MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Infineon hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen, sieht sich jedoch mit Herausforderungen im China-Geschäft konfrontiert. Trotz solider Zahlen und ambitionierter KI-Ziele bleibt der Markt in China ein Unsicherheitsfaktor. Analysten sind geteilter Meinung über die Zukunft des Unternehmens.

Infineon hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 die Erwartungen übertroffen und einen Umsatz von 3,66 Milliarden Euro erzielt, was einem Anstieg von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Besonders das Automotive-Segment trug maßgeblich zu diesem Wachstum bei. Für das laufende zweite Quartal plant das Management einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro. Trotz dieser positiven Zahlen gibt es jedoch Bedenken hinsichtlich des China-Geschäfts, das etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.
Die Analysten sind in ihrer Bewertung von Infineon gespalten. Während die UBS ihre Einschätzung von ‘Buy’ auf ‘Neutral’ herabgestuft und das Kursziel auf 45 Euro gesenkt hat, bleibt Bernstein optimistisch und bekräftigt sein Kaufurteil mit einem Kursziel von 52 Euro. Die UBS sieht Risiken in der nachlassenden Nachfrage in China und begrenzten Margenverbesserungen bis 2027. Bernstein hingegen hebt die strukturellen Stärken von Infineon hervor, insbesondere im Bereich der Automotive-Mikrocontroller und Leistungshalbleiter.
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor bleibt der chinesische Markt, der etwa 43 Prozent des Automotive-Umsatzes von Infineon ausmacht. Die UBS prognostiziert für 2026 und 2027 einen Rückgang der Automobilumsätze in China um jeweils 7 Prozent. Dies wird auf die schwache Nachfrage und den wachsenden Druck lokaler Chipanbieter zurückgeführt, die seit dem ersten Quartal 2023 die Umsätze westlicher Halbleiterhersteller übertreffen.
Trotz dieser Herausforderungen verzeichnet Infineon Erfolge bei neuen Partnerschaften und Produkten. So sind die AURIX-TC4D-Mikrocontroller zentrale Bausteine im Rechensystem der neuen BMW-Plattform ‘Neue Klasse’. Auch eine Kooperation mit Subaru, die auf AURIX-Technologie für ADAS-Systeme setzt, wurde kürzlich bekannt gegeben. Diese Entwicklungen könnten helfen, das China-Risiko mittelfristig auszugleichen.
Die KI-Ambitionen von Infineon sind ebenfalls ein Thema. Das Unternehmen plant, bis 2026 KI-bezogene Umsätze von 1,5 Milliarden Euro und bis 2027 sogar 2,5 Milliarden Euro zu erzielen. Die UBS äußert jedoch Skepsis hinsichtlich der dafür notwendigen Kapazitätserweiterungen und hält das erwartete Marktwachstum für geringer als die Annahmen des Unternehmens. Ob die Investitionen in KI und neue Partnerschaften das China-Risiko ausgleichen können, wird der Quartalsbericht am 6. Mai 2026 zeigen.
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