LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Uber und Pony.ai wollen in den kommenden Wochen mit Tests für Pony.ai-Gen-7-Robotaxis in London starten. Die Unternehmen bauen damit ihre Partnerschaft aus, die zunächst auf andere Regionen fokussiert war, und verlagern die Entwicklung schrittweise Richtung europäisches Einsatzszenario. Für Uber ist es ein weiterer Baustein in einer Multi-Partner-Strategie, mit der das Unternehmen autonome Fahrdienste parallel zu seiner Ride-hailing-Plattform ausrollen will. Gleichzeitig zeigt der Zeitplan, wie stark London als Testfeld für robotaxis in der Praxis genutzt werden soll.

Uber und Pony.ai starten Robotaxis-Tests in London
Uber und Pony.ai starten Robotaxis-Tests in London (Foto: IT BOLTWISE)
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Uber verlagert sein Tempo im Bereich Robotaxis deutlich nach London: Gemeinsam mit dem chinesischen Anbieter Pony.ai soll dort in den kommenden Wochen mit Tests für dessen Gen-7-Robotaxis begonnen werden. Damit folgt auf die bisherigen Ausbauschritte der Partnerschaft ein konkreter europäischer Umsetzungsschritt, der nicht nur auf Pilotkommunikation zielt, sondern direkt auf Fahrbetrieb unter realen Bedingungen. Auffällig ist dabei, wie konsequent beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit inzwischen geografisch streuen: Von einer frühen Fokussierung auf den Nahen Osten hin zu Europa und zugleich in weitere Märkte, in denen Robotaxis regulatorisch und operativ anders aufgesetzt werden müssen.

Technisch steht bei Pony.ai in London die Gen-7-Plattform im Vordergrund. Solche Generationen unterscheiden sich in der Praxis meist weniger durch „einen“ einzelnen Chip, sondern durch die Gesamtheit aus Sensorik-Integration, Wahrnehmungs- und Planungslogik sowie der Betriebssicherheit im Alltag: Wie zuverlässig das System in unterschiedlichen Wetterlagen erkennt, was los ist, und wie robust es Geschwindigkeits- und Spurentscheidungen im dichten Verkehrsfluss trifft. Uber spielt in diesem Modell nicht die Rolle des alleinigen Technologie-Owners, sondern die eines Plattformbetreibers, der seine Transport- und Buchungsinfrastruktur mit einem autonomen Fahrservice verheiratet. Das entkoppelt Aufwand und Risiko: Der Robotaxi-Stack kommt von Partnern, die Marktzugangs- und Nachfrageaggregation kommen von Uber.

Diese Multi-Partner-Strategie ist der zentrale Marktmechanismus der Uber-Erzählung. Laut den Angaben im Artikel hat Uber in den vergangenen Jahren Deals mit mehr als 30 autonomen Fahrzeugunternehmen geschlossen. Dazu passt die Erwartung, autonome AV-Fahrten bis Ende 2026 in bis zu 15 Städten weltweit anzubieten, grob aufgeteilt zwischen den USA und internationalen Märkten. Für Unternehmen in der Lieferkette der Robotaxi-Ökonomie bedeutet das: Nicht nur Hersteller von Hardware und Software sind gefragt, sondern auch Integratoren für Betrieb, Qualitätsmanagement und die Anbindung an Buchungs- und Abrechnungsschnittstellen. Genau hier entstehen Schnittstellenprobleme, etwa wenn Fahrzeugflotten, Dispatch-Logik und Datenfeeds aus unterschiedlichen Systemlandschaften zusammenlaufen.

