LEIPZIG / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Trotz ambitionierter Pläne für ein Wasserstoff-Kernnetz gibt es noch viele Hürden, die überwunden werden müssen, um die Nachfrage zu steigern und wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen. Unternehmen wie BMW und Total Energies setzen auf Wasserstoff, um ihre CO2-Emissionen zu reduzieren, doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig.

Die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Der ostdeutsche Energiekonzern VNG hat darauf hingewiesen, dass das geplante Wasserstoffnetz nicht nur gebaut, sondern auch mit Wasserstoff gefüllt werden muss, um effektiv zu sein. Der Vorstandsvorsitzende Ulf Heitmüller betont, dass die Nachfrage und wirtschaftliche Bedingungen entscheidend sind, um das Netz nicht zu einer leeren Hülle verkommen zu lassen.
Der Fortschritt beim Wasserstoffhochlauf verläuft bisher schleppend. Lange Genehmigungsverfahren, strenge Vorgaben und fehlende Planungssicherheit bremsen Projekte aus. Zudem fehlt es vielerorts an verlässlicher Nachfrage, und die Herstellungskosten übersteigen oft die Zahlungsbereitschaft der Unternehmen. Diese Faktoren erschweren den Markthochlauf erheblich.
Ein Beispiel für die Nutzung von Wasserstoff ist das BMW-Werk in Leipzig, das plant, seinen Standort an das geplante Wasserstoff-Kernnetz anzuschließen. Eine Pipeline soll ab 2027 Wasserstoff direkt ins Werk liefern und die bisherige Lieferung per Lastwagen ersetzen. BMW plant, den Wasserstoff zunächst in der Lackiererei einzusetzen, um Prozesswärme zu erzeugen. Langfristig könnte der Bedarf auf über 1.500 Tonnen pro Jahr steigen.
Auch die Chemiebranche setzt auf Wasserstoff, um die Produktion klimafreundlicher zu gestalten. Die Raffinerie von Total Energies im Chemiepark Leuna plant, ihre CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken, unter anderem durch den Einsatz von grünem Wasserstoff. Eine Pipeline zwischen dem Energiepark Bad Lauchstädt und der Raffinerie wurde bereits fertiggestellt, und die ersten Lieferungen werden in diesem Jahr erwartet.
Das bundesweite Wasserstoff-Kernnetz soll bis 2032 rund 9.000 Kilometer Leitungen umfassen und große Industriezentren, Importpunkte, Speicher und Erzeugungsanlagen miteinander verbinden. Ein Großteil der Leitungen soll durch die Umrüstung bestehender Erdgas-Pipelines entstehen. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht in diesem Netz eine zentrale Voraussetzung für den Markthochlauf. Ob sich Wasserstoff in der Industrie durchsetzt, hängt jedoch maßgeblich von den Kosten, Förderinstrumenten und der Nachfrage ab.
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