SYDNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine umfassende Überprüfung von Cannabis-Studien der letzten 45 Jahre zeigt, dass es kaum qualitativ hochwertige Beweise für die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung psychischer Erkrankungen gibt. Trotz der weit verbreiteten Nutzung von medizinischem Cannabis hinkt die wissenschaftliche Forschung hinterher.

Die Nutzung von Cannabis zur Behandlung psychischer Erkrankungen ist weit verbreitet, doch die wissenschaftliche Evidenz für seine Wirksamkeit ist spärlich. Eine umfassende Überprüfung von Studien, die in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlicht wurde, zeigt, dass es kaum qualitativ hochwertige Beweise gibt, die die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von Angstzuständen, posttraumatischer Belastungsstörung oder Depressionen belegen.
Die Forscher aus Australien analysierten über 50 klinische Studien, die sich mit verschiedenen psychischen Erkrankungen und Cannabinoid-Formulierungen befassten. Trotz der Popularität von Cannabis als medizinisches Mittel fanden sie keine überzeugenden Beweise für seine Wirksamkeit bei den am häufigsten genannten psychischen Erkrankungen. Lediglich bei Insomnie, Autismus und Tic- oder Tourette-Syndrom gab es mehr unterstützende Daten, die jedoch ebenfalls als “niedrige Qualität” eingestuft wurden.
Ein Hauptproblem bei der Forschung zu Cannabis ist die Einstufung als Schedule-1-Droge durch die Drug Enforcement Administration, was die Durchführung und Finanzierung gut kontrollierter Studien erschwert. Obwohl viele Staaten medizinisches und Freizeit-Cannabis legalisiert haben, führte dies nicht zu einer signifikanten Investition in qualitativ hochwertige Studien, die für die medizinische Bewertung von Behandlungen erforderlich sind.
Experten warnen zudem vor erheblichen Risiken bei gefährdeten Gruppen, einschließlich Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie Personen mit bipolaren oder psychotischen Störungen. Es gibt einen gut dokumentierten Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum in jungen Jahren und einem erhöhten Risiko für Psychosen. Daher ist es wichtig, dass Ärzte mit ihren Patienten über den Cannabiskonsum sprechen und die bestehenden Wissenslücken anerkennen.
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