Konkretes Anschauungsmaterial liefert der laufende Rollout in Europa bereits in Zagreb. Dort starteten Uber und Pony.ai im August 2026 gemeinsam mit einem weiteren Partner einen autonomen Ride-hailing-Dienst. Unter diesem Modell stellt Pony.ai das autonome Fahrsystem sowie das Arcfox-Alpha-T5-Robotaxi bereit, entwickelt mit dem chinesischen Automobilhersteller BAIC. Der Betrieb der Flotte liegt laut Artikel bei Verne, einem Startup, das von Mate Rimac gegründet wurde und die Fahrzeuge operativ betreibt, während Uber den Zugriff über sein Ride-hailing-Netz ermöglicht. Für London kündigen die Unternehmen einen ähnlichen Ansatz an, nennen aber noch nicht öffentlich, wer die Flotte in der Praxis besitzen und betreiben wird. Genau diese Unklarheit ist für Entscheider wichtig, weil sie bestimmt, wer für Langzeitbetrieb, Wartung, Einsatzplanung und Haftungsabsprachen primär verantwortlich ist.

Neben Pony.ai zeigt auch Wayve, dass London in den nächsten Monaten gleich von mehreren Autonomieansätzen umworben wird. Wayve hat der Meldung zufolge im Februar 2026 in einer Finanzierungsrunde 1,2 Milliarden US-Dollar eingesammelt, unter anderem mit Investitionen von Microsoft, NVIDIA und Uber; zusätzlich könne die Runde insgesamt auf 1,5 Milliarden US-Dollar anwachsen, falls Uber weitere 300 Millionen US-Dollar bereitstellt, abhängig davon, dass Wayve Robotaxis einsetzt, beginnend in London. Damit entsteht ein Wettbewerbsbild, in dem Uber nicht nur „Partner“ sucht, sondern unterschiedliche Technologie- und Betriebsmodelle parallel abprüfen kann. Im Ergebnis profitieren auch andere Ökosystemakteure: Sensorik- und Cloud-Anbieter, Fahrzeugintegratoren sowie Datenteams können durch mehrere Parallelpfade unterschiedliche Anforderungen an Latenz, Monitoring und Trainingsprozesse beobachten und darauf ausrichten.

Für den Markt außerhalb Europas lässt sich zudem nachvollziehen, warum Uber in London nicht wie bei einem einzelnen Pilotprojekt vorgeht. In Dubai hat Uber dem Artikel zufolge gesonderte Kooperationen mit Baidu und WeRide geschlossen, um Robotaxi-Services zu starten. Pony.ai wiederum betreibt bereits Robotaxi-Dienste in vier chinesischen Städten und arbeitet gleichzeitig mit lokalen Verkehrspartnern zusammen, während das Unternehmen in Richtung Europa und in den Nahen Osten, darunter Katar, expandiert. Diese Parallelität erhöht zwar die Komplexität, senkt aber die Abhängigkeit von einem einzigen Rolloutpfad. Sobald Tests in London in Betrieb gehen, wird sich zudem zeigen, wie schnell Partner-Integration, Dispatch- und Kunden-Experience über mehrere Stadtmodelle hinweg skalieren können. Für CIOs und Produktverantwortliche in Mobilitätsunternehmen ist das ein Signal: Robotaxis werden nicht nur als Fahrzeuginnovation relevant, sondern als neues Betriebsmodell, das Schnittstellen im Backend, Datenflüsse und Qualitätsmetriken dauerhaft in den Fokus rückt.

Die nächste messbare Phase startet damit in London: Mit den Tests „in den kommenden Wochen“ wird sich zeigen, wie schnell der Übergang von technischem Systemnachweis zu operativem Servicebetrieb gelingt. Unternehmen sollten die Entwicklung dabei nicht isoliert als Autonomie-Fortschritt betrachten, sondern als Indikator für Reifegrade in drei Bereichen: Automatisierte Fahrzeugsteuerung unter Echtverkehrsbedingungen, Betrieb einer Flotte inklusive Monitoring und Support sowie die Integration in eine Plattform, die Fahrten für Nutzer zuverlässig anbietet. Wenn Uber seinen Plan auf bis zu 15 Städte bis Ende 2026 ernsthaft umsetzt, wird London dabei eine frühe, sichtbare Referenz sein – gerade weil mehrere Partner mit unterschiedlichen Ansätzen im Umfeld aktiv sind.


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