die Hälfte glaubt, dass solche Berufe Frauen abschrecken. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst kritisiert, dass stereotype Rollenbilder noch in zu vielen Unternehmen verankert sind. Zu den größten Hindernissen für Frauenkarrieren in der IT zählen Hürden beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit und eine mangelnde Sensibilisierung der Führungskräfte.
Ein weiteres Problem ist das Betriebsklima: In mehr als einem Drittel der Unternehmen wird Frauenförderung von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden. Generell halten 28 Prozent der Unternehmen Frauenförderung für nicht mehr notwendig. Diese Einstellungen tragen dazu bei, dass Frauen trotz gleicher Qualifikation benachteiligt werden und die sogenannte “gläserne Decke” weiterhin besteht. Um diese Herausforderungen zu überwinden, sind gezielte Maßnahmen und ein Umdenken in der Unternehmenskultur erforderlich.
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