BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz der steigenden Spritpreise in Deutschland zeigt eine aktuelle Analyse, dass die Fahrleistung der Autofahrer nicht signifikant gesunken ist. Im Gegenteil, es wird sogar mehr gefahren, was auf saisonale Mobilitätsmuster zurückzuführen sein könnte. Gleichzeitig verzeichnet die Deutsche Bahn eine erhöhte Nachfrage im Fernverkehr, was auf die gestiegenen Kraftstoffkosten zurückgeführt wird.

Die jüngsten Erhebungen des Verkehrsdatenspezialisten TomTom zeigen, dass die hohen Spritpreise in Deutschland nicht zu einem messbaren Rückgang der Fahrleistung geführt haben. Trotz der finanziellen Belastung durch die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise bleibt das Fahrverhalten der Deutschen weitgehend unverändert. Im Gegenteil, die Analyse deutet darauf hin, dass die Fahrleistung in bestimmten Zeiträumen sogar leicht zugenommen hat. Dies könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen, so ein Sprecher von TomTom.
Interessanterweise zeigt die Untersuchung Parallelen zu einer ähnlichen Situation zu Beginn des Ukraine-Krieges, als die Spritpreise ebenfalls stark anstiegen. Auch damals konnte kein signifikantes spritsparendes Verhalten auf den Autobahnen festgestellt werden. Die Datenbasis der aktuellen Analyse umfasst die von Millionen von Fahrzeugen zurückgelegten Strecken, die TomTom anonym erfasst. An bestimmten Tagen im März, als die Preise bereits hoch waren, wurde sogar ein höheres Verkehrsaufkommen als vor dem Kriegsausbruch verzeichnet.
Während die Autofahrer also weiterhin auf die Straße gehen, verzeichnet die Deutsche Bahn eine erhöhte Nachfrage im Fernverkehr. Der bundeseigene Konzern führt dies auf die gestiegenen Spritpreise zurück. Die Buchungen liegen an einigen Tagen bis zu 10 Prozent über den Vorjahreswerten. Im Regionalverkehr hingegen ist die Entwicklung schwerer zu messen, da hier der Wettbewerb mit anderen Verkehrsunternehmen größer ist. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) betont, dass es für eine bundesweite Einschätzung der Nachfrage im Regionalverkehr noch zu früh sei.
Auch der Berliner Carsharing-Anbieter Miles hat bisher keine erhöhte Nachfrage festgestellt, die direkt auf die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise zurückzuführen wäre. Dennoch sieht das Unternehmen Carsharing als eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative, insbesondere in Zeiten steigender Unterhaltskosten für private Pkw. Die Kombination aus steigenden Versicherungs-, Werkstatt- und Energiekosten macht den Besitz eines eigenen Fahrzeugs zunehmend unberechenbar, was Carsharing für viele Stadtbewohner attraktiv macht.
